Die DVPB und der Verband der Lehrerinnen und Lehrer der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Frankreich (APSES) fordern eine Bildungspolitik, die der Bedeutung sozialwissenschaftlicher Bildung an öffentlichen Schulen gerecht wird.
Martin
Zeitschrift POLIS 04/2017: Politische Bildung am Berufskolleg
Für viele Lehrende und Forschende im Feld der politischen und sozioökonomischen Bildung ist der berufsbildende Bereich eine Terra incognita. Wenn über berufsbildende Schulen medial berichtet wird, dann oft im Zusammenhang mit sog. „Bildungsbenachteiligten“.
Die berufsbildenden Schulen als Auffangbecken für die Gescheiterten? Diese Perspektive ist falsch und sie verkennt das Potential der Lernenden, sie verkennt die Vielfalt der Angebote, die vom dualen Zweig, über Fachschulen, die Fachoberschule, das Berufsgymnasium sowie Integrationsklassen reichen und sie verkennt auch die Chancen, die Berufe außerhalb akademischer Berufsbilder eröffnen.
Gut 80% der Absolventen/Absolventinnen der allgemeinbildenden Schulen wechseln an berufsbildende Schulen. Dennoch schenkt die Politische Bildung dem berufsbildenden Bereich bisher immer noch wenig, zu wenig Beachtung.
Die vorliegende POLIS-Ausgabe soll einen ersten Eindruck über die Herausforderungen und Erfahrungen der politischen Bildung an berufsbildenden Schulen geben. Es gibt vieles zu lernen. Die Vielzahl an Konzepten, Ideen und Maßnahmen zum unterrichtlichen Umgang mit heterogenen Lerngruppen sind ein Beispiel. Die Breite der Erfahrungen mit fächerübergreifendem Unterricht, der mit der Lernfelddidaktik von der Kultusministerkonferenz curricular festgelegt wurde, ein weiteres. Der berufsbildende Bereich ist eine der zentralen Institutionen der gesellschaftlichen Integration von Geflüchteten, von Zuwanderern und von jungen Menschen insgesamt. Diesen im Rahmen der politischen Bildung den Wert und die Bedeutung der Demokratie und der freiheitlich-pluralen Gesellschaft zu vermitteln, sie auf dem Weg zur politischen Mündigkeit zu begleiten, ist eine Aufgabe, der sich die politische Bildung im berufsbildenden Bereich stellt.
- Bettina Zurstrassen „Wozu politische Bildung an beruflichen Schulen?“
- Martin Kenner „Zur Orientierungsleistung von empirischen Studien zum politischen Unterricht an beruflichen Schulen“
- Interview mit Hans Werner Heißmann-Gladow (IG-Metall) „Gewerkschaftliche Präsenz an berufsbildenden Schulen“
- Susanne Offen „Niemand war schon immer da“ – Mobilität, Flucht und Migration im europäischen Projekt als Gegenstand der politischen Bildung
- Torsten Kühn-Schad/Jannis Papoutsakis „Heterogenität an berufsbildenden Schulen als Ressource in der politischen Bildung“
- Anton Meier „Im Spannungsfeld von Beschäftigung und Unsicherheit: Flashmob als Instrument des Arbeitskampfes“
Gemeinsame Stellungnahme von GPJE, DVPB und DVPW-Sektion zur AfD-Meldeplattform „Neutrale Schulen”
Mit der Aktion „Neutrale Schulen“, in deren Rahmen zahlreiche Landesverbände der AfD Lernende und Eltern zur Meldung von Lehrkräften aufrufen, die sich kritisch mit der Partei auseinandersetzen, missbraucht die AfD für durchsichtige parteipolitische Interessen die Grundsätze des Beutelsbacher Konsenses.
Gemeinsam mit der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) und der Sektion Politikwissenschaft und Politische Bildung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW-Sektion) appelliert die DVPB an alle Lehrkräfte, sich nicht von der AfD einschüchtern zu lassen und auch weiterhin ihrer Verpflichtung nachzukommen, antipluralistischen, diskriminierenden oder geschichtsrevisionistischen Positionen entschlossen entgegenzutreten.
Zahlreiche Landesverbände der Alternative für Deutschland (AfD) wollen sich der Hamburger Fraktion mit ihrer Aktion „Neutrale Schulen“ anschließen. Nahezu bundesweit sollen Schüler*innen und Eltern künftig Lehrkräfte auf einer Website melden können, die das Neutralitätsgebot vermeintlich verletzen. Entsprechende Meldungen will die AfD von der Schulbehörde als „Neutralitätsverstöße“ überprüfen lassen, damit „ggf. disziplinarische oder arbeitsrechtliche Maßnahmen“ gegen Lehrkräfte ergriffen werden können.
Damit missbraucht die AfD die Grundsätze des 1976 vereinbarten und von allen politischen Bildner*innen geteilten Beutelsbacher Konsenses. Dessen Grundsätze fordern die sachliche Auseinandersetzung mit den in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit vertretenen Positionen. Weder das dort verankerte Kontroversitätsgebot noch das gleichrangig zu behandelnde Überwältigungsverbot begründen eine „Neutralität“ oder gar Toleranz gegenüber demokratieverachtenden Parolen oder menschenfeindlichen Äußerungen.
Im Gegenteil: Kontroverse Positionen können nur so lange als gleichberechtigte Stimmen im demokratischen Diskurs anerkannt werden, wie sie mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FDGO) in Einklang stehen, auf deren ‚Grenzen’ sich auch die AfD beruft. Verletzen Positionen hingegen demokratische Grundwerte, so dürfen und sollen sie von Lehrkräften als antidemokratische Haltungen kritisiert werden. Lehrer*innen sind verpflichtet, Stimmen und Stimmungen im Unterricht nicht unwidersprochen zu lassen, die sich gegen zentrale Grundrechtsartikel wie Artikel 1 Absatz 1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar.“) und Artikel 3 Absatz 1 („Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“) oder gegen zentrale Verfassungsprinzipien wie das Rechtsstaatsgebot oder die Gewaltenteilung (Art. 20 GG) richten.
Wer etwa den Einsatz von Schusswaffen gegen Geflüchtete an der Grenze erwägt (von Storch), das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet (Höcke), die in Deutschland lebenden Türk*innen als „Kameltreiber“ diffamiert (Poggenburg) oder die einstige Integrationsbeauftrage, Aydan Özoguz, „in Anatolien entsorgen will“ (Gauland), bewegt sich nicht mehr auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Wer Alexander Gaulands Bemerkung, die zwölf Jahre Nazizeit seien nur ein „Vogelschiss“ in der 1.000-jährigen Geschichte Deutschlands, unwidersprochen lässt, bahnt völlig abwegigen Geschichtsdeutungen den Weg. Auch wenn AfD-Politiker und -Politikerinnen den Mord an sechs Millionen Juden und Jüdinnen sowie 50 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg relativieren, müssen Lehrkräfte dem im Unterricht widersprechen.
Die Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE), die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) und die Sektion Politikwissenschaft und Politische Bildung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) verurteilen das Vorgehen der AfD als zutiefst undemokratisch. Wer – wie die Hamburgische AfD-Fraktion – zu Meldungen aufruft, die anonym erstattet werden können, hat kein aufrichtiges Interesse an Klärung, sondern will Lehrkräfte, die eine AfD-kritische Haltung artikulieren, einschüchtern und mundtot machen. Zugleich verbreitet die AfD-Fraktion Hamburg eine unhaltbare Fehlinterpretation des Grundkonsenses der politischen Bildung.
GPJE, DVPB und DVPW-Sektion fordern ihre Mitglieder und alle Lehrerinnen und Lehrer dazu auf, sich von der politischen Rhetorik der AfD nicht blenden und einschüchtern zu lassen. Solange Lehrkräfte andere Positionen im Unterricht zulassen, dürfen sie weiterhin ihre eigene Position artikulieren. So hat auch die Bremer Landesregierung – nachdem die AfD dort eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Lehrer eingereicht hatte – festgestellt: „Lehrer dürfen Mitteilungen von Parteien kritisch zerpflücken, historisch Parallelen ziehen und sie in einen Kontext stellen.“ Als demokratische Lehrer*innen sind sie darüber hinaus dazu verpflichtet, gegen antipluralistische, diskriminierende und geschichtsrevisionistische Tendenzen einzutreten.
Um Schülerinnen und Schüler über solche der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zuwiderlaufende Haltungen aufzuklären, ihnen demokratische Werte zu vermitteln und ihre politische Urteilsfähigkeit, Widerstandskraft und Zivilcourage gerade im Umgang mit aktuellen antidemokratischen Tendenzen in der Gesellschaft zu stärken, brauchen wir mehr Unterrichtszeit für politische Bildung an Schulen sowie entsprechend qualifizierte Fachlehrkräfte. Erforderlich ist zudem eine nachhaltig verbesserte Ausstattung der Institutionen und Träger außerschulischer politischer Bildung in Deutschland. Darüber hinaus bedarf es gut ausgestatteter Professuren für politische Bildung, welche die Gelingensbedingungen demokratischer politischer Bildung erforschen, konzeptionell begründen und die Lehrkräfte auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereiten.
Prof. Dr. Monika Oberle
Sprecherin der GPJE
Prof. Dr. Dirk Lange
Bundesvorsitzender DVPB
Prof. Dr. Andrea Szukala
Sprecherin DVPW-Sektion Politikwissenschaft und Politische Bildung
14. Bundeskongress Politische Bildung
Vom 07.–09. März 2019 findet in Leipzig unter dem Schwerpunkt „Was uns bewegt. Emotionen in Politik und Gesellschaft” der 14. Bundeskongress Politische Bildung statt.
Veranstaltet wird der Bundeskongress für Politische Bildung von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e. V. (DVPB) und dem Bundesausschuss Politische Bildung e.V. (bap). Lokaler Kooperationspartner ist die Volkshochschule Leipzig. Die inhaltliche Konzeption wird durch den Verein Transfer für Bildung e.V., Fachstelle politische Bildung, unterstützt.
Informationen über das Programm, die Veranstaltungsorte und die Anmeldung sind auf der Internetpräsenz der bpb (externe Website) abrufbar.
Zeitschrift POLIS 03/2017: Populismus
Noch eine Veröffentlichung zum Populismus?
Auch wenn die Flut der Veröffentlichungen zum Thema mittlerweile kaum mehr zu überschauen ist, hat sich die POLIS-Redaktion dennoch entschieden, ein Heft dazu herauszugeben. Denn alle Welt spricht zwar vom Populismus, ihn aber zu verstehen, ist gar nicht einfach. Deshalb haben wir Dirk Jörke und Veith Selk um eine Erklärung des Phänomens gebeten, die sie mit der Suche nach den Ursachen der Erfolge der populistischen Mobilisierungen verknüpfen. Mit den Ursachen der Konjunkturen, die der Populismus überall in Europa erfährt, beschäftigt sich auch Gudrun Hentges in ihrem Beitrag. Sie fragt auch nach den europapolitischen Folgen, die mit der Dynamik der populistischen Entwicklung verbunden sind. Angesichts dieser Dynamik steht die politische Bildung vor besonderen Herausforderungen. So sieht Michael May die Fähigkeit zur rationalen politischen Urteilsbildung unter zunehmendem Druck, und er stellt die Frage, ob „Echokammern“ oder „alternative Fakten“ diese nicht grundsätzlich in Frage stellen. Andreas Eis, Federik Metje und Claire Moulin-Doos begreifen den Populismus als Konsequenz einer zunehmenden Entpolitisierung der Gesellschaft. Die didaktische Werkstatt zum Thema hat für diese Ausgabe Carl Deichmann erstellt. Neben den Beiträgen zum Themenschwerpunkt möchten wir den „kritischen Außenblick“, den Richard Meng im Verbandsteil auf die politische Bildung wirft, sehr empfehlen.
Wir danken allen Autorinnen und Autoren für die Mitarbeit und wünschen den Leserinnen und Leser viel Spaß bei der Lektüre
- Dirk Jörke, Veith Selk „Populismus verstehen“
- Gudrun Hentges „Konjunkturen des Rechtspopulismus in Europa“
- Michael May „Politische Urteilsbildung unter Druck“
- Andreas Eis, Frederik Metje, Claire Moulin-Doos „Populismus: Bedrohung der Demokratie oder Konsequenz von Entpolitisierung?“
- Carl Deichmann „Populismus und Extremismus: didaktische und methodische Herausforderungen für die politische Bildung“
DVPB-Herbsttagung 2018
Programm und Anmeldung
Die sechste Herbsttagung der DVPB steht unter der Leitfrage POLITISCHE BILDUNG ALS DEMOKRATISIERUNG DER GESELLSCHAFT? und findet vom 15.–17. November 2018 in Berlin-Wedding statt.
Bitte beachten Sie den neuen Veranstaltungsort. Da wir u. a. ein Kino nutzen möchten, findet die Herbsttagung erstmals im deutsch-französischen Kulturzentrum Centre Français de Berlin statt.
Das Tagungsprogramm finden Sie hier:
Und so melden Sie sich an:
Call for Papers Herbsttagung 2018
Die diesjährige Herbsttagung steht unter der Leitfrage „Politische Bildung als Demokratisierung der Gesellschaft?“. Dabei sollen Erwartungen und Ideen bzgl. der Funktion der Politischen Bildung im Bildungssystem in Zusammenhang mit dem Demokratie-Auftrag von Schule und Gesellschaft ausgetauscht und diskutiert werden.
Der Bundesvorstand lädt alle politischen Bildnerinnen und Bilder ein, sich am Call for Papers zu beteiligen. Einreichungsfrist für die Abstracts ist der 31. Mai.
📄Call for Papers (PDF)
Zeitschrift POLIS 02/2017: EU – Krisen als Konstante?
Keine Fachzeitschrift verfügt über das Umfangsbudget, um auch nur annähernd die zahlreichen aktuellen Krisenherde und Baustellen der Europäischen Union mit ihrem derzeit bedrohlichen Desintegrationspotenzial angemessen zu bearbeiten. Und auch die wechselnde Aktualität der Ereignisse, wie zuletzt die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, kann auf dem Reflexionsniveau einer Fachzeitschrift nicht simultan eingefangen werden. Folgende Auswegentscheidung wurde daher für das vorliegende Heft getroffen:
Andreas Kalina versucht mit einem thematischen Übergriff, die Diversität der Problemlagen unter das immer wieder diskutierte Demokratiedilemma zu subsumieren. Das Allgemeine in den Besonderheiten der EU-Entwicklung bearbeiten Johannes Varwick und Manuel Wäschle mit der Darstellung der Integrationsmöglichkeiten vor dem Hintergrund unterschiedlicher Länderbedingungen und nationaler Partikularinteressen.
In der Auswahl spezifischer Problemlagen fiel die redaktionelle Entscheidung zu Gunsten einer Beschäftigung mit dem BREXIT. Roland Sturm hat dazu eine Situationsanalyse mit vorsichtigen Rückschlüssen auf mögliche politische Konsequenzen vorgelegt. Wenn ein Pulse for Europe im Augenblick die Gegenbewegung zu beobachtbaren Re-Nationalisierungstendenzen bildet, dann findet diese Initiative nicht nur in der Befürwortung bei renommierten EU-Politikern Anklang, wofür ein Kurzinterview mit dem Vizepräsidenten des EU-Parlaments Ingo Friedrich Zeugnis gibt, sondern realisiert sich auch in auf Nachhaltigkeit angelegten Initiativen und Konzepten der Politischen Bildung. Diese nehmen einerseits die Denkweisen späterer Lehrpersonen in den Blick. Armin Scherb und Nour El-Amine haben sich dabei um die Auswertung einer Umfrage unter Studierenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg bemüht. Für die Didaktische Werkstatt hatte sich überdies Olga Bombardelli (Università degli Studi di Trento) bereitgefunden, die konzeptionellen Grundlagen des EU-geförderten Projekts SPACE (Students Promoting Aktive Citizenship in Europe) zu erläutern.
- Andreas Kalina „Am Ende der europäischen Einigungsgeschichte? Die Europäische Union im Demokratiedilemma“
- Johannes Varwick und Manuel Wäschle „European Union“ oder „European Onion“ – Chancen und Risiken eines Europas der unterschiedlichen Geschwindigkeiten
- Roland Sturm „Der Brexit und seine Folgen für Europa“
- POLIS-Interview mit Ingo Friedrich „Eurovision(en)“ nur noch beim Song Contest?
- Armin Scherb und Nour El-Amine „Einstellungen zukünftiger Politiklehrerinnen und -lehrer zur EU – Selbsterkundung als Seminarkonzept“
- Olga Bombardelli „Erasmus Plus Projekte und Europäisches Bewusstsein – „SPACE“ (Students Promoting Active Citizenship in Europe)“
Zeitschrift POLIS 01/2017: Philosophie und Politik – Nachdenken über Staat und Gesellschaft
Es ist schon verwunderlich: Die theoretische Auseinandersetzung mit der Politik begann mit einem Philosophen, mit Aristoteles. Aber diese Tradition scheint heute weitgehend vergessen zu sein, im Zeitalter der Vermessung von allem, der Standardisierung und der Kompetenzorientierung von Zielen auch der politischen Bildung.
Die Autoren dieses Heftes plädieren allesamt für ein Wiederaufleben dieser Tradition bzw. für die Notwendigkeit, politische Bildung und Politikdidaktik wieder theoretisch und philosophisch zu begründen.
Detlef Horster verweist auf relevante zeitgenössische Begriffe und gesellschafstheoretische Strömungen, die, alle philosophisch fundiert, für politische Bildung bedeutsam sind. Markus Gloe und Tonio Oeftering halten die Beschäftigung mit politischer Theorie, das ist ein Teil der Philosophie, für zwingend geboten und plädieren dafür, sie miteinander enger zu „verzahnen“. Dagegen setzt sich Hakan Gürses kritisch mit der Inanspruchnahme der Philosophie als „Magd“ der politischen Bildung auseinander. Gleichwohl sieht er wichtige und perspektivreiche Beiträge der Philosophie für die politische Bildung. Armin Scherb beschreibt die Philosophie des Pragmatismus. Ihre Bedeutung für die politische Bildung sieht er in der Möglichkeit, die Theorie der pluralistischen Demokratie und die Praxis der Demokratiebildung normativ zu begründen.
In der Didaktischen Werkstatt fragt Jens Korfkamp nach der Bedeutung der Philosophie für die Herausbildung einer demokratischen Persönlichkeitsbildung und zeigt Wege und Methoden. Zurzeit boomt der Markt der Philosophie. Es gibt eine Reihe von philosophischen Zeitschriften; sie werden vorgestellt von Jens Korfkamp. „Alte“ Gedanken zur politischen Philosophie sind immer noch aktuell. Das zeigt eine Auswahl von Zitaten bekannter Philosophen. Alle Beiträge liegen quer zur gegenwärtigen Outputorientierung des Lernens und der Bildung. Dazu eignet sich die Philosophie nicht – das Philosophieren stiftet aber dazu an, darüber kritisch nachzudenken.
- Detlef Horster „Die Bedeutung der Philosophie im 20. Jahrhundert für die politische Bildung“
- Markus Gloe und Tonio Oeftering „Ein ungehobener Schatz! Plädoyer für eine engere Verzahnung von Politischer Theorie und Politischer Bildung“
- Hakan Gürses „Philosophie als Magd der politischen Bildung?“
- Armin Scherb „Der Pragmatismus als Theorie der Politischen Bildung“
- Jens Korfkamp „Wozu philosophieren in der politischen Bildung?“
Alarmierende Studie: DVPB fordert Stärkung der Politischen Bildung an Schulen
Demokratie-Auftrag von Schule erfüllen, Politische Bildung stärken!
DVPB fordert von der Kultusministerkonferenz eine Stärkung der Politischen Bildung an Schulen
Ein heute veröffentlichtes bundesweites Ranking für die Sekundarstufe I belegt den geringen Stellenwert der Politischen Bildung in den Stundentafeln der allgemeinbildenden Schulen (vgl. Gökbudak/Hedtke 2018): Für das Schulfach der Politischen Bildung stehen durchschnittlich nur gut zwei Prozent der gesamten Lernzeit zur Verfügung! Eine weitere aktuelle Studie der Universität Bielefeld für Nordrhein-Westfalen zeigt, dass im engeren Sinne politische Themen auch in den Ländern, die im Bundesranking recht gut abschneiden, in den Kernlehrplänen eher schwach verankert sein können. Das gilt insbesondere im Vergleich zu wirtschaftlichen Themen. So setzen sich laut Lehrplan nordrhein-westfälische Gymnasiasten nur 17 Minuten pro Woche mit politischen Themen auseinander, für andere Schulformen sieht es kaum besser aus (vgl. Gökbudak/Hedtke 2017, 13 ff.).
Angesichts dieser alarmierenden Befunde stellt die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) an die Kultusministerkonferenz drei zentrale Forderungen, um für mehr und für bessere Politische Bildung an den allgemeinbildenden Schulen zu sorgen.
Hier geht es zur Pressemitteilung der DVPB:
Hier finden Sie den Appell
Hier finden Sie einen aktuellen Bericht von Spiegel-Online über das Ranking Politische Bildung 2017.
Auf diese Studien bezieht sich die DVPB:
Gökbudak, Mahir / Hedtke, Reinhold: Ranking Politische Bildung 2017. Politische Bildung an allgemein bildenden Schulen der Sekundarstufe I. Bielefeld, Januar 2018: Universität Bielefeld.Gökbudak, Mahir / Hedtke, Reinhold: 17 Minuten Politik, 20 Sekunden Redezeit. Daten zum Politikunterricht in der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen. Working Paper No. 6 der Didaktik der Sozialwissenschaften. Bielefeld, November 2017: Universität Bielefeld.