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Call for Papers: Herbsttagung 2026 „Soziale Ungleichheiten“

Frist zur Einreichung 15.05.2026

2024 kam eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung unter dem Titel „Ungleiche Teilhabe: Marginali-sierte Arme – verunsicherte Mitte“ zu dem Urteil, dass die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland immer größer wird und die Angst vor dem Abstieg weiter wächst sowie das Vertrauen in die Institutionen zu sinken droht. Während der Anteil der armen Bevölkerung kontinuierlich an-steigt, verzeichnen die Vermögen von Milliardär:innen ein schier ungebremstes Wachstum. Ungleichheit hat Auswirkungen auf viele Bereiche der Gesellschaft und Lebensbereiche der Individuen: Auf die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Teilhabemöglichkeiten an Gesellschaft, die Parti-zipationsbedingungen an politischen Prozessen. Menschen, die in Armut leben, stehen weniger Ressourcen zur Verfügung. Nahezu alle Studien zeigen, dass diese Menschen weniger Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Dies hat verschiedene Gründe. Ein zentraler ist, dass von Fremdausschluss betroffene Menschen sich oftmals selbst aus politischen Prozessen ausschließen, da ihre Position kein Gehört findet und sie sich für politische Partizipation als nicht berechtigt ansehen usw. Das Problem, vor dem die politische Bildung steht, wenn sie sich der Thematik der Ungleichheit widmet, ist komplex, denn Ungleichheit zeichnet die Bildungsbiografien der Individuen in massiver Weise vor. Insbesondere das gegliederte Schulsystem wird kritisiert, Ungleichheit zu reproduzieren, indem es auf scheinbar gerechte Weise ungleiche Lebenschancen vergibt und verstetigt.

Auf der Tagung soll diskutiert werden, inwiefern das gegenwärtige Wirtschaftssystem nicht nur von Ungleichheit geprägt, sondern auch auf sie angewiesen ist, d.h. ob Ungleichheit ein ‚Nebeneffekt‘ oder eine funktionale Notwendigkeit ist oder noch weitere Funktionen erfüllt. Politische Bildung erreicht oft genau diejenigen nicht, die am stärksten von Ungleichheit betroffen sind und verstärkt so bestehende Asymmetrien: Wer viel politische Bildung erfährt, nimmt auch Angebote der politi-schen Bildung wahr. Wer lange im Schulsystem verweilt und Abitur macht, erhält in der Regel viel mehr politische Bildung als Personen, die die Oberstufe nicht besuchen. Ungleichheit beeinflusst zudem den Zugang zu politischer Bildung. In der außerschulischen politischen Bildung im Speziel-len und der Jugendarbeit im Allgemeinen gibt es oft höhere Zugangshürden, als es das Selbstver-ständnis der Akteur:innen und der Institutionen vermuten lässt. Auch hier regelt die ungleiche Ver-teilung an Ressourcen den Zugang (zumindest mit).

Verschiedene Ansätze der politischen Bildung versuchen dies zu berücksichtigen und Angebote für bestimmte Zielgruppen anzubieten, die Zielgruppen aufzusuchen oder mit Methoden und Konzepten zu arbeiten, die bestimmte Zielgruppen in ihrem Politikbegriff zu erreichen versuchen.

Call for Papers als PDF downloaden

Analysen zeigen, dass wirtschaftliche Zusammenhänge oft als ‚neutral‘ oder ‚alternativlos‘ dargestellt werden. Zu diskutieren ist, inwiefern Themen wie Vermögensungleichheit, Lohnarbeit oder Finanzmarktmacht als politische Gestaltungsfragen im Diskurs und in der politischen Bildungsarbeit erscheinen. Ähnliches gilt für die Darstellung von Themen wie „Soziale Marktwirtschaft“ oder alternativen Wirtschaftsmodellen.

Gleichzeitig gewinnen Kategorien wie Klasse, Schicht oder Milieus in der Gesellschaftstheorie und in Zeit- sowie Gesellschaftsdiagnosen an Konjunktur. Das Problem, dass große Ungleichheiten eine Gefahr für die Demokratie sind, wird breiter wahrgenommen.
Die Tagung spricht explizit Akteur:innen aus der Theorie und Praxis der schulischen und außerschulischen Bildung sowie den Professionen der Sozialwissenschaften (Soziologie, Politikwissenschaft, Ökonomie), den Erziehungswissenschaften, der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik so-wie weiteren angrenzenden Bereichen an.

Eingereicht werden können

  • Vorträge und Workshops, die Ungleichheit im Verhältnis zu Demokratie, Politik, Gesellschaft, Ökonomie beschreiben, problematisieren. Dabei kann es um das Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus, von Demokratie, Ungleichheit und politischer Bildung, um sozioökonomische Aspekte politischer Ungleichheit oder auch die Frage gehen, wieviel Ungleichheit eine Demokratie er- und vertragen kann.
  • Vorträge und Workshops, die Ungleichheit als Herausforderung für die politische Bildung beschreiben. Dabei kann es um strukturelle Fragen oder auch konkrete Forschungsprojekte, etwa zur Reproduktion von Ungleichheit in der politischen Bildung, in Bildungsmedien (Schulbücher, Unterrichtsmaterialien von Stiftungen, Materialien der außerschulischen Bildungsarbeit), durch Methoden der politischen Bildungsarbeit usw. gehen.
  • Vorträge und Workshops, die (aktuelle, aber gerne auch solche aus der Vergangenheit) Konzepte, Ansätze und Methoden darstellen/erfahrbar machen, wie in der schulischen und außerschulischen politischen Bildung mit Ungleichheit (als Gegenstand, als Diskriminierung, als Realität der Lerngruppen) umgegangen werden kann, etwa mit der Beobachtung des Fremd- und Selbstausschlusses von Ungleichheit betroffenen Menschen.
  • Vorträge und Workshops, die konkrete bildungspraktische Ansätze aus der schulischen und außerschulischen Bildung präsentieren, die wiederum Ungleichheit thematisieren oder mit ihr umzugehen versuchen.
  • Konzepte, Ansätze, Projekte und Methoden aus der Jugendarbeit / der Sozialen Arbeit mit Bezug zur politischen Bildung, die Ungleichheit thematisieren oder mit ihr umzugehen versuchen.
  • Beiträge zur Frage, welche Bedeutung (und auf welcher Ebene) das Thema der Tagung für Interessensverbände der politischen Bildung haben könnte und wie diese sich zu der Frage nach Ungleichheit und Politische Bildung positionieren sollten.
  • Neben diesen thematischen Beiträgen planen wir ein durchgehendes inhaltliches Schwerpunktpanel, in dem selbstreflexiv und selbstkritisch die Frage nach der Rolle der politischen Bildung – ihrer Theorie, Praxis, Verbandsarbeit usw. – im Kontext autoritärer Gesellschafts- und Demokratieentwicklungen gefragt werden soll.
  • Beiträge und Workshops, die methodisch auch etwas Experimentelles wagen, sind ausdrücklich erwünscht. Dazu zählen auch ästhetische und künstlerische Zugänge oder Workshops im öffentlichen Raum.

Bitte senden Sie Ihre Beitragsvorschläge als höchstens einseitiges Abstract mit Angaben zu Titel, Veranstalter:innen, Inhalten, gewünschtes Format und benötigte Zeit bis zum 15.05.2026 an Dana Grebner (kontakt@dvpb.de).

Geplant ist, dass Tagungskosten und Reise- sowie Unterbringungskosten für Vortragende und Workshopleitende von den Veranstalter:innen übernommen und über die DVPB abgerechnet werden. Die Tagung ist eine Kooperationsveranstaltung des Bundesvorstands der DVPB, des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der DVPB und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Schule zeigt Haltung – Breites Bündnis startet Petition

Lehrkräfte stärken jetzt!

Die Zeit warmer Worte und Lippenbekenntnissen ist vorbei. Wir brauchen jetzt strukturelle Veränderungen, damit Schulen auch in Zeiten autoritärer Versuchungen, rechtsextremer Angriffe und dem Erstarken demokratie- und menschenfeindlicher Positionen Lernorte der Demokratie bleiben!

Lehrkräfte stärken! Für eine menschenrechtsorientierte Bildung

Gemeinsam mit der GEW, den Teachers for Future, Greenpeace, der Bundesschülerkonferenz und den Eltern gegen rechts haben wir eine Petition gestartet, die sich an die Kultus- und Bildungsminister*innen wendet und endlich strukturelle Veränderungen zur Stärkung von Lehrkräften und Schule einfordert! Sei dabei und unterstütze unsere Petition!

Hier geht es direkt zur Petition

Was wir fordern

Klare Leitlinien: Es braucht unmissverständliche offizielle Klarstellungen, dass Lehrkräfte auf der Grundlage von Grundgesetz und Landesverfassungen verpflichtet sind, Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aktiv zu verteidigen.

Rückendeckung, Rechtssicherheit und Schutz: Lehrkräfte, die sich für die Werte und Prinzipien unserer pluralistischen Demokratie engagieren, müssen bei Vorwürfen und Bedrohungen konsequent geschützt und rechtlich abgesichert werden. 

Hilfs- und Beratungsstrukturen: Es braucht klar definierte und transparente Handlungsketten, Beschwerdestrukturen und Ansprechpersonen in Schulen und Behörden, unabhängige Beratungsstellen und juristische Unterstützung für Betroffene.

Konkrete Hilfen für den Schulalltag: Fortbildungen, Materialien und verbindliche Erlasse müssen Schulleitungen und Lehrkräfte praktisch stärken.

Förderung von Demokratischer Schulentwicklung:
Schulen benötigen Räume, personelle Ressourcen und multiprofessionelle Kooperationen, um sich als demokratische Lernorte mit den menschenrechtlichen Prinzipien der Partizipation, des Schutzes vor Diskriminierung und der Inklusion weiterzuentwickeln.

Stärkung der Politischen Bildung: Politische Bildung muss als Unterrichtsfach abgesichert und Demokratiebildung als schulisches Prinzip ausgebaut werden. 

Flächendeckendes Monitoring und Konsequenzen:  Demokratiefeindliche und diskriminierende Vorfälle an Schulen müssen systematisch erfasst, mit möglichen Maßnahmen zur Intervention dokumentiert und konsequent nachverfolgt werden.

Kleine Anfrage, große Sorgen: Zivilgesellschaft und Träger der politischen Bildung verunsichert

Kurzmitteilung zur Kleinen Anfrage der CDU/CSU-Fraktion

Bonn und Siegen, den 27.02.2025

Der Bundesausschuss Politische Bildung (bap) e.V. und die Deutsche Vereinigung für politische Bildung (DVPB e.V) zeigen sich verwundert über die Kleine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion zur „politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ vom 24.02.2025.

Diese Anfrage ist kein sachliches Nachhaken, sondern hat das Potenzial, das Vertrauen in die demokratische Zivilgesellschaft, deren Handeln und Bildungsarbeit zu untergraben. Zudem suggeriert das Verständnis parteipolitischer Neutralität, das in der Anfrage mitschwingt, dass Träger und Aktive der politischen Bildung sich neutral verhalten müssen. Doch politische Bildung kann nicht neutral sein. So stellt u.a. Prof. Dr. Friedhelm Hufen (Professor für Öffentliches Recht, Staats- und Verwaltungsrecht an der Johannes Gutenberg-Universität Main) fest: „Privaten Trägern kommen selbst Grundrechte zu, die nicht durch überzogene Neutralitätsanforderungen beeinträchtigt werden dürfen. Schon gar nicht dürfen sie bei Inanspruchnahme öffentlicher Mittel zu politischer ‚Selbstkasteiung‘ und zum Maulkorb […] werden“ (Hufen 2018: 221).

Demokratie lebt vom Diskurs unterschiedlicher Meinungen, nicht von Einschüchterung. Wer gemeinnützige Arbeit als Problem sieht, verkennt die Bedeutung einer lebendigen Demokratie.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an:
Andrea Rühmann, Vorsitzende des bap e.V., ruehmann@bap-politischebildung.de
Prof. Dr. Alexander Wohnig, Bundesvorsitzender DVPB, alexander.wohnig@uni-siegen.de

Bundesverdienstkreuz für Christine Schrieverhoff

Es gibt auch noch gute Nachrichten!

Unser langjähriges Bundesvorstandsmitglied und engagierte Kämpferin für die Politische Bildung in NRW und weit über die Grenzen NRWs hinaus, Christine Schrieverhoff hat am Mittwoch, den 15. Januar 2025 in Düsseldorf den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst überreicht bekommen.

Wir freuen uns sehr für Dich, du hast es mehr als verdient.

Christine Schrieverhoff engagiert sich insbesondere in der politischen Bildung und in der Erinnerungsarbeit. Sie war als engagierte Lehrerin und Fachleiterin über Jahrzehnte für die Ausbildung junger Lehrkräfte zuständig. Für politische Bildung setzt sie sich unter anderem ein als Jurorin bei „Jugend debattiert“, als Regionalberaterin beim Deutschen Schulpreis und in weiteren Wettbewerben wie dem NRW Schülerwettbewerb „Begegnung mit Osteuropa“. Im Bundesverband kennen wir Christel als engagierte Kollegin, die nicht Müde wird sich für die Stärkung der politischen Bildung einzusetzen, im Landesverband NRW und seit vielen Jahren auch im Bundesvorstand unseres Verbandes.

Aus der Laudatio:

Christine „Christel“ Schrieverhoff engagiert sich seit Jahrzehnten in einem Bereich, der für die Zukunft unseres Landes elementar wichtig ist: in der Bildung. Nach dem Lehramtsstudium unterrichtet sie Geschichte, Pädagogik, Sozialwissenschaften und Chemie im Albert-Schweitzer-Gymnasium in Marl.

Als Fachleiterin ist sie für die Ausbildung der Referendarinnen und Referendare zuständig. Mit großer Leidenschaft setzt sie sich dafür ein, dass junge Lehrerinnen und Lehrer ihre eigene Rolle für demokratisches Handeln nicht nur in der Schule, sondern in allen gesellschaftlichen
Bereichen begreifen und ausfüllen.

Als Fachleiterin ist sie für die Ausbildung der Referendarinnen und Referendare zuständig. Mit großer Leidenschaft setzt sie sich dafür ein, dass junge Lehrerinnen und Lehrer ihre eigene Rolle für demokratisches Handeln nicht nur in der Schule, sondern in allen gesellschaftlichen
Bereichen begreifen und ausfüllen.

Christel Schrieverhoff engagiert sich auch über ihre dienstliche Tätigkeit hinaus für die politische Bildung. Ihr Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schüler sich aktiv für unsere Demokratie einsetzen, dass sie selbstbestimmt teilhaben und gegen Politikverdrossenheit angehen. Sie unterstützt den jährlichen Schulwettbewerb „Jugend debattiert“ als Jurorin, ist Regionalberaterin und Jurorin beim Deutschen Schulpreis und engagiert sich für weitere politische Wettbewerbe wie „Demokratisch handeln“.

Seit Jahren arbeitet Christel Schrieverhoff am grenzüberschreitenden Schülerwettbewerb „Begegnung mit Osteuropa“ mit. Sie setzt sich besonders für die Vermittlung der europäischen Idee und für Völkerverständigung ein. Auch im Landes- und Bundesvorstand der Deutschen Vereinigung für politische Bildung ist Christel Schriverhoff tätig. Ob es um fundierte Kommentare und Entwürfe der Lehrplanentwicklung geht, um die Novellierung von Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen im Verbändeanhörungsverfahren oder um die Organisation und Durchführung des jährlichen Landesforums der Deutschen Vereinigung für politische Bildung: Christel Schrieverhoff ist mit ganzer Kraft dabei.

Gemeinsam mit dem Landesinnenministerium organisiert sie zudem Fortbildungen für Lehrkräfte zum Thema Rechtsextremismus. Durch ihr Vorbild ermutigt sie Lehrerinnen und Lehrer, sich gegen Rechtsextremismus zu positionieren, ob im Unterricht oder im Alltag. Ein besonderes Anliegen ist Christel Schrieverhoff die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Aussöhnung mit Israel. Gemeinsam mit einem Fachkollegen setzt sie sich für den Austausch ihrer Schule mit Marls israelischer Partnerstadt Herzliya ein. Und sie begleitet und moderiert Veranstaltungen an Marler Schulen mit der Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugin Halina Birenbaum.

Liebe Frau Schrieverhoff, mit Ihrer unaufgeregten und wertschätzenden Art, durch Ihr geduldiges Zuhören und durch Ihr unermüdliches Engagement für die politische Bildung und für unsere Demokratie haben Sie große Verdienste erworben. Das Verdienstkreuz am Bande steht dafür! Ich bin sicher: Sie haben in den Herzen und Köpfen der Menschen, die Ihnen im Laufe der Jahrzehnte begegnet sind, einen festen Platz.

aus der Laudatio zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

60 Jahre DVPB – Wir feiern unser Jubiläum bei der Tagung „Politische Bildung zwischen Konvention und Transformation“

Politische Bildung hat in einer demokratischen Gesellschaft eine wichtige Funktion. Sie begleitet Menschen dabei, bestehende Verhältnisse und damit verbundene Konflikte zu analysieren, zu reflektieren, zu beurteilen und gesellschaftliche Entwicklungsprozesse handelnd zu gestalten – in Schulen oder in der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung. Dieser komplexe Bildungsauftrag wird immer wieder neu herausgefordert. Was aber wissen wir empirisch über die Bedeutung politischer Bildung? Welche Rolle nimmt politische Bildung im Kontext gegenwärtiger Transformationsprozesse ein? Wie verhält sich politische Bildung zum Erstarken autoritären Denkens? Welches Selbstverständnis braucht es in Zeiten einer Demokratie im Wandel? Und nicht zuletzt: Welche Bedeutung hat verbandspolitische Arbeit für die Stärkung und Weiterentwicklung politischer Bildung? Über diese Fragen soll nach einem Impuls in zwei offenen Podien diskutiert, verhandelt und gestritten werden. Anlass ist der 60. Geburtstag der Deutschen Vereinigung für politische Bildung / DVPB als überparteilicher und unabhängiger Dachverband der schulischen und außerschulischen politischen Bildung.


POLIS Ausgabe anlässlich des 60 jährigen Jubiläums

Vor 60 Jahren wurde die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB e.V.), die größte Interessensvertretung für politische Bildner*innen in Deutschland, gegründet. Dies nahm der Bundesvorstand zum Anlass, zur Abendveranstaltung „Politische Bildung zwischen Konvention und Transformation“ zu laden, welche in diesem Heft dokumentiert wird. Themen sind die Rolle der politischen Bildung in einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten gesellschaftlicher Transformation und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Politiklehrer*innen. Darüber hinaus gibt es einen Rückblick auf die verbandspolitische Arbeit der DVPB.

  • Alexander Wohnig: „Zur Rolle politischer Bildung in einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten gesellschaftlicher Transformation“
  • Martina Tschirner: „60 Jahre DVPB – 60 Jahre verbandspolitisches Engagement für die politische Bildung – ein Blick zurück und nach vorne!“
  • Gudrun Heinrich im Gespräch mit Karim Fereidooni, Susann Gessner, Steve Kenner und Monika Oberle „Politische Bildung – Bildungsauftrag in einer Demokratie im Wandel“
  • Gabi Elverich und Friedemann Gürtler: „Politiklehrer*in sein heute – herausfordernd wie nie?!“

Programm

17:00 Uhr Eröffnung der Fachtagung durch Prof. Dr. Alexander Wohnig, Bundesvorsitzender DVPB

17:15 Uhr Grußwort durch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Simone Oldenburg

17:45 Uhr Keynote von Prof. Dr. Alexander Wohnig, Bundesvorsitzender DVPB
„Zur Rolle politischer Bildung in einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten gesellschaftlicher Transformation“

18:30 – 19:00 Uhr Einladung zum Empfang mit Snacks und Getränken anlässlich des 60-Jährigen Jubiläums
der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB)

19:00 – 19:45 Uhr „Politische Bildung – Bildungsauftrag in einer Demokratie im Wandel”

v.l.n.r.: JProf. Dr. Steve Kenner, Prof. Dr. Monika Oberle, Dr. Gudrun Heinrich, Prof. Dr. Karim Fereidooni & Prof. Dr. Susann Gessner

Politische Bildung nimmt eine wichtige Funktion in einer demokratischen Gesellschaft ein. Staatlich verankert (bspw. in der Schule, in Behörden wie der Bundeszentrale und den Landeszentralen für Politische Bildung), aber auch in der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung begleitet politische Bildung Menschen dabei, bestehende Verhältnisse und damit verbundene Konflikte zu analysieren, zu reflektieren, zu beurteilen und auch handelnd gesellschaftliche Entwicklungsprozesse zu begleiten.

Dieser ohnehin komplexe Bildungsauftrag wird immer wieder neu herausgefordert. Was wissen wir empirisch zur Bedeutung politischer Bildung (Monitoring)? Welche Rolle nimmt politische Bildung im Kontext gegenwärtiger Transformationsprozesse ein? Wie verhält sich politische Bildung zum Erstarken autoritären Denkens? Welches Selbstverständnis braucht es in Zeiten einer Demokratie im Wandel? Darüber diskutierten u.a.:

  • Prof. Dr. Karim Fereidooni, Ruhr-Universität Bochum
  • Prof. Dr. Susann Gessner, Philipps-Universität Marburg
  • JProf. Dr. Steve Kenner, Pädagogische Hochschule Weingarten
  • Prof. Dr. Monika Oberle, Goethe-Universität Frankfurt
    Freier Stuhl im Sinne der Fishbowl Methode
    Moderation: Dr. Gudrun Heinrich, POLIS Redaktiom

20:00 – 20:45 Uhr „(verbandpolitisches) Engagement für die politische Bildung – ein Blick zurück und nach vorne!”

Andrea Rühmann (bap e.V. und AKSB), Prof. Dr. Andrea Szukala (DVPB), Dr. Martina Tschirner, Moderation (DVPB und POLIS), Andreas
Keller (GEW), Arne Busse (bpb) (v.l.n.r.)

In der zweiten Diskussionsrunde sind wir der Frage nachgegangen, welche Bedeutung verbandspolitische Arbeit für die Stärkung und Weiterentwicklung politischer Bildung hat. Wir wollen sprechen über die aktuellen bildungspolitischen und förderpolitischen Entwicklungen und darüber, wie sich Engagierte im Feld der politischen Bildung stärken, vernetzen und wie sie zusammen wirken können.

Diskutiert haben wir u.a. mit folgenden Gästen:

  • Prof. Dr. Andrea Szukala, stellv. Bundesvorsitzende der DVPB
  • Andrea Rühmann, Vorsitzende des bap e.V.
  • Arne Busse, Präsident der bpb
  • Andreas Keller, Vorstand der GEW

Freier Stuhl im Sinne der Fishbowl Methode
Moderation: Dr. Martina Tschirner, POLIS Redaktion

20:45 – 21:00 Uhr Abschluss und anschließender offener Austausch

Die Teilnahme an der gesamten Veranstaltung war aufgrund einer Förderung der Bundeszentrale für politische Bildung und einer Einladung zum Empfang durch den Bundesverband der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung kostenfrei.

Fachverbände fordern eine Überarbeitung der SWK-Stellungnahme zur Demokratiebildung

Problematische Stellungnahme der SWK zu Demokratiebildung als Auftrag der Schule – Fachverbände fordern eine Überarbeitung!

Die Stellungnahme der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) mit dem Titel „Demokratiebildung als Auftrag der Schule – Bedeutung des historischen und politischen Fachunterrichts sowie Aufgabe aller Fächer und der Schulentwicklung“ setzt sich selbst das Ziel, „über Empfehlungen zur Bereitstellung kurzfristiger Unterstützungsmaßnahmen angesichts aktueller Konflikte und Krisen“ hinauszugehen und Anstöße „für eine bessere Verankerung schulischer Demokratiebildung durch die Formulierung von Kompetenzzielen, die Weiterentwicklung von Curricula, die Weiterentwicklung von Unterricht, Schule sowie Lehrkräftebildung“ zu formulieren. Dieses Ziel ist vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklung zu begrüßen, allerdings wird die Stellungnahme ihm in der aktuellen Form nicht gerecht.

Irreführende Problembeschreibung und fehlgeleitete Forderungen

Die SWK-Stellungnahme zeichnet sich durch eine verkürzte und zum Teil irreführende Beschreibung der Problemlage und der aus ihr abgeleiteten Forderungen aus, die weder auf wissenschaftlicher Ebene ausreichend begründet noch im Hinblick auf die praktische Ebene für die Stärkung der Demokratiebildung in der Schule förderlich erscheinen.

Hervorzuheben ist dabei die Forderung nach einer bundesweiten Vereinheitlichung von Standards der Demokratiebildung. Für sie fehlt in der Stellungnahme sowohl aus fachwissenschaftlicher als auch aus fachdidaktischer Perspektive eine solide Grundlage. Die Annahme, dass eine Vereinheitlichung der zu erreichenden Kompetenzen durch die Festlegung neuer verbindlicher Ziele die Verankerung der Demokratiebildung in der Schule grundsätzlich verbessern würde, wird im Rahmen der Stellungnahme nur unzureichend belegt. Sie repräsentiert aus politikdidaktischer Sicht auch nicht den aktuellen Forschungsstand in der deutschen fachdidaktischen Gemeinschaft, auch angesichts der bereits langjährigen Teilnahme von Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen an internationalen Programmen der vergleichenden politischen Bildungsforschung und Kompetenzmessung.

In der Stellungnahme werden darüber hinaus aufgrund des ausschließlichen Verweises auf ein bestimmtes, älteres Kompetenzmodell der Politikdidaktik heutige fachdidaktikwissenschaftliche Beiträge zu Demokratiekompetenzen, -fähigkeiten und -fertigkeiten wissenschaftlich nicht angemessen referiert. Angesichts einer seit Jahrzehnten plural strukturierten Disziplin, die sich durch international hoch anerkannte, unterschiedliche fachdidaktische Strömungen auszeichnet, besteht die Gefahr, dass einseitig und ohne hinreichende Begründung eine singuläre wissenschaftliche Perspektive curricular wirksam verankert wird. Auch bildungspolitisch zeigen bereits existierende KMK-Standards zur Lehrkräftebildung, die von allen Bundesländern umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt werden, anschaulich, dass (föderale) Vielfalt und Pluralität in der Demokratiebildung und in ihrer Forschung nicht als ein Hindernis, sondern als eine Stärke gesehen werden sollten. Eine zentrale Festlegung neuer Kompetenzen erscheint in diesem Kontext weder erforderlich noch wünschenswert.

Angesichts des besonderen Ziels der Stellungnahme, schulische Antworten gegenüber Radikalisierungstendenzen in der deutschen Gesellschaft zu begründen, muss darüber hinaus auf die unangemessene Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen und vermeintlich extremistischen Einstellungen von Schülerinnen hingewiesen werden. Das in den Sozialwissenschaften umstrittene Konzept „Extremismus“ wird in der Stellungnahme ohne kritische Einordnung auf Kinder und Jugendliche übertragen. Die Gefahr, die von dieser Konstruktion sowie von der Gleichsetzung und Relativierung verschiedener Phänomene politischer Entfremdung und Radikalisierung ausgeht, wird nicht reflektiert. Die stark verkürzte Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Einstellungen von Kindern und Jugendlichen ist in dieser Form problematisch.

Auch das Unterkapitel zur „Bedeutung der Schule für die Entwicklung demokratischer Einstellungen und politischer Partizipation“ lässt zentrale Diskursfelder aus und bezieht relevante empirische Erkenntnisse nicht mit ein. So zeigen Studien der letzten Jahre, dass Schülerinnen mit Formaten der Alibi-/Scheinpartizipation, auch in der Schule, konfrontiert sind und den Eindruck gewinnen, an entscheidenden Stellen nicht an Demokratie mitwirken zu können. Die Forderung nach einer Stärkung der demokratischen Schulentwicklung ohne hinreichende Auseinandersetzung mit nichtdemokratischen Strukturen erscheint insofern nur bedingt tragfähig.

Selektive Wahrnehmung existierender Forschung zur Demokratiebildung

Weiterhin werden im Rahmen der SWK-Stellungnahme wesentliche, für die Demokratiebildung essenzielle Perspektiven und Zugänge außer Acht gelassen. Diese Vernachlässigung beeinträchtigt die Möglichkeit, das Feld sowohl konzeptionell als auch praktisch weiterzuentwickeln. Ebenso wenig finden relevante Bestandteile der Demokratiebildung wie die Demokratiepädagogik, die sozio-ökonomische Bildung, die rassismus- und antisemitismuskritische Bildung, soziologische Perspektiven, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) oder Digital Citizenship Education ausreichend Beachtung. Die Stellungnahme befördert in diesem Zusammenhang eine unzulässige Verengung des Diskurses und blendet wichtige Impulse für die bildungspolitische, didaktische und theoretische Weiterentwicklung aus. Auch auf fachmethodischer Ebene bleibt die Stellungnahme selektiv. Es wird nicht hinreichend begründet, warum bestimmte methodische Zugänge, empirische Befunde und theoretische Konzepte hervorgehoben werden, während andere, potenziell ebenso relevante Perspektiven und Erkenntnisse gar keine Erwähnung finden. Diese einseitige Betrachtung schwächt die Fundierung der Argumentation erheblich.

Eingeschränkte Perspektive auf die schulische Praxis

Die Stellungnahme weist auch bei der Beschreibung der bildungspolitischen, curricularen und praktischen Gegebenheiten und Formate in den Bundesländern deutliche Schwächen auf. Aussagen, dass gerade in den nicht-gymnasialen Schulformen Verbundfächer dominieren (in großen Flächenländern wie Bayern und NRW ist in der Oberstufe gerade der sozialwissenschaftliche Ansatz vorherrschend), die (ab-)wertende Kategorisierung weit verbreiteter sozialwissenschaftlicher Ankerfächer der politischen Bildung als „gesellschaftswissenschaftliche Verbundfächer“ sowie die Priorisierung der Fächer Politik und Geschichte gegenüber anderen Fächerformaten zeugen von einer nur unzureichenden Auseinandersetzung mit der disziplinübergreifenden Debatte zur Etablierung der Demokratiebildung angesichts pluraler Traditionen und Formate in den Ländern.

Darüber hinaus wird die reale Vielfalt der Demokratiebildung auf Landesebene angesichts bestehender landesspezifischer Initiativen zur Förderung der Demokratiebildung nicht angemessen berücksichtigt. Zentrale Prinzipien der politischen Bildung wie die Subjektorientierung, die auch in vielen curricularen Vorgaben der Bundesländer verankert ist, finden in der Stellungnahme nahezu keine Erwähnung. Diese pädagogische und fachdidaktische Vereinseitigung beeinträchtigt die wissenschaftliche Stringenz und die praktische Relevanz der Stellungnahme erheblich.

Förderung der Demokratiebildung auf unterschiedlichen Ebenen begrüßenswert

Abschließend ist – trotz der aufgezeigten Kritikpunkte – die grundsätzliche Intention der SWK, die Bedeutung der Demokratiebildung hervorzuheben, nachdrücklich zu begrüßen. Vor allem die Empfehlungen, „Demokratiebildung auch als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip“ weiterzuentwickeln und ein durchgängiges Unterrichtsangebot für Fächer der politischen Bildung zu schaffen, stellen wichtige Bestandteile einer Förderung der Demokratiebildung an Schulen dar.

Diese Förderung muss jedoch notwendigerweise um eine institutionelle Förderung auf allen Ebenen und für alle Schulformen sowie eine Etablierung von mindestens zwei Stunden politischer Bildung pro Woche ab der ersten Klasse im regulären Stundenplan ergänzt werden. Hier können erfolgreiche Initiativen der Bundesländer, Fächern der Demokratiebildung in unterschiedlichen Schulformen mehr Raum zuzuweisen und durch gezielte bildungspolitische Förderung die Stärkung der Demokratiebildung voranzutreiben – die in der SWK-Stellungnahme nicht beachtet werden –, als Modelle herangezogen werden. In diesem Zusammenhang gilt es, zu einer stärkeren Vernetzung und Unterstützung bestehender Ansätze und Akteure im Bereich der Demokratiebildung beizutragen, um langfristig wirksame Strukturen zu etablieren. Die inhaltliche, methodische und bildungspolitische Engführung der SWK unterstützt diesen Prozess in ihrer aktuellen Form nicht.

Die einschlägigen Fachverbände fordern daher eine Überarbeitung der Stellungnahme.

Prof. Dr. Alexander Wohnig
Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB)

Prof. Dr. Marc Partetzke
Sprecher der Gesellschaft für Politikdidaktik u. politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE)

Prof. Dr. Markus Gloe
Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe)

J.Prof. Dr. Anja Bonfig
Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW)

Prof. Dr. Jörg Strübing
Ausschuss Soziologie in Schule und Lehre der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

Delegierte wählen neuen Bundesvorstand

Am 23. November 2024 wählten die Mitglieder des größten Fachverbandes der politischen Bildung im Zuge der Delegiertenversammlung einen neuen Bundesvorstand.

Als Bundesvorsitzender wurde Prof. Dr. Alexander Wohnig (Universität Siegen) für eine zweite Amtszeit gewählt. Als Zweite Bundesvorsitzende wurden auch Prof. Dr. Andrea Szukala und Joshua Hausen, der zugleich erneut zum Schatzmeister bestimmt wurde, im Amt bestätigt. Erstmals wurden JProf. Dr. Steve Kenner als Zweiter Bundesvorsitzender in den engeren Kreis des Bundesvorstandes gewählt. Als Beisitzerinnen und Beisitzer bestätigten die Delegierten der DVPB mit Dr. Luisa Girnus, Dr. Gudrun Heinrich, Christel Schrieverhoff und Benedikt Widmaier vier Mitglieder im Amt. Erstmals in den Bundesvorstand wurde Ilka Hameister als Beisitzerin gewählt.

Prof. Dr.
Alexander Wohnig
JProf. Dr. Steve Kenner, Ilka Hameister, Christel Schrieverhoff, Joshua Hausen, Prof’in Dr’in Andrea Szukala, Dr. Gudrun Heichrich und Benedikt Widmaier (von links nach rechts)
Dr. Luisa Girnus wurde in Abwesenheit gewählt und hat die Wahl ebenfalls angenommen

Verabschiedet wurden mit Dr. Moritz Peter Haarmann und Prof. Dr. Sibylle Reinhardt zwei Mitglieder, die sich jahrelange verdienstvoll für den Bundesverband engagiert haben.

JProf. Dr. Steve Kenner (links) bedankt sich im Namen des gesamten Verbandes bei Prof. Dr. Sibylle Reinhardt (Mitte) und Dr. Moritz Peter Haarmann (rechts) für ihr langjähriges Engagement im Bundesvorstand der DVPB.

Stellungnahme der DVPB zum terroristischen Angriff auf Israel

23. Oktober 2023

Die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung e.V. (DVPB) ist zutiefst erschüttert von den terroristischen Angriffen auf Israel. Wir erklären uns solidarisch mit den Betroffenen und sprechen unser tiefes Mitgefühl und unsere Anteilnahme aus. Angesichts der Situation in Deutschland und weltweit erklären wir zudem unsere große Besorgnis über einen wachsenden Antisemitismus und die Bedrohung jüdischer Bürgerinnen und Bürger und Einrichtungen:

Antisemitismus verletzt das Recht auf ein Leben frei von Angst und Diskriminierung.

Antisemitismus hat negative Auswirkungen auf unser Land und auf die Gesellschaft im Ganzen.

Durch die Förderung einer Ideologie, die auf Hass, Vorurteilen und der Annahme ungleichwertiger Identitäten basiert, stellt der Antisemitismus, wie jede Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, eine Bedrohung für die Verwirklichung der Menschenrechte aller Bürgerinnen und Bürger dar.

Als Verband unterstützen wir politische Bildnerinnen und Bildner, die in politischer und historisch-politischer Bildungsarbeit täglich dazu beitragen, dass das „Nie wieder“ in Bezug auf Antisemitismus im deutschen Alltag gelebt wird und Bürgerinnen und Bürger der Bedrohung jüdischen Lebens unmissverständlich entgegentreten. Die Profession Politische Bildung hat in Theorie und Praxis Materialien, Zugänge und Programme entwickelt, die Lehrerinnen und Lehrer sowie außerschulische Bildnerinnen und Bildner einsetzen können, um Antisemitismus und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit kritisch zu thematisieren und ihnen entgegenzuarbeiten. Die DVPB erinnert nachdrücklich daran, solchen Ansätzen im schulischen und außerschulischen Alltag auch ausreichend Raum zu geben bzw. den Raum für eine antisemitismuskritische politische Bildung sowie eine Bildungsarbeit mit Fokus auf interkulturelle Konfliktbewältigung und Versöhnung zu schaffen.

Politische Bildung in reaktionären Zeiten – Buchvorstellung in Potsdam

13. Dezember 2022 – 18:00 Uhr, Universität Potsdam, Campus Griebnitzsee

Politische Bildung in reaktionären Zeiten. Plädoyer für eine standhafte Schule. Buchvorstellung mit den Autor*innen Prof. Rico Behrens und Stefan Breuer

Das Buch „Politische Bildung in reaktionären Zeiten. Plädoyer für eine standhafte Schule“ bietet einen fallorientierten Einblick in aktuelle Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit antidemokratischen Positionen und Einstellungen sowie handlungspraktische Anregungen für einen gelingenden Umgang. Der Workshop zeigt, wie das Buch im pädagogischen Alltag genutzt werden kann und stellt dabei verschiedene methodische Zugänge näher vor.

Alle Informationen finden Sie im Flyer.

Endlich wieder Politiklehrertag in Sachsen-Anhalt

Nach drei Jahren Zwangspause wegen Corona fand am 5. Oktober 2022 in Halle (Saale) unser diesjähriger Politiklehrertag statt und war ein großer Erfolg. Etwa 100 (hauptsächlich) Lehrer und Lehrerinnen trafen sich von 9 bis 16 Uhr im Dorint-Hotel – für viele ein großartiges, auch emotional positives Wiedersehen. Wir als Landesverband danken der Landeszentrale für politische Bildung herzlich, die den Tag ermöglichte!

Nach der Begrüßung durch Cornelia Habisch (LpB) und Mirko Bischoff (DVPB-LSA) betonte die Bildungsministerin des Landes, Eva Feußner, welche große Bedeutung die politische Bildung für die Demokratie habe und wie sehr die Landesregierung die schulischen und die außer-schulischen Bemühungen wertschätze. Die Anwesenheit und die kleine Ansprache der Ministerin wurden vom Publikum als ermutigend und bestätigend für ihre pädagogische Arbeit aufgenommen (so mein Eindruck).

Das erste Hauptreferat hielt Prof. Dr. Andreas Petrik (Martin-Luther-Universität Halle) zu Verschwörungserzählungen und möglichen Antworten in der Schule. Zentrale Texte dazu finden sich im „Didaktischen Koffer“. Hier wurden theoretische und empirische Hintergründe mit konkreten Ideen für den Politik-Unterricht (hier heißt das Fach „Sozialkunde“) verknüpft, was von Lehrerinnen und Lehrern als konstruktiv und hilfreich aufgenommen wurde. – Das zweite Hauptreferat hielt Felix Friedrich, CEO von The Buzzard UG. Dieser Medienstartup hat eine App entwickelt, die in Zeiten von Filterblasen und (a-)sozialen Medien jungen Menschen bei der Recherche politischer Phänomene und bei der Teilhabe an Diskursen helfen kann. Auch dieses Angebot für Unterricht wurde, unterstützt durch die Vorstellung von Buzzard in einem der work-shops, als Gewinn betrachtet.

Weniger positiv wurde die dann folgende Podiumsdiskussion zur kompetenten Vermittlung neuer Herausforderungen aufgenommen, deren Mitwirkende mit einer Ausnahme (Andreas Petrik) der Schule und dem Unterricht recht fern wirkten, so dass das schulische Publikum sich zwar normativ, aber nicht professionell angesprochen fühlte.

Am Nachmittag fanden fünf work-shops parallel statt. Inhalte waren: Unterschiedliche Demokratiemodelle und ihre Behandlung in der Sekundarstufe II, die oben erwähnte Buzzard-App für die Hände der Lehrkräfte, Corona-Proteste und Reichsbürger im Kontext Schule, das KonterBUNT-Training für die Stärkung von Argumenten und schließlich die Einschätzung der Grundrechte durch Jugendliche in Zeiten von Corona.

Mit einem interessanten Austausch über den Tag endete dieser. Aus Rückmeldungen ergaben sich auch Kritikpunkte: Gewünscht wurde die Möglichkeit zum Besuch zweier work-shops statt des Podiums; Lehrende an Berufs- und an Gemeinschaftsschulen sahen ihre Schulformen nicht im Programm berücksichtigt. Der Landesvorstand wird bei der Planung des nächsten Politiklehrertags diese Kritik erinnern.

(Sibylle Reinhardt)