Zeitschrift POLIS 03/2015: Ungleichheiten in der Demokratie

Vom 19. bis 21. März 2015 fand in Duisburg der 13. Bundeskongress Politische Bildung statt, den die DVPB wieder gemeinsam mit dem Bundesausschuss Politische Bildung (bap) und der Bundeszentrale für politische Bildung veranstaltete. Mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich in 12 Sektionen und 78 Workshops mit unterschiedlichen Aspekten des Tagungsthemas „Ungleichheiten in der Demokratie“.

Dabei ging es neben den eher klassischen Fragestellungen wie beispielsweise soziale Ungleichheit, Inklusion und Exklusion, Entwicklung der Städte oder den Wandel der Arbeitswelt auch um „neuere Themen“ wie Neuro-Enhancement und „Menschenverbesserung“ oder Big Data. Die Bundeszentrale für politische Bildung dokumentiert den Bundeskongress ausführlich auf ihrer Homepage (http://www.bpb.de/veranstaltungen/dokumentation/).

Bevor der Tagungsband im kommenden Jahr erscheinen wird, dokumentieren wir vorab vier Kongressbeiträge: Christoph Butterwegge, Steffen Mau und Oliver Nachtwey waren so freundlich, uns ihre Beiträge zur Verfügung zu stellen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Entwicklungen und Tendenzen der sozialen Ungleichheit beschäftigen.

Jochen Dallmer zeigt in seinem Artikel die Relevanz des Themas „Glück und gutes Leben“ für die politische Bildung auf. In der „Didaktischen Werkstatt“ finden Sie Material für ein Konferenzspiel zur Griechenlandkrise, das Jasper Meya und Lukas Meya entwickelt und auch mehrfach durchgeführt haben. (Bitte beachten Sie, dass Sie dazu weiteres Material auf unserer Homepage finden: http://dvpb.de/publikationen/zeitschrift-polis/). Außerdem hat uns eine weitere Replik zum Beitrag von Dirk Lange und Moritz Peter Haarmann über den Einsatz von Jugendoffizieren in allgemeinbildenden Schulen (Heft 1/2015) erreicht, die wir Ihnen im „Forum“ gerne zur Kenntnis geben. Mit dieser Ausgabe verändert die POLIS nach vielen Jahren ihr Aussehen. Nachdem wir im vergangenen Jahr bereits kleinere Veränderungen im Verbandsteil vorgenommen hatten, erscheint die POLIS nun in einem neuen Layout. Wir hoffen, dass es Ihnen gefällt.

Zusatzmaterialien zu dieser POLIS-Ausgabe finden Sie hier.

  • Christoph Butterwegge „Risse im sozialen Fundament des Gemeinwesens“
  • Steffen Mau „Die Rückkehr der sozialen Ungleichheit“
  • Oliver Nachtwey „Elemente der Abstiegsgesellschaft“
  • Jochen Dallmer „Das Gute Leben“ als Thema in Politik und politischer Bildung
  • Lukas Meya und Jasper Meya „Schuldenstreit. Ein Konferenzspiel zur Griechenlandkrise“

Call for papers DVPB-Herbsttagung 2016

Anlässlich der DVPB-Herbsttagung 2016 zum Schwerpunkt „Politische Bildung als Kritik“ läuft bis zum 16. September 2016 ein Call for Papers.

Weiter Informationen erhalten Sie hier:

Zeitschrift POLIS 02/2015: Handlungsorientierung – Politische Bildung durch politische Aktion?

Spätestens seit der Tagung im Haus am Maiberg im März 2010, die unter der Themenstellung „Partizipation als Bildungsziel“ organisiert war, ist die Kontroverse über das Verhältnis von Lernen und Handeln in der Politischen Bildung neu entbrannt. Während Vertreter der sogenannten „non-formalen“ Bildung dazu tendieren, das Politik-Machen geradezu als Voraussetzung für nachhaltiges politisches Lernen zu sehen, scheint bei den Repräsentanten der schulischen Politischen
Bildung eher die Befürchtung zu überwiegen, dass ein zu enges Verhältnis von politischem Lernen und politischer Aktion möglicherweise zu unzulässigen Grenzüberschreitungen führt.

Ein Déjà-vu-Erlebnis wird in diesem Zusammenhang durch Klaus-Peter Hufers Rückblick auf die in den Nachachtundsechziger Jahren vor allem in der politischen Erwachsenenbildung virulent geführten Debatte in Erinnerung gerufen. Daran anknüpfend versucht POLIS in dieser Ausgabe die aktuell konträren Positionen zu profilieren: Während Benedikt Widmaier aus der Sicht der non-formalen Bildung dafür plädiert, zwischen politischem Lernen und politischer Aktion eine enge Verknüpfung herzustellen, erörtert Armin Scherb aus der Sicht der Pragmatistischen Politikdidaktik Möglichkeiten und Grenzen, die im Verhältnis von politischem Handeln und politischem Lernen zu berücksichtigen sind. Als Ergänzung zu den Fachbeiträgen geben im FORUM renommierte Politikdidaktiker und Politikdidaktikerinnen Antwort auf die Frage, was „Handlungsorientierung“ in der Politischen Bildung bedeuten soll.

In der Didaktischen Werkstatt veranschaulicht Oliver Emde das politikdidaktische Potential „alternativer Stadtrundgänge“, die von zivilgesellschaftlichen Akteuren für die interessierte Öffentlichkeit, aber auch für Schulklassen und andere Lerngruppen angeboten werden.

  • Klaus-Peter Hufer „Zwischen Aktion und Reflexion – Handlungsorientierung in der Erwachsenenbildung“
  • Benedikt Widmaier „Politische Partizipation – wirklich ein Ziel der Politischen Bildung?“
  • Armin Scherb „Politik Lernen durch Politik MACHEN?“
  • Was heißt „Handlungsorientierung“ in der Politischen Bildung?
  • Oliver Emde „Spazierend schreiten wir voran.“

DVPB fordert Ausbau der Politischen Bildung

Der Zulauf rechtspopulistischer und rechtsextremer außerparlamentarischer Organisationen und die jüngsten Wahlergebnisse auf Kommunal- und Landesebene zeigen: die demokratische Substanz in Deutschland erodiert.
Immer mehr Menschen verbinden wirtschaftliche und kulturelle Ängste mit politischen Ressentiments.

Die Grundlage für verantwortungsbewusst handelnde Bürgerinnen und Bürger wird in den Schulen gelegt. Die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) appelliert deshalb an die Bildungsministerien der Länder, die Politische Bildung zu stärken und damit dem Demokratie-Auftrag von Schule und Gesellschaft nachzukommen.

Politische Bildung ist keine Nebensache, sondern das Fundament einer vitalen Demokratie!

Den kompletten Aufruf der DVPB finden Sie hier:

Zeitschrift POLIS 01/2015: Friedenspädagogik

Im vergangenen Jahr wurde in unzähligen Publikationen, Tagungen, Ausstellungen und Veranstaltungen aller Art des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 gedacht. In diesem Jahr erinnern wir uns an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Aber nicht nur diese beiden Gedenkjahre sondern auch die vielen aktuellen Gefahren für den Weltfrieden bieten Anlass, über die Bedeutung der Friedenspädagogik im Rahmen der politischen Bildung nachzudenken.

Deshalb haben wir Harald Müller gebeten, eine grundlegende Einschätzung der Sicherheitslage 100Jahre nach dem Ersten Weltkrieg vorzunehmen. Er gelangt in seiner Analyse zu erstaunlichen Ähnlichkeiten zwischen der weltpolitischen Lage von 1914 und 2015. Hans-Joachim Reeb erläutert, weshalb Sicherheit ein zentraler Gegenstand der politischen Bildung sein sollte. Die Bilanz, die Klaus-Peter Hufer nach 30 Jahren Friedensbewegung und Friedenpädagogik zieht, gibt eher Anlass zur Beunruhigung. Umso erfreulicher ist der Einblick in ihre lebendige friedenspädagogische Arbeit, den uns Christof Starke und Markus Wutzler vom Friedenskreis Halle e.V. gewähren. Schließlich beschäftigen sich Dirk Lange und Moritz Peter Haarmann mit dem nicht unproblematischen Einsatz von Jugendoffizieren der Bundeswehr in allgemeinbildenden Schulen. Soldaten seien keine politischen Bildner, und die Bundeswehr habe keinen politischen Bildungsauftrag, lautet ihr eindeutiges Resümee.

  • Harald Müller „Hundert Jahre später: Gibt es ein Weltkriegsrisiko?“
  • Hans-Joachim Reeb „Sicherheit in der politischen Bildung“
  • Klaus-Peter Hufer „Friedensbewegung, Friedensinitiativen und Friedenspädagogik: Was ist aus ihnen geworden?“
  • Christof Starke, Markus Wutzler „Wer Frieden will, muss den Frieden vorbereiten“
  • Dirk Lange, Moritz Peter Haarmann „Jugendoffiziere an Schulen“

Impressionen: DVPB Herbsttagung 2015

Die DVPB-Herbsttagung am 20. und 21. November in Berlin bot den Teilnehmenden interessante fachwissenschaftliche Vorträge zum Rahmenthema „Welt im Wandel: Politische Bildung im Kontext von Migration“, spannende Einblicke in die fünfzigjährige Verbandsgeschichte und Diskussionen zu brisanten Themen – beispielsweise dem Lobbyeinfluss der BDA auf das Angebot kritischer Unterrichtsmaterialien durch die bpb.

In POLIS Heft 4-2015 (Download) wird die Herbsttagung ausführlich dokumentiert. Aktuelle Beschlüsse des Erweiterten Bundesvorstandes der DVPB finden Sie unter „Positionen“.

Gratulanten zum 50. Verbandsjubiläum (v.l.n.r): Ulrich Bongertmann (Bundesvorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands), Prof. Dr. Wolfgang Sander (Festredner), Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung), Prof. Dr. Dirk Lange (Bundesvorsitzender der DVPB)

Als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung gratuliert Thomas Krüger der DVPB zum Verbandsjubiläum. Auf dem Podium (v.l.n.r.): Ulrich Bongertmann, Prof. Dr. Wolfgang Sander, Prof. Dr. Dirk Lange

Nach dem Festvortrag von Prof. Dr. Wolfgang Sander wurde im Foyer des Tagungssaales auf das Verbandsjubiläum angestoßen

Prof. Dr. Sabine Achour referiert zum Thema „Islam und Politische Bildung“


DVPB-Positionspapier: Gemeinsame Stellungnahme zum geplanten Schulfach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung an allgemeinbildenden Gymnasien

Die Anhörungsfassung des Bildungsplans Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS) bestätigt unsere Einschätzung, dass ein monodisziplinärer Bezug zu den Wirtschaftswissenschaften und die vorrangige, ökonomische Perspektive einem umfassenden und ausgewogenen Bildungsanspruch nicht gerecht werden. Die Verteilung gesellschaftlicher Themen auf separate Fächer führt, bei begrenzter Jahreskontingentstundenzahl für den Fächerbereich GemeinschaftskundeWirtschaft-Geographie, zu einer Schwächung der gesellschaftlichen Bildung.

Wir kritisieren aufs Schärfste, dass die Einführung des Schulfaches WBS, die zu Lasten der Fächer Geographie und Gemeinschaftskunde geht, ohne vorangehende, ergebnisoffene und öffentliche Diskussion erfolgte. Insbesondere kritisieren wir aber die privilegierte Behandlung zweier Arbeitsgruppen der Dieter von Holtzbrinck Stiftung durch das Kultusministerium und die intensive Zusammenarbeit der Landesregierung mit dieser einseitig interessensgeleiteten Stiftung.

Darum lehnen wir die mit der Bildungsplanreform 2016/2017 geplante Einführung des Schulfachs Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung an allgemeinbildenden Gymnasien ab.

Gerade angesichts der voranschreitenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche mit gravierenden sozialen und ökologischen Folgen ist eine Einbettung der ökonomischen Bildung in einen Kontext zu Gesellschaft, Natur und Politik unabdingbar. Diesen Anforderungen werden die bisherigen Ankerfächer der ökonomischen Bildung, Geographie und Gemeinschaftskunde, ersteres mit seiner einzigartigen Schnittstelle zwischen Gesellschafts- und Naturwissenschaft, letzteres idealerweise in Kombination mit einer bidisziplinären Lehrerausbildung (Politikund Wirtschaftswissenschaft), in weit besserem Maß gerecht, als ein monodisziplinär ausgerichtetes Fach WBS dazu je in der Lage wäre.

Wir fordern eine multiperspektivisch ausgerichtete, ökonomische Allgemeinbildung. Dadurch wird den Schülerinnen und Schülern Wirtschaft als ein gesellschaftliches Subsystem vermittelt, dessen Normen, Institutionen und Regeln von Menschen geschaffen werden und welches fortwährend, basierend auf politischen und ethischen Grundwerten, einem gesellschaftlichen Gestaltungsprozess unterliegt. Ökonomische Denkkategorien dürfen nie die alleinige oder vorrangige Basis von Werturteilen sein.

Wir empfehlen nachdrücklich, eine ergebnisoffene und öffentliche Diskussion zum Thema ökonomische Allgemeinbildung an Gymnasien zuzulassen (bei Nichteinführung der Bildungspläne Gemeinschaftskunde, Geographie und WBS an allgemeinbildenden Gymnasien). Sollte die Landesregierung das Schulfach WBS an allgemeinbildenden Gymnasien ohne ergebnisoffene Diskussion einführen, stände dies – wegen der zahlreichen, ablehnenden Stellungnahmen – im deutlichen Widerspruch zu der Aussage „Beteiligung groß geschrieben“.
Darüber hinaus empfehlen wir ausdrücklich die Wiedereinführung des bidisziplinären Lehramtsstudienganges Politik- und Wirtschaftswissenschaften.

Arbeitsgemeinschaft gymnasialer Eltern im Regierungsbezirk Tübingen (ARGE)
Rainer Bergmann, Vorsitzender

Deutsche Vereinigung für Politische Bildung e.V. (DVPB)
Prof. Dr. Dirk Lange, Bundesvorsitzender

Gesamtelternbeirat der Tübinger Schulen
Dr. Martin Lindeboom

Gewerkschaft Erziehung und Bildung Baden-Württemberg
Doro Moritz, Vorsitzende

Philologenverband Baden-Württemberg
Bernd Saur, Landesvorsitzender

Verband Deutscher Schulgeographen, Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Oktober 2015 • Esslingen • Haigerloch • Hannover • Stuttgart • Tübingen

DVPB-Positionspapier: Transparenzkodex

Lobbyisten umwerben Schulen und Lehrkräfte so intensiv wie nie zuvor mit kostenlosen Unterrichtsmaterialien. Anders als Schulbücher werden diese Materialien nicht unabhängig geprüft oder ministeriell zugelassen. Weil häufig nicht einmal die Urheberschaft entsprechender Lehr- und Lernmaterialien ersichtlich ist, dringen vermehrt einseitige Positionen in den Schulunterricht.

Deshalb hat die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) einen Transparenz-Kodex entwickelt. Der Kodex fordert die Kultusministerien auf, eine transparente Kennzeichnung von Unterrichtsmaterialien durchzusetzen. Zukünftig sollen alle in Schulen genutzte Materialien Angaben über Produzenten, Finanziers und unterstützende Organisationen enthalten.

DVPB Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien:

DVPB-Positionspapier zu Berufungen auf Professuren der Fachdidaktik

Politik bzw. Sozialwissenschaften / politische Bildung

Professuren für „Politische Bildung“ oder „Politik-Didaktik“ haben den Sinn, die Lehramtsausbildung für die politische Bildung an den Schulen des jeweiligen Landes zu stärken. Nur die Schulen erreichen die gesamte junge Bevölkerung und geben die Chance, die demokratische Zukunft der jungen Generationen durch Unterricht zu fördern. Die Notwendigkeit politisch-demokratischer Bildung für unser Gemeinwesen ist in den letzten Jahren immer sichtbarer geworden.

Wissenschaftliche Fachdidaktik „Politik“ oder „Sozialwissenschaften“ erarbeitet und vermittelt Professionswissen für die Lehre im Fachunterricht und im Schulleben sowie in der außerschulischen politischen Bildung, sie bedeutet also die Verklammerung von Praxis und Theorie und umgekehrt. Ausgewiesene schulische oder außerschulische Praxis ist unerlässlich in Kombination mit der nachgewiesenen theoretischen Verarbeitung dieser Erfahrungen. Hinzu kommt die Erforschung von Prozessen und Wirkungen beim Lernen und Lehren sowie die Entwicklung von Konzeptionen für den Unterricht.

Ausbilder für eine Profession sollten auch in der universitären Phase der Ausbildung beide Qualifikationen mitbringen: sie sollten durch hervorragende Forschung und Publikationen sozialwissenschaftlich-fachlich ausgewiesen sein und sie sollten diese Profession praktisch selbst beherrschen, wie dies in den klassischen Professionen völlig selbstverständlich vorausgesetzt werden kann.

Die Praxis-Dimension wird im Regelfall durch zwei Staatsexamen und Lehrerfahrungen in der Schule nachgewiesen. Im Fall der politischen Bildung sind auch ausgedehnte und reflektierte Lehrerfahrungen in der außerschulischen politischen Bildung denkbar, sofern dabei die Kooperation zwischen Schule und außerschulischen Lernorten wichtig war.

Die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung fordert die für schulische Bildung zuständigen Ministerien und die Universitäten und Pädagogischen Hochschulen auf, Professuren für die politische Bildung mit Blick auf die professionelle Ausbildung von Lehrenden auszuschreiben und die o.g. Kriterien zu formulieren: Sozialwissenschaftliche fachliche Kompetenz im wissenschaftlichen Bereich und professionelle Kompetenz für die Lehre in der schulischen und/oder außerschulischen Lehre der politischen Bildung.

Der Bundesvorstand der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB)

am 16.07.2020

Pressemitteilung DVPB Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien:

Der „DVPB-Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien“ im Wortlaut

(Beschlussfassung des DVPB-Bundesvorstands vom 24. Februar 2014)

Präambel

Die Produktion und Verbreitung von meist kostenlos angebotenen Unterrichtsmaterialien durch Dritte wie Unternehmen, Stiftungen, Verbände, Vereine, soziale Bewegungen und Inte ressengruppen aller Art hat sich in den letzten Jahren massiv ausgeweitet.

Schulen, Lehrkräfte und Lernende sehen sich nicht nur mit einer schier unüberschaubaren Vielzahl von Angeboten konfrontiert. Viel mehr wächst auch der Druck, den hinter diesen Materialangeboten stehen den organisierten Interessen durch Themenwahl, Materialeinsatz oder Einladung Externer in die Schule und in den Unterricht nachzugeben.

Einerseits spricht grundsätzlich wenig dagegen, sich mit Lehr-Lern-Materialien, die Dritte den Schulen anbieten, im Unterricht kritisch auseinanderzusetzen. Um eine distanziert-reflektierte Grundhaltung und ein Gespür für die allgegenwärtigen Einfluss- und Manipulationsversuche entwickeln zu können, müssen die Lernenden Kompetenzen erwerben, diese am konkreten Gegenstand aufzudecken, dahinter stehende Strategien zu durchschauen und sich dagegen zu schützen. Dies gelingt nur durch den methodisch angeleiteten Umgang damit.

Anderseits sind die finanziellen und personellen Ressourcen, die Machtpotenziale und die Zugangschancen zu Politik und Massenmedien sehr ungleich verteilt. Dies zieht auch eine strukturelle Asymmetrie hinsichtlich der Einflussnahme gesellschaftlicher Gruppen und Lobbyorganisationen auf das Bildungssystem nach sich, die sich im Materialangebot manifestiert. Während die einen über keinerlei Mittel und Personal verfügen, stehen anderen Millionenbeträge und professionelle Lobbyisten zur Verfügung. Deshalb brauchen die Lernenden Informationen darüber, wer ein Angebot in Verkehr bringt und wer es finanziert, beispielsweise über einen Direktlink zu Finanzierungsdaten auf der Homepage der anbietenden Organisation.

Schließlich gehört es zum professionellen Selbstverständnis von Lehrerinnen und Lehrern, dass sie in ihrem Unterricht pluralistische Mindeststandards einhalten. Was in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik strittig oder was in den Wissenschaften kontrovers ist, präsentieren sie als strittig und kontrovers in ihrem Unterricht. Sie garantieren unabhängig davon, dass die Lernenden ihre eigenen gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Interessen vortragen, verfolgen und weiterentwickeln können. Sie unterstützen sie beim Erwerb von Kompetenzen, die ihre individuelle kognitive, emotionale, evaluative und pragmatische Autonomie

Vor diesem Hintergrund sollen einige Regeln ein Mindestmaß an Transparenz über die Akteure hinter den für den Unterricht produzierten externen Materialien sichern. Lehr-Lern-Materialien, die diese Regeln nicht beachten, sollen in Schule und im Unterricht nicht verwendet werden. Alle Lehrkräfte sollen über den Transparenz-Kodex informiert werden.

Transparenz-Kodex für Unterrichtsmaterialien

  1. In Schule und Unterricht verwendete Materialien Dritter müssen im Impressum nicht nur die Herausgeber, sondern auch die Finanzierungsquellen sowie die Herstellung und Vertrieb unterstützenden Organisationen angeben.
  2. Sofern dies aus Platzgründen als nicht praktikabel er scheint, muss das Material einen direkten Link zu einer Webseite mit diesen Informationen enthalten.
  3. Wird eine Organisation wie z.B. ein Verein, eine Stiftung oder ein Institut als Förderer oder Finanzier angegeben, sind auch deren Geldgeber explizit, vollständig und leicht auffindbar zu nennen.
  4. Die Autorinnen und Autoren des Materials sind ebenso zu nennen wie ggf. ihre Zugehörigkeit zu einer Organisation.

Die DVPB fordert die Bildungsministerien der Länder auf, diesen Regeln entsprechende Vorgaben zu erlassen.

DVPB-Positionspapier: Politische Bildung für die Demokratie

Erarbeitet von Bundesvorstand und Erweiterten Bundesvorstand der DVPB, verabschiedet am 24.11.2014

Notwendigkeit Politischer Bildung

Demokratie setzt die Politische Bildung aller voraus. Ohne Politische Bildung achtet das demokratische Gemeinwesen sich selbst gering und gefährdet seine Grundlagen.

Demokratische Werte, Normen und Institutionen bedürfen der fortlaufenden Praxis und der kritischen Reflexion von Anspruch und Wirklichkeit durch mündige Bürgerinnen und Bürger.

Politische Bildung ist in einer Demokratie gesellschaftliche Allgemeinbildung. Hierfür trägt der Staat eine besondere Verantwortung.

Charakteristika Politischer Bildung

Als gesellschaftliche Allgemeinbildung ist Politische Bildung sozialwissenschaftlich ausgerichtet, um politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenhänge angemessen zu erfassen.

Politische Bildung orientiert sich an den Grundsätzen des „Beutelsbacher Konsens“: Überwältigungsverbot, Kontroversitätsprinzip und Befähigung zur interessengeleiteten Partizipation der Lernenden.

Die Befähigung des Einzelnen zu einer reflektierten und selbstbestimmten Teilhabe am öffentlichen Leben umfasst ethisch-moralisches Urteilen und politisches Handeln.

Politische Bildung ist Bildung zur Kritik- und Konfliktfähigkeit.

Soziales und politisches Lernen sind zu unterscheiden und als Demokratiebildung zu verknüpfen.

Politische Bildung reflektiert die Voraussetzungen und Bedingungen von demokratischer Beteiligung. Deshalb orientiert sie sich am Prinzip der Chancengleichheit.

Bildungspolitische Forderungen

Politische Bildung muss in allen Bildungsgängen verankert werden (allgemein- und berufsbildende Schulen, Hochschulen, Jugend- und Erwachsenenbildung, Aus- und Weiterbildung).

Die Förderung politischer Mündigkeit gehört zum Kern des Bildungsauftrages aller Schulen.

Sozialwissenschaftliches Lernen bedarf eines integrierenden Kernfaches der Politischen Bildung, das durchgängig mit mindestens zwei Wochenstunden unterrichtet wird.

Der mehrperspektivische Zugriff verlangt sozialwissenschaftlich und fachdidaktisch ausgebildete Lehrkräfte.
Hochschulen müssen die Politische Bildung aller Studierenden und insbesondere aller Lehramtsstudierenden fördern. Studienseminare setzen dies fort und bilden die Fachlehrkräfte für Politische Bildung aus.

Durch die Jugend- und Erwachsenenbildung wird Politische Bildung als lebenslanges Lernen unterstützt. Die zivilgesellschaftlichen Träger müssen durch Projektförderung und institutionelle Förderung abgesichert werden.

Politische Bildung braucht eine institutionalisierte fachdidaktische Forschung an den Hochschulen. Sie benötigt ein unabhängiges, forschungsorientiertes Institut für die Didaktik der Demokratie.

DVPB-Positionspapier: Erklärung von Hannover

Die drei Fachverbände fühlen sich in Kontinuität zur „Würzburger Erklärung“ von 1995 verantwortlich für die Weiterentwicklung der drei Schulfächer Erdkunde/Geographie, Geschichte sowie Politik/Sozialkunde/Politik-Wirtschaft/Gemeinschaftskunde/Sozialwissenschaften.

„Erklärung von Hannover“ vom 3. Juli 2015:

Die Zeit, der Raum und das Politische sind zentrale Dimensionen der Gesellschaft und für ihr Verständnis unabdingbar. Historische, geographische und politische Orientierung gehören zur Sekundarstufe I aller Schulformen stellen sich vor allem die Fächer Erdkunde/Geographie, Geschichte sowie Politik/Sozialkunde/Politik-Wirtschaft/Gemeinschaftskunde dieser Aufgabe auf der Grundlage einer hohen fachlichen und fachdidaktischen Kompetenz der Lehrkräfte und von wissenschaftsJedes der drei Fächer vermittelt den Heranwachsenden einen spezifischen Blick auf die Gesellschaft und angemessene Methoden. Zusammen tragen sie zu einer komplexen Politischen Bildung bei, in der mehrere Perspektiven notwendig sind und sich gegenseitig bereichern. Auch Perspektiven aus weiteren Fächern wie den Naturwissenschaften und Religion/Philosophie sind für viele Themen zwingend einzubeziehen. In der Schulpraxis sollten die betroffenen Fachvertreter daher immer eng zusammenarbeiten. In den Lehr- und Rahmenplänen ist diese Kooperation zu verankern.

Die drei Fachverbände wenden sich allerdings gegen die zunehmende Tendenz in vielen Bundesländern, die drei Fächer in allen oder in ausgewählten Jahrgangsstufen in ein gesellschaftswissenschaftliches Integrationsfach in der Hand einer einzigen Lehrkraft zusammenzulegen. So entstehen einerseits eine zu allgemeine „Sachkunde“ für den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich und andererseits im Unterrichtsalltag einseitige Verkürzungen auf nur eine der drei Perspektiven. Problematisch sind insbesondere:

-­‐ die meist fehlende Professionalität der einzelnen Lehrkraft für alle drei Fächer mit der Folge, dass immer wieder aus Unwissenheit nur verkürzte oder sogar falsche Aussagen und Perspektiven im Unterricht zum Tragen kommen;

-­‐ die häufig anzutreffende Ausklammerung von schwierigeren Themen aufgrund dafür unzureichender Ausbildung;

-­‐ die den Lernenden fehlenden fachlichen Grundlagen für die inhaltlichen und methodischen Anforderungen in den Bildungsgängen der Sekundarstufe II.

Die drei Fachverbände fordern daher, dass die verschiedenen fachlichen Perspektiven des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfelds weiterhin durch die drei Fächer Erdkunde/Geographie, Geschichte sowie Politik/Sozialkunde/Politik-Wirtschaft/Gemeinschaftskunde/Sozialwissenschaften mit dafür ausgebildeten Fachlehrkräften kompetent repräsentiert werden.

Dr. Frank-Michael Czapek
Verband Deutscher Verband der Geschichtslehrer

Ulrich Bongertmann
Deutsche Vereinigung für
Schulgeographen e.V.

Prof. Dr. Dirk Lange
Deutschlands e.V. Politische Bildung e.V.