DVPB-Positionspapier: Appell der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB): Demokratie-Auftrag von Schule erfüllen, Politische Bildung stärken!

Eine Demokratie bewährt sich durch die politische Verantwortung der Vielen. Als einziger Institution, die alle jungen Bürger und Bürgerinnen erreichen kann, ist es Aufgabe der öffentlichen Schule, Lernende auf ihre Rolle als verantwortungsvoller Souverän vorzubereiten. Zu diesem Bildungsauftrag öffentlicher Schulen bekennen sich die Bundesländer in ihren Schulgesetzen.
Damit die öffentliche Schule ihren Demokratie-Auftrag auch erfüllen kann, bedarf sie eines starken Unterrichtsfachs der Politischen Bildung. Dieser Aufgabe werden die Bundesländer und ihre Schulformen in sehr unterschiedlichem Ausmaß gerecht. Die DVPB fordert die Kultusministerien dazu auf, an allen öffentlichen Schulen eine hinreichende Politische Bildung sicherzustellen:

Politische Bildung ist gesellschaftliche Allgemeinbildung

Die Gewährleistung eines starken, integrativen Unterrichtsfaches der Politischen Bildung an öffentlichen Schulen erweist sich als ein elementares Interesse unserer Demokratie, denn Politische Bildung qualifiziert die Menschen zu einer aufgeklärten Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft. Politische Bildung meint eine an demokratischer Praxis orientierte gesellschaftliche Allgemeinbildung:

– Politik in einer Demokratie bringt Entscheidungen hervor, die die gemeinsame Regelung gemeinsamer Angelegenheiten ergeben sollen. In diesen komplexen Prozess können viele Interessen- und Werte-Konflikte eingehen: Unterschiede in Lagen, Interessen, Lebensgeschichten und Werten ergeben nicht nur interessante Vielfalt, sondern häufig massive Konflikte um Ressourcen und Anerkennung. Nicht immer gibt es klare, sichere und dauerhafte Lösungen, aber häufig kontroverse, belastende und auch frustrierende Auseinandersetzungen.

– Die öffentlich verantwortete Schule führt Jugendliche mit verschiedener sozialer Herkunft zusammen. Ein integratives Unterrichtsfach der Politischen Bildung eröffnet jungen Menschen vielfältige Chancen, ausgehend von Schlüsselproblemen der demokratischen Gesellschaft mit- und gegeneinander um ihre Identitäten und Interessen zu ringen und dabei demokratischen Zusammenhalt zu erleben und zu erwerben.

Voraussetzungen und Merkmale Politischer Bildung an öffentlichen Schulen

Damit sich Politische Bildung im Sinne des Demokratie-Auftrags von Schule entfalten kann, müssen auf Ebene der schulischen Lehrpläne und der Ausbildung von Fachlehrkräften insbesondere folgende Merkmale Politischer Bildung nachvollzogen werden.

Politische Bildung erweist sich als Bildung über und durch gesellschaftliche Kontroversen und deren demokratiekonforme Kanalisierung. Konflikt und Konsens sind aufeinander verwiesen, weil nur über das Austragen von Konflikten die Chance auf gemeinsame Lösungen – und sei es auf Zeit – besteht. Dieses Austragen der Konflikte gilt es im Fachunterricht demokratiekonform zu kanalisieren: Streitkultur meint auf der Seite der Subjekte den zivilen Umgang mit Kontroversen und setzt auf der Seite der Institutionen ein funktionierendes Regel- und Sanktionssystem voraus (wozu das staatliche Gewaltmonopol gehört). Politische Bildung befähigt Lernende dazu, gesellschaftliche Konflikte auszuhalten und demokratiekonform auszutragen.

Konfliktfähigkeit ist die Kern-Kompetenz Politischer Bildung. Demokratischer Politikunterricht verlangt deshalb Kontroversität und diese Kontroversität verlangt eine eigene, nicht-alltägliche Professionalität der Lehrenden (Beutelsbacher Konsens). Konflikte zu akzeptieren, sie im Unterricht zu inszenieren und diese Interaktionen zu wagen ist viel schwieriger als das politische Lernen auf „Fakten“ oder auf ein harmonisches Miteinander zu reduzieren und damit von der gesellschaftlichen Realität zu entfremden.

Politische Bildung bezieht gesellschaftliche Kontroversen auf verbindende demokratische Werte. Demokratie ist ein wert-volles politisches System. Dabei stehen universale Werte, Werte in unterschiedlichen Institutionen und Werte in den privaten Leben häufig in Konflikt miteinander. Eine Vereinheitlichung ist nicht möglich und nicht sinnvoll. Die Werte-Konflikte müssen thematisiert und reflektiert werden, damit die gemeinsame Basis des Grundgesetzes und der Menschenrechte zum Bezugspunkt werden kann.

Politische Bildung ist eine anspruchsvolle Bildungsaufgabe, die gut ausgebildeter Fachlehrkräfte bedarf. Empirische Unterrichtsforschung zeigt, dass eine bildungswirksame Nutzung von gesellschaftlichen Konflikten gut ausgebildete Lehrkräfte erfordert. Neben einer breiten sozialwissenschaftlichen Bildung müssen Lehrende die fachdidaktischen Prinzipien der Politischen Bildung und die dazu passenden Methoden und Verfahren in kontinuierlicher Ausbildung erwerben. Fachfremd Unterrichtende bedürfen einer angemessenen Weiterbildung in der Didaktik der Politischen Bildung. Allen Lehrkräften müssen – auch wegen der schnell wechselnden politischen Inhalte und Problemlagen – attraktive Möglichkeiten der Fortbildung geboten werden.

Politische Bildung bedarf einer anwendungsorientierten fachdidaktischen Lehr- und Lernforschung. Die Lehrerbildung benötigt eine wissenschaftliche Fundierung durch professionelle Lehre und fachdidaktische Forschung in den Universitäten. Die Kooperation von Universitäten und Studienseminaren ist zu fördern, damit die Phasen der Lehrerbildung aufeinander bezogen werden können.

Politische Bildung verlangt die Integration verschiedener sozialwissenschaftlicher Zugänge. Der demokratische politische Prozess und die Inhalte der Politik gehören zusammen. Auf die Sozialwissenschaften bezogen, erweist sich Politische Bildung daher notwendigerweise als ein interdisziplinäres Unterrichtsfach. Angesichts ihres politischen Stellenwerts müssen insbesondere auch ökonomische Fragen und Probleme in ihrem politischen und gesellschaftlichen Charakter aufgegriffen werden. Andernfalls werden die Lernenden mit der schwierigsten Bildungsaufgabe, politische, soziale und ökonomische Zusammenhänge wahrnehmen und beurteilen zu können, allein gelassen.

Politische Bildung verbindet politisches Handeln und politisches Denken. Auch und gerade in der Politischen Bildung stehen Handeln und Denken in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis. So brauchen Projekte der Partizipation im Schulleben und im außerschulischen Bereich (z.B. in der Kommune) die Reflexion im Fachunterricht, damit dem Handeln das bewusste Denken, Wissen und Beurteilen an die Seite tritt. Der Unterricht wiederum braucht das Handeln (z.B. durch Projekte wie der Juniorwahl, einer sozial und ökologisch verantwortlichen Schülerfirma oder einer durch Lernende initiierten Bürgeraktion), damit das Lernen geerdet wird, indem seine Inhalte konkret werden.

Politische Bildung verbindet soziales Lernen und politisches Lernen. Soziales und politisches Lernen müssen aufeinander bezogen werden. Soziales Lernen ist für den gemeinschaftlichen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft wichtig, führt aber nicht automatisch zu politischem KonfliktLernen, sondern muss sich dahin entwickeln.

Politische Bildung ist Bildung, nicht Kunde. Politische Bildung fußt auf einem sinnhaften Umgang mit politisch relevanten Gegenständen, so dass – bei schnell wechselnden aktuellen Stoffen – Kompetenzen und nicht das Lernen vereinzelter Informationen gefördert werden. Entsprechend anwendbares Wissen wird in Auseinandersetzungen mit Konflikten, Problemen, Fällen, Dilemmata, Gründungen und anderen Anforderungssituationen erworben.

Politische Bildung ist gesellschaftliche Allgemeinbildung im Sinne des Beutelsbacher Konsens. Alle Vorgänge im politisch bildenden Unterricht setzen ihrem Anspruch nach das Gebot der Kontroverse und damit das Verbot der Indoktrination sowie die Achtung vor den Interessen des lernenden Subjekts in konkrete Interaktionen um.

Forderungen der DVPB

Um den in den Schulgesetzen der Bundesländer verankerten Demokratie-Auftrag von Schule zu erfüllen, fordert die DVPB von den Kultusministerien:

(1) Sicherzustellen, dass Politische Bildung ab der fünften Jahrgangsstufe an allen Schulformen im Umfang von mindestens zwei Wochenstunden unterrichtet wird.

(2) Auf Ebene der Lehrpläne zu gewährleisten, dass dabei politische, ökonomische, kulturelle und soziale Konflikte aufgegriffen, aufeinander bezogen und im Lichte demokratischer Werte diskutiert werden. Von der verbreiteten Praxis, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen in den Unterrichtsfächern der Politischen Bildung als im Wesentlichen getrennte Lernfelder zu behandeln, ist Abstand zu nehmen.

(3) Geeignete Maßnahmen zu ergreifen, den verbreiteten Missstand des fachfremd erteilten Politikunterrichts zu beenden. Politische Bildung bedarf fachlich und fachdidaktisch gut ausgebildeter Lehrkräfte.

Die DVPB unterstützt die Kultusministerien gerne mit ihrer Expertise dabei, die Politische Bildung zu stärken und auszubauen – sei es in der Unterrichtspraxis, der fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Lehrkräfteausbildung an Universitäten und Studienseminaren oder der Fortbildung von Lehrkräften.

Zeitschrift POLIS 04/2016: Gesellschaftsordnungen

Die Frage nach den Ordnungen von Gesellschaften ist ausgesprochen virulent und auch für die politische Bildung bedeutsam. Dabei geht es auch um Fragen der Integration in einer beschleunigten und von Zentrifugalkräften geprägten (Welt)Gesellschaft. Wenn in der politischen Bildung grundsätzliche Fragen nach dem Zusammenleben in der Gesellschaft aufgeworfen werden, geht es in der Regel um die richtige Ordnung. Von Interesse ist dabei zumeist die Begründung einer vernünftigen Form des Zusammenlebens, die sich an ethischen und moralischen Idealen orientiert.

Es gilt, in einer richtigen Ordnung die Voraussetzungen für die Freiheit des Einzelnen ebenso zu berücksichtigen wie die Sicherstellung eines friedlichen Zusammenlebens; die Individualinteressen ebenso wie das Gemeinwohl usw. Im vorliegenden Heft soll diese Perspektive, Ordnungen hinsichtlich ihrer Begründungen aufzuarbeiten, etwas von den Rändern her betrachtet werden. In der aktuellen Polis eröffnet Ulrich Menzel den Blick auf internationale Ordnungen in ihren unterschiedlichen Konstellationen, möglichen Vermessungen und Wandlungen. Oliver Flügel-Martinsen beschreibt, wie jenseits institutioneller Settings politische Ordnungen gedacht werden können – Ordnungen sind dabei genau nicht als gegebene, starre Seinsverhältnisse anzusetzen. Den fachwissenschaftlichen Einlassungen folgen zwei fachdidaktisch orientierte Beiträge.

Werner Friedrichs betrachtet die Hervorbringungsmechanismen gesellschaftlicher Ordnungen und unterscheidet dabei drei unterschiedliche Typen mit Blick auf ihre didaktisch-methodischen Entsprechungen. Moritz Peter Haarmann diskutiert die Bedeutung des Themenbereichs Wirtschaftsordnung für die sozioökonomische Bildung. In der didaktischen Werkstatt entwirft Franziska Schädlich eine Skizze, wie die internationale Ordnung mit Hilfe des Empirebegriffs Eingang in den Unterricht finden könnte und markiert dazu erste Erfahrungen

  • Ulrich Menzel „Internationale Ordnungen“
  • Oliver Flügel-Martinsen „Politische Ordnung denken“
  • Werner Friedrichs „Macht(-)Ordnung (!) Über den didaktisch-methodischen Wert der Thematisierung von Ordnungsmechanismen“
  • Moritz Peter Haarmann „Wirtschaft ist politisch! Die Wirtschaftsordnung und ihre Zusammenhänge“
  • Franziska Schaedlich „Thematisierung der internationalen Ordnung auf der Folie des Empirebegriffs von Hardt/Negri“

DVPB-Herbsttagung 2017: Programm und Anmeldung

Unter dem Schwerpunktthema POLITISCHE BILDUNG IN INTEGRATIVEN FÄCHERN: PRAXEN – HERAUSFORDERUNGEN – PERSPEKTIVEN findet vom 16 bis 18. November in Berlin-Kreuzberg die fünfte Herbsttagung der DVPB statt.

Das Tagungsprogramm finden Sie hier:

Informationen zur Anreise finden Sie hier:

Und so melden Sie sich an:

Zeitschrift POLIS 03/2016: Digitalisierung und Politische Bildung

Die zunehmende Digitalisierung von Informations- und Kommunikationsstrukturen stellt eine kulturelle, soziologische, politische und ökonomische Zäsur dar. Die Wucht ihrer gesellschaftlichen Folgen wird ebenso mit der Erfindung des Buchdrucks wie mit der „industriellen Revolution“‘ “ verglichen.

Die zu diesem Themenschwerpunkt für die POLIS verfassten Beiträge bieten vielfältige und kontroverse Einblicke in die Chancen und Herausforderungen, die sich der Politischen Bildung explizit und implizit in diesem Zusammenhang stellen:

Christian Igelbrink und Wolfgang Sander (Universität Münster) zeigen an der digitalen Lernumgebung ‚Moodle‘ exemplarisch, wie sich neue Medien für eine ‚strukturierte Urteilsbildung‘ nutzen lassen (S. 7-11), Sigrid Baringhorst und Lisa Villioth haben untersucht, inwiefern sich die Organisation von und die Teilhabe an politischem Protest durch ‚Social Media‘ verändert (S. 12-15), Wolfgang Sander (Universität Gießen) nimmt das wackelige Fundament in den Blick, auf das mit der Digitalisierung unser kulturelles Gedächtnis gestellt wurde (S. 16-18).

Markus Gloe ist der Frage nachgegangen, ob neue Formen der Partizipation eine Herausforderung für die Politische Bildung darstellen (S. 19-21).

In der Didaktischen Werkstatt werden von mir drei Thesen für die Politische Bildungsarbeit in einer digitalisierten Gesellschaft entwickelt (S. 22-25). Auf der Homepage der DVPB (www.dvpb.de) finden Sie ergänzende Schülerarbeitsmaterialien zum Thema „Meine Daten – ein gutes Geschäft?“, die als Kopiervorlagen vorliegen und kostenfrei heruntergeladen werden können.

Mit POLIS Heft 3-2016 scheidet Tim Engartner aus beruflichen Gründen aus der POLIS-Redaktion aus. Die Redaktion bedankt sich herzlich für seine redaktionelle Arbeit und wünscht ihm weiterhin viel Erfolg in der Politischen Bildungsarbeit!

Ebenso herzlich begrüßen wir Bettina Zurstrassen (Hochschulprofessorin in Bielefeld und Vorsitzende der DVPB Nordrhein-Westfalen e.V.). Wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit mit ihr!

Zusatzmaterialien zu dieser POLIS-Ausgabe finden Sie hier.

  • Christian Igelbrink und Wolfgang Sander (Münster) „Neue Medien und strukturierte Urteilsbildung“
  • Sigrid Baringhorst und Lisa Villioth „Same, Same but Different“ – Zum Wandel von Organisations- und Beteiligungsformen von Protest im Netz
  • Wolfgang Sander (Gießen) „Das dunkle Jahrhundert. Der drohende Verlust des kulturellen Gedächtnisses durch die Digitalisierung“
  • Markus Gloe „Direkte und neue Formen der Partizipation – Herausforderungen für die Politische Bildung?“
  • Moritz Peter Haarmann „E-Citizenship?! Impulse zum Ausbruch aus einer digitalen Unmündigkeit“

DVPB-Herbsttagung 2017: Call for Papers

Die diesjährige Herbsttagung der DVPB steht unter dem thematischen Schwerpunkt „Politische Bildung in integrativen Fächern Praxen – Herausforderungen – Perspektiven“ und findet vom 16. bis 18. November in Berlin-Kreuzberg statt.
Politische Bildner (insbesondere auch Lehrkräfte und Studienseminarleitungen) sind herzlich eingeladen, sich am Call for Papers zu beteiligen. Einreichungsfrist für die Abstracts ist der 15. August.

Zeitschrift POLIS 02/2016: Rassismuskritische Bildung

Rassismus ist ein schwieriges Thema. Wir sind geneigt, vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse, Rassismus nur im Zusammenhang mit rechts extremistischen Einstellungen, Äußerungen und Handlungen zu sehen und ihn als gesellschaftliches Randphänomen oder Ausnahmeerscheinung aufzufassen. Dass Rassismus aber als alltägliche Diskriminierungsform Bestandteil der gesellschaftlichen Wirklichkeit und als alltagprägendes Weltbild bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein verankert ist, wird eher selten thematisiert, geschweige denn als dauerhaft präsentes Problem begriffen. Man tut sich schwer, bereits bei abwertenden Sprechakten, struktureller Diskriminierung oder alltäglicher Ausgrenzung und selbst bei offener Gewalt von Rassismus zu sprechen.

Um diesem distanzierenden Umgang mit Rassismus entgegenzuwirken und das eigene Involviertsein in rassistisches Denken und Verhalten reflektieren zu können, wurde das Konzept der Rassismuskritik entwickelt, das mittlerweile in die Bildungseinrichtungen Einzug hält, dabei aber auf dem Weg in die öffentlichen Schulen nur sehr langsam vorankommt. Für pädagogisches Handeln ist es absolut notwendig, über basale Kenntnisse zu Rassismus und Rassismuskritik zu verfügen, um die eigene Praxis zu reflektieren. Diese Kenntnisse vermittelt uns Astrid Messerschmidt mit ihrem Beitrag. Karim Fereidooni begründet in seinem Artikel, weshalb Rassismuskritik fester Bestandteil aller Phasen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung sein muss. Sylvia Heitz stellt dazu ein Praxisbeispiel aus dem Lehramtsstudium vor.

Dass Schülerinnen und Schüler, insbesondere wenn sie sich in rassismuskritischen Kontexten politisch engagieren, die Unterstützung ihrer Lehrerinnen und Lehrer benötigen, zeigt Steve Kenner. In der DIDAKTISCHEN WERKSTATT stellen wir eine Berufsschule vor, die sich auf dem Weg zu einer rassismuskritischen Schulkultur befindet. In dieser POLIS-Ausgabe gibt es wieder ein FORUM: Joachim von Olberg hat ein instruktives Interview mit Mathias Busch über seine Forschungsarbeiten zur Staatsbürgerkunde in der Weimarer Republik geführt.

  • Astrid Messerschmidt „Rassismuskritik als Perspektive für die politische Bildung“
  • Karim Fereidooni „Rassismuskritik: (K)ein Thema für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern?“
  • Sylvia Heitz „Eine Frage der Haltung“
  • Steve Kenner „Aktion statt Resignation: Den aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen mit politischer Bildung begegnen“
  • „Rassistische Einstellungen sollen an unserer Schule keine Chance haben“. Ein Interview

Überwältigende Bevölkerungsmehrheit für eine Stärkung der politischen Bildung an Schulen

DVPB fordert mehr Unterrichtszeit

In einer im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks durchgeführten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap sprechen sich 89% der Befragten für die Stärkung der politischen Bildung an Schulen aus.

Die DVPB unterstützt dieses Anliegen und fordert ein Pflichtfach für politische Bildung an allen allgemeinbildenden Schulen ab Klasse 5 im Umfang von zwei Wochenstunden.

Zeitschrift POLIS 01/2016: Globales Lernen

Seit mehr als zwei Jahrzenten gibt es in Deutschland Bildungsansätze zu globalen Problemlagen, die in unterschiedlicher Weise globale politische Fragen thematisieren. Dabei geht um ein Begreifen des globalen Wandels mit dem Ziel, Kompetenzen für weltweite Veränderungsprozesse zu entwickeln. Fragen globaler Gerechtigkeit, von Macht- und Herrschaft oder auch Rassismus, werden in unterschiedlicher Weise und Akzentuierung angesprochen. Dies ist seit einigen Jahren auch in den Curricula der Länder angekommen.

Robert Schreiber stellt hier die Neuausgabe des „Orientierungsrahmen für den Lernbereich globale Entwicklung“ der Kultusministerkonferenz vor, der globale Fragen in fast alle Fächer der Schule bringen will. Hierbei wird deutlich, dass Globales Lernen heute weitgehend als Teil von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gesehen wird. Die anderen Beiträge liefern verschieden Perspektiven auf Globales Lernen.

So analysieren Anna-Lena Lillie und Jasper Meya den Beitrag von BNE für die politische Bildung. Fischer u.a. stellen die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vor, das Schülervorstellungen von Globalisierung nachgegangen ist. Das Arbeitsfeld der Inklusion kommt auch aus dem internationalem Kontext in deutsche Schulen. Marie Bludau diskutiert Zusammenhänge zum Globalen Lernen.
Globales Lernen thematisiert schon sehr lange Problemlagen, die mit Fluchtursachen in ganz direktem Zusammenhang stehen.
Sönke Zankel liefert in der Didaktischen Werkstatt einen Überblick über ein Schulprojekt, das sich in heimischen Gefilden mit globalen Fragen sehr praktisch befasst. Es geht um die aktuelle Flüchtlingssituation.

Damit schließt sich der Kreis zwischen oft abstrakten globalen Problemlagen und einigen der Konsequenzen auf lokaler Ebene.

  • Jörg Robert Schreiber „Globales Lernen für die ganze Schule“
  • Anna-Lena Lillie, Jasper Meya „Der Beitrag der politischen Bildung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung“
  • Sebastian Fischer, Malte Kleinschmidt, Florian Fischer, Dirk Lange „Globales Lernen: Politik statt Kompetenz“
  • Marie Bludau „Inklusion und Globales Lernen in der politischen Bildung“
  • Sönke Zankel „„Einen Zusammenhang herstellen zwischen der Schule und unserer Gesellschaft“ – Schüler organisieren eine Flüchtlingskonferenz“

Zeitschrift POLIS 04/2015: DVPB – 50 Jahre im Interesse Politischer Bildung

Seit 50 Jahren engagiert sich die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung im Interesse Politischer Bildung. Auf der DVPB-Herbsttagung in Berlin war das ein Grund zum Feiern. Die POLIS dokumentiert die Festrede, mit der Wolfgang Sander unsere Verbandsgeschichtsschreibung eröffnet. Sander beschreibt historische Leistungen der DVPB und umreißt zugleich inhaltliche Handlungsfelder der künftigen Verbandsarbeit. Die praktische Arbeit der DVPB als Interessenvertretung der Politischen Bildung erläutert Helmut A. Bieber anhand einer Mindmap. Diese Übersicht kann als Jubiläumsbeilage aus der Heftmitte herausgelöst werden.

Vorläufer unsere Interessenvertretung entdeckt Hans-Joachim von Olberg in der „Vereinigung für staatsbürgerliche Bildung und Erziehung“ vor dem 1. Weltkrieg. Für die Darstellung deren Gründungsphase hat er bislang unbekannte Dokumente ausgewertet. Ein aktuelles Handlungsfeld der DVPB wird durch das „vorläufige Vertriebsverbot“ in Erinnerung gerufen, dass das Bundesinnenministerium für eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung erteilt hat. POLIS dokumentiert den Skandal und steht im Gespräch mit betroffenen WissenschaftlerInnen. Für die Didaktische Werkstatt entwickelt Jan Eike Thorweger an dem Fallbeispiel eine Unterrichtsstunde zum Thema Lobbyismus. Auf der Berliner Herbsttagung hat sich die DVPB nachdrücklich für die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der bpb ausgesprochen. Diese und weitere Nachrichten finden Sie wie üblich im Zeitungsteil sowie in der DVPB aktuell.

  • Wolfgang Sander „Fünfzig Jahre Deutsche Vereinigung für Politische Bildung“
  • Hans-Joachim von Olberg „Die Gründung der „Vereinigung für staatsbürgerliche Bildung und Erziehung“ vor dem 1. Weltkrieg“
  • Helmut A. Bieber „Die DVPB als Mindmap“
  • Herausforderungen der Politischen Bildung – Aufgaben der DVPB
    BDA stoppt kritische Publikation der bpb
  • Jan Eike Thorweger „Lobbyismus am Fallbeispiel „Ökonomie und Gesellschaft“