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Broschüre „Mythos Neutralität“

Kampagne „Schule zeigt Haltung“

Angriffe auf politische Bildung und die gezielte Instrumentalisierung der schulischen Bildung unter Bezugnahme auf ein vermeintliches Neutralitätsgebot nehmen systematisch zu. Als eine Antwort darauf haben wir gemeinsam mit der Bundesschülerkonferenz (BSK), der Bildungsgewerkschaft GEW, den Teachers for Future e.V., Greenpeace und den Eltern gegen rechts e.V. die Petition „Schule zeigt Haltung – Lehrkräfte stärken gegen Hass und Hetze“ gestartet, welche Rückendeckung von den zuständigen Ministerien und Schulaufsichtsbehörden fordert – in Form von klaren Leitlinien und Rechtssicherheit, Beratung sowie mehr Ressourcen zur Stärkung der politischen Bildung als Unterrichtsfach und Prinzip aller Fächer sowie als Teil demokratischer Schulentwicklung. Gemeinsam mit mehr als 250.000 Unterzeichnenden fordern wir:

Unsere Forderungen

  • Rechtliche Orientierung und Schutz bei Angriffen
  • Klare Leitlinien – du weißt, was du tun kannst
  • Beratung und Hilfe, wenn du angegriffen wirst
  • Fortbildung und Ressourcen für deinen Unterricht
  • Monitoring – Vorfälle ernst nehmen
  • Politische Bildung stärken
  • Demokratische Schulentwicklung fördern

Da wir nicht warten wollen, bist die bildungspolitischen Entscheidungsträger*innen Angebote für euch machen, haben wir uns zusammengetan und ausführliches Informationsmaterial in einer Broschüre zusammengetragern. Als Herausgeber*innen und beteiligte Organisationen eines Bündnisses sind wir uns einig: Lehrkräfte brauchen verlässliche Unterstützung, um ihren demokratischen Bildungsauftrag erfüllen zu können.

„Lehrkräfte, die sich für Menschenrechte und damit für den Schutz der Würde aller Menschen, den Schutz vor Diskriminierung und die Prinzipien einer demokratischen Gesellschaft wie Demokratie-, Rechtsstaats- und Sozialstaatsprinzip einsetzen, erfüllen ihren demokratischen Bildungsauftrag und bilden damit das Fundament für eine funktionierende freiheitliche und demokratische Gesellschaft. Ihr seid damit nicht allein! Wir stehen an eurer Seite.“

JProf. Dr. Steve Kenner, Bundesvorstand DVPB

Unsere Broschüre: Ziele, Prinzipien und Aufbau

Aus der Hinführung der Broschüre von Elina Stock (GEW):

Diese Broschüre richtet sich an Lehrkräfte und pädagogisches Personal. Sie bietet Orientierung bei Unsicherheiten und Konflikten im Schulalltag, klärt rechtliche Rahmenbedingungen, didaktische Leitlinien und vermittelt praktische Impulse für reflektiertes, professionelles Handeln. Sie ist kein Regelwerk mit starren Vorgaben, sondern ein Werkzeug im Schulalltag. Ihr Ziel ist es, Handlungssicherheit zu stärken und zu ermutigen, eine demokratische menschenrechtsorientierte Haltung einzunehmen – sachlich, fundiert und im Einklang mit dem staatlichen Bildungsauftrag. Das Bündnis – bestehend aus Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Greenpeace, Teachers for Future, Bundesschülerkonferenz und der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) – teilt ein klares Bekenntnis zu Demokratie, Menschenwürde und dem Schutz vor Diskriminierung. Uns verbindet der Anspruch, Lehrkräfte in ihrem demokratischen Bildungsauftrag zu bestärken. Dabei sind folgende Prinzipien handlungsleitend:

  • Haltung zeigen: Demokratische Werte sichtbar machen und leben.
  • Solidarität: Lehrkräfte stehen nicht allein; das Bündnis bietet Rück- und Zusammenhalt.
  • Unterstützung: Über Netzwerke, Fortbildungen, Beratung und rechtliche Hilfestellung werden
    Lehrkräfte individuell und kollektiv gestärkt und abgesichert.

Praxisnah vereint die Broschüre juristische sowie pädagogische Expertisen und kombiniert Hintergrundinformationen mit konkreten Handlungsempfehlungen. Im Kern finden sich Fragen und Antworten zu typischen Unsicherheiten im Umgang mit menschen- oder demokratiefeindlichen Positionen. Sie gibt Orientierung für schwierige Situationen anhand konkreter Fallbeispiele. Ergänzt wird dies durch Hinweise auf Unterstützungsangebote – von schulischen und gewerkschaftlichen Strukturen über Beratungsstellen bis zu Landeszentralen für politische Bildung und Landesdemokratiezentren.

Die Broschüre vermeidet Patentrezepte zugunsten von Information, Reflexion und Urteilsbildung. Somit bietet sie eine Grundlage für selbstbewusstes, entschiedenes und reflektiertes Handeln. Sie ermutigt, demokratische Werte sichtbar zu machen, sich einzumischen, Position zu beziehen und gleichzeitig professionell abgesichert zu bleiben. Damit leistet sie einen Beitrag, dass Schulen Orte bleiben, an denen demokratische Bildung nicht nur vermittelt, sondern gelebt wird. Sie versteht sich als Einladung: Demokratiebildung braucht Haltung – und Haltung entsteht im Miteinander, durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, Fragen stellen, Beziehungen aufbauen und Räume für Beteiligung schaffen. Haltung zeigt sich nicht zuletzt im Mut, trotz Unsicherheit für demokratische Werte einzustehen.

Ansprechperson:

JProf. Dr. Steve Kenner, Zweiter Bundesvorsitzender, Mail: steve.kenner@dvpb.de

Herbsttagung 2025 „Künstliche Intelligenz und Entgrenzung der sozialen Medien“

6. bis 8. November 2025

Künstliche Intelligenz und Entgrenzung der sozialen Medien – Herausforderungen für Demokratie, Gesellschaft und politische Bildung. Gewinnbringende Einblicke in die vielen Facetten der künstlichen Intelligenz und deren Herausforderungen und Chancen für Demokratie, Gesellschaft und politische Bildung.

Die DVPB-Herbsttagung 2025 fand vom 6. bis 8. November im idyllisch gelegenen Butenschoen-Haus in Landau statt. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem DVPB-Landesverband Rheinland-Pfalz durchgeführt, der damit gleichzeitig die 25. Tage der Politischen Bildung in Rheinland-Pfalz feierte. In den insgesamt sechsundzwanzig angebotenen Vorträgen und Workshops wurde die sehr aktuelle und zukunftsrelevante Thematik sowohl aus der schulischen und außerschulischen politischen Bildung, der Bildungspraxis sowie aus den fachwissenschaftlichen Bezugsdisziplinen beleuchtet. Dieser gelungene Mix trug sicher dazu bei, dass die verfügbaren 90 Plätze schon frühzeitig ausgebucht waren. Die folgenden drei gut gewählten Auftaktvorträge boten eine gute Klammer für die ganze Veranstaltung, da sie fundiert die Auswirkungen und Gefahren von Social Media für Politik, Gesellschaft und Kultur hinsichtlich Steuerung, Desinformation und Manipulation aufzeigten. Prof.in Dr.in Judith Möller (Leibniz-Institut für Medienforschung I Hans-Bredow-Institut) untersuchte in ihrem Eröffnungsvortrag die Frage „(Wie) wirkt Social Media auf Wahlentscheidungen und politische Regierungssysteme?“ Dabei wies sie auf die Möglichkeiten des „kollaborativen Filterns“ durch Algorithmen sowie die Optimierung des „Contents“ auf Social Media hin. Für die Short Video Services (YouTube Shorts, TikTok, Instagram Reels) sei das zentrale Ziel aktuell die Maximierung der Verweildauer auf der eigenen Plattform, während auf Facebook früher die Anzahl an Klicks zentral gewesen sei. Als zentrale Aufgabe beschrieb Möller den Schutz des Mediensystems, das die „Infrastruktur“ für die Gesellschaft und die Basis für die politische Urteilsfähigkeit in der Demokratie darstelle. Prof. Leo van Waveren (RPTU Kaiserslautern) nahm das Tagungsthema aus der Perspektive der Informatik in den Blick und stellte die grundlegende Frage: „Was ist und kann Künstliche Intelligenz?“ Während Künstliche Intelligenz im medialen Diskurs entweder als Weltuntergang oder als Allheilmittel beschrieben werde, sei die „Entmystifizierung“ von Künstlicher Intelligenz wichtig. Schließlich handele es sich, so führte er in Bezug auf die Definition des Europäischen Parlaments aus, bei Künstlicher Intelligenz um die „Fähigkeit einer Maschine, (…) menschliche Fähigkeiten zu imitieren“, ohne dass die KI diese Fähigkeiten selbst erlerne. Prof. Dr. Stephan Winter (RPTU Landau) blickte schließlich aus medienpsycholgischer Perspektive auf die Frage: „Wie wirken Social Media und KI aus psychologischer Sicht auf Individuen und Kollektive?“ Winter hinterfragte die öffentliche Diagnose von Social Media als „Radikalisierungsmaschine“. Mit Bezug auf die eigene Forschung zu kognitiven Verzerrungen gelangte er zum „vorläufigen Fazit“, dass Social Media je nach Zielgruppe spezifisch wirke und die vorschnelle Annahme allgemeiner Zusammenhänge nicht wissenschaftlich untermauert werden könne. Zugleich benannte er demokratisch problematische Auswirkungen wie die Verstärkung vorhandener Tendenzen und Polarisierungen. Es geht um den „Echtheitstest“ (L. van Waveren) bei der Benutzung von KI und dazu bedarf es der Fähigkeit des „Deep Learnings“ und des „Decodierens“ der durch die KI gelieferten Informationen durch Faktenanalysen, um die durch Social Media und KI bedingten psycholgischen Gefahren der kognitiven Verzerrungen und der Emotionalisierungen sowohl als Individuum als auch Kollektiv zu erkenne und zu reflektieren (S.Winter).

In der anschließenden Workshoprunde konnten die Teilnehmenden je nach ihren persönlichen Präferenzen zwischen den folgenden praxisorientierten Angeboten wählen und ihre Kompetenzen im Austausch diskursiv vertiefen: Vortrag: „ ,Okay, kann ich hier was anklicken?‘ – Medienethnographie digitalisierter Fortbildungsangebote“ Jana Ziel & Prof.in Dr.in Andrea Szukala (Uni Augsburg) Vortrag: Offener Code statt Black Box: Algorithmische Macht verstehen – Ein Design Research-Projekt zu TikTok, mit Python und unter KI-gestützter Entwicklung Dr. Christian Mühleis (PH Heidelberg) Vortrag: Künstliche Intelligenz: Revolution der internationalen Politik oder Risiko für globale Konflikte? Dr. Helge Batt (RPTU Landau) Vortrag: „Fachdidaktische Diskurse zu digitalen Medien ls Lerngegenständen in fachdidaktischen Zeitschriften der Fächer Deutsch und Sozialwissenschaften“ Prof. Dr. Alexander Wohnig & Jun.-Prof.in Dr.in Anna Hoffmann (Uni Siegen) Vortrag: „Welche Aufgaben hat politische Medienbildung im Kontext von LLMs? Gemeinwohl – Ökonomie – Instrumentalisierung“ Kai Löser (Wilhelm-Heinrich- Riehl-Kolleg Düsseldorf) Der erste intensive und sehr diskursive Tagungstag endete mit einem feierlichen und gemütlichen Beisammensein anlässlich des Silberjubiläums der Tage der Politischen Bildung, zu dem erfreulicherweise der rheinland-pfälzische Bildungsminister Herr Sven Teuber als Gast von Herrn Sauer begrüßt werden konnte. Teil des Abendprogramms war auch ein Kabarettbeitrag von Jens Neutag aus Berlin. In seinem Grußwort würdigte er die Arbeit insbesondere des Landesverbandes der DVPB zur Demokratiebildung und sagte seine weitere Unterstützung der schulischen und außerschulischen Politische Bildung zu.

Prof. Dr. Alexander Wohnig und StD Michael Sauer

Der zweite Tag startete mit dem Vortrag von Prof. Dr. Thorsten Thiel (Uni Erfurt) zum Thema „Digitalisierung – Eher problematisch oder eher unterstützend für die Demokratie?“ Prof. Thiel problematisierte zunächst die Fragestellung selbst, schließlich führe die Pro-Contra-Polarität leicht zu einem falschen Gleichgewicht und zur Suggestion einer individuell lösbaren Problemstellung. Stattdessen seien „konkrete Kontexte demokratischer Veränderung“ zu fokussieren, wobei das jeweilige Demokratieverständnis differenziert und expliziert werden müsse. Dabei differenzierte er zwischen realen Gefahren durch Desinformation oder personalisierte Assistenzsysteme, wie die Schwächung einer pluralistischen Informationslandschaft und überschätzten Gefahren wie „Filterblasen 2.0“ durch KI und Social Media, deren Existenz sozialwissenschaftlich islang nicht ausreichend belegt werden konnte. Abschließend nahm Prof. Thiel die Evolution des Politikfelds „Digitalpolitik“ in den Blick und die zunehmend stärker gewordene Bedeutung des Staates im Zuge „digitaler Souveränität“. Er stellte zum einen die vielfachen Nutzungsmöglichkeiten der digitalen Medien zur Informationsbeschaffung heraus und zum anderen die Gefahren hinsichtlich Fakes. Die folgenden beiden Workshoprunden thematisierten vom Tagungsthema ausgehende mediendidaktische fachwissenschaftliche, fachdidaktische und unterrichtspraktische Fragestellungen und boten dazu verschiedene von den Workshop-Leitungen erprobte gelungene Lösungsansätze für den Fortbildungsbereich der Politiklehrkräfte und der Unterrichtspraxis an. Besonders zum Nachdenken regte Dr.in Alina Gales (TU München) in ihrem Vortrag „Fördern KI und Social Media Diskriminierungsprozesse in unserer Gesellschaft?“ an, da sie hinsichtlich der digitalen ouveränität deutlich die auf die Probleme der  Wahrheitsfindung durch Bias und kulturpezifische Ausrichtungen der trainierten KI durch Diskriminierungen/ potenzielle Desinformationen und Deepfakes verwies. Sie sprach vom Problem eines „neuen Kolonialismus“ im Kontext des Datenkapitalismus. Deshalb forderte sie Mitbestimmungsrechte und digitale Reglementierungen, um Machtstrukturen und Exklusionsmechanismen entgegenzuwirken, damit KI-gestützte Anwendungen und soziale Netzwerke nicht zu bestehenden oder neuen Ungleichheiten beitragen. Der zweite Tag endete mit einem Stadt-Spaziergang entlang der Orte der Landauer Demokratiegeschichte, angeboten von Thomas Handrich.

Am Samstag bereicherten weitere praxiserprobte Angebote zum kritischen Umgang mit Verschwörungstheorien, KI und Desinformation wie die Vorstellung des Makerspaces als innovatives Lernarrangement zur Stärkung digitaler Kompetenzen die Tagung für die Teilnehmenden. Ergebnisse/Learnings der Tagung Da Digitalpolitik immer Demokratiepolitik (Prof. Thiel) ist, bestand bei den Teilnehmenden große Einigkeit hinsichtlich der Notwendigkeiten von staatlichen und internationalen Regulierungsmechanismen zur Wahrung der Individual- und Kollektivrechte und zur Verhinderung von Manipulationen und Diskriminierungen. Aufgabe der Politischen Bildung in diesem Transformationsprozess ist es durch vielfältige Zugänge und Methoden einen kritisch-reflektierten Umgang mit Social Media und KI als Gegenstand und Methode zu ermöglichen, um so die Demokratiebildung zu fördern. Denn die Erhaltung der digitalen Souveränität erfordert kritisches Bewusstsein und Urteils- bzw. Handlungsfähigkeit. Dazu wurden in den verschiedenen praxisorientierten Workshops zahlreiche erprobte innovative Beispiele wie der Makerspaces für die schulische und außerschulische politische Bildung oder eines Serios Games wie „Mission Ganymed“ geliefert, sodass alle Teilnehmenden sehr zufrieden mit vielen neuen Ideen und Erkenntnissen im Gepäck den Heimweg antreten konnten.

Wir bedanken uns herzlich bei dem Landesverband Rheinland-Pfalz und insbesondere bei dem DVPB-Landesvorsitzenden Herrn StD Michael Sauer für die Organisation und Moderation der Tagung. Er sorgte dafür, dass alle Vortragende als Wertschätzung eine Flasche Pfälzer Wein zur Erinnerung an die Tagung in der Pfälzer Region zu Hause genießen konnte. Unser weiterer Dank gilt: Frau Dr. Anja Diesel und dem ganze Team vom Butenschoenhaus sowie dem Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz) (EFWI) für die Gastfreundschaft, die Organisation vor Ort und die kulinarische Versorgung, die allen in positiver Erinnerung bleiben wird. Der Bundeszentrale für die finanzielle Förderung und insbesondere Herrn Dr. Peter Zorn. Dem DVPB- Vorsitzenden Prof. Dr. Alexander Wohnig und den weiteren Mitgliedern des DVPB Vorbereitungs- und Durchführungsteam wie Prof.in Dr.in Andrea Szukala, Joshua Hausen und Dana Grebner.

Da sich die kooperative Ausrichtung der 2–3-tägigen DVPB-Herbsttagungen mit jeweils einem Landesverband wieder als sehr erfolgreich erwiesen hat, wird die nächste Herbsttagung zum Thema: Soziale Ungleichheit(en) in der Demokratie und der politischen Bildung 2026 in Kooperation mit dem Landesverband NRW vom 19. bis 21.November 2026 an der Universität Siegen – Seminarzentrum Campus Unteres Schloss stattfinden.

Tagungsbericht: Christel Schrieverhoff und Andreas Schlattmann, DVPB NW

Zeitschrift POLIS 03/2025: Inklusion

Inklusion als Ziel und Auftrag der politischen Bildung wird von allen anerkannt – aber unterschiedlich angegangen. Kann politische Bildung alle Zielgruppen gleichermaßen im Blick behalten oder benötigen wir unterschiedliche Perspektiven und Zugänge? Fördern wir mit spezifischen Markierungen von Zielgruppen und ihren Anforderungen nicht gerade die Ungleichheiten, die wir beseitigen möchten? Die Notwendigkeit, Schule und Bildung im Sinne der Inklusion neu zu denken und unser Verständnis von Politik zu erweitern, um Inklusion als Aufgabe politischer Bildung bewältigen zu können kristallisiert sich durch die Beiträge der Autor*innen.

  • Christian Fischer: „Inklusion im Politikunterricht: Ausgewählte Ansätze und Zugänge“
  • Johannes Jöhnck und Rahel Ladwig: „Politische Bildung für spezifische Zielgruppen – das Beispiel Lernende im sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung“
  • Dorothee Meyer und Jan M. Stegkemper: „Denkanstöße für ein inklusives Politikverständnis zur politischen Bildung für alle“
  • Anja Besand – Johannes Jöhnck und Christian Fischer: „Inklusion und politische Bildung – zwei Perspektiven“
  • Beate Rosenzweig, Julian Schärdel und Kristin Müller: „, Nicht ohne uns! ´ – Reden. Diskutieren. Entscheiden”
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Zeitschrift POLIS 02/2025: 60 Jahre DVPB

Vor 60 Jahren wurde die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB e.V.), die größte Interessensvertretung für politische Bildner*innen in Deutschland, gegründet. Dies nahm der Bundesvorstand zum Anlass, zur Abendveranstaltung „Politische Bildung zwischen Konvention und Transformation“ zu laden, welche in diesem Heft dokumentiert wird. Themen sind die Rolle der politischen Bildung in einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten gesellschaftlicher Transformation und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Politiklehrer*innen. Darüber hinaus gibt es einen Rückblick auf die verbandspolitische Arbeit der DVPB.

  • Alexander Wohnig: „Zur Rolle politischer Bildung in einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten gesellschaftlicher Transformation“
  • Martina Tschirner: „60 Jahre DVPB – 60 Jahre verbandspolitisches Engagement für die politische Bildung – ein Blick zurück und nach vorne!“
  • Gudrun Heinrich im Gespräch mit Karim Fereidooni, Susann Gessner, Steve Kenner und Monika Oberle „Politische Bildung – Bildungsauftrag in einer Demokratie im Wandel“
  • Gabi Elverich und Friedemann Gürtler: „Politiklehrer*in sein heute – herausfordernd wie nie?!“

Zeitschrift POLIS 01/2025: Hören!? Beurteilen. Handeln.

Hören!? Beurteilen. Handeln. In einer Welt voller visueller Reize bleibt das Hören oft unterschätzt – auch in der politischen Bildung. Die neue Polis-Ausgabe zeigt das Potenzial auditiver Medien auf: Wie können Hörspiele, Podcasts und Audiowalks politisches Lernen bereichern? Welche demokratietheoretischen Überlegungen gibt es zum Zuhören und Gehört-Werden? Neben wissenschaftlichen Perspektiven bietet die Ausgabe praxisnahe Einblicke in Projekte, die Zuhören als politische Kompetenz stärken und neue Wege für die politische Bildung eröffnen.

  • Johannes Odendahl: „, Schönes Gespräch´“, neu aufgelegt. Zuhören lernen, ohne hörig zu werden: Über Bildungschancen ästhetischer Hörmedien“
  • Simon Clemens und Nina Goretzko: „Zugänge des Hörens in der politischen Theorie und ihre Potenziale für die politische Bildung“
  • Oliver Emde und Andreas Wicke: „Audiowalks in der politischen Bildung“
  • Oliver Emde im Gespräch mit Marco Wiesner: „, Die Alster-Detektive´“ – politische Bildung mit einer Kinderhörspiel-Reihe“
  • Elke Dillmann: „Zuhören – recherchieren – fragen. Audioprojekte für Schule und Demokratie“

Call for Papers: Herbsttagung 2026 „Soziale Ungleichheiten“

Frist zur Einreichung 15.05.2026

2024 kam eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung unter dem Titel „Ungleiche Teilhabe: Marginali-sierte Arme – verunsicherte Mitte“ zu dem Urteil, dass die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland immer größer wird und die Angst vor dem Abstieg weiter wächst sowie das Vertrauen in die Institutionen zu sinken droht. Während der Anteil der armen Bevölkerung kontinuierlich an-steigt, verzeichnen die Vermögen von Milliardär:innen ein schier ungebremstes Wachstum. Ungleichheit hat Auswirkungen auf viele Bereiche der Gesellschaft und Lebensbereiche der Individuen: Auf die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Teilhabemöglichkeiten an Gesellschaft, die Parti-zipationsbedingungen an politischen Prozessen. Menschen, die in Armut leben, stehen weniger Ressourcen zur Verfügung. Nahezu alle Studien zeigen, dass diese Menschen weniger Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Dies hat verschiedene Gründe. Ein zentraler ist, dass von Fremdausschluss betroffene Menschen sich oftmals selbst aus politischen Prozessen ausschließen, da ihre Position kein Gehört findet und sie sich für politische Partizipation als nicht berechtigt ansehen usw. Das Problem, vor dem die politische Bildung steht, wenn sie sich der Thematik der Ungleichheit widmet, ist komplex, denn Ungleichheit zeichnet die Bildungsbiografien der Individuen in massiver Weise vor. Insbesondere das gegliederte Schulsystem wird kritisiert, Ungleichheit zu reproduzieren, indem es auf scheinbar gerechte Weise ungleiche Lebenschancen vergibt und verstetigt.

Auf der Tagung soll diskutiert werden, inwiefern das gegenwärtige Wirtschaftssystem nicht nur von Ungleichheit geprägt, sondern auch auf sie angewiesen ist, d.h. ob Ungleichheit ein ‚Nebeneffekt‘ oder eine funktionale Notwendigkeit ist oder noch weitere Funktionen erfüllt. Politische Bildung erreicht oft genau diejenigen nicht, die am stärksten von Ungleichheit betroffen sind und verstärkt so bestehende Asymmetrien: Wer viel politische Bildung erfährt, nimmt auch Angebote der politi-schen Bildung wahr. Wer lange im Schulsystem verweilt und Abitur macht, erhält in der Regel viel mehr politische Bildung als Personen, die die Oberstufe nicht besuchen. Ungleichheit beeinflusst zudem den Zugang zu politischer Bildung. In der außerschulischen politischen Bildung im Speziel-len und der Jugendarbeit im Allgemeinen gibt es oft höhere Zugangshürden, als es das Selbstver-ständnis der Akteur:innen und der Institutionen vermuten lässt. Auch hier regelt die ungleiche Ver-teilung an Ressourcen den Zugang (zumindest mit).

Verschiedene Ansätze der politischen Bildung versuchen dies zu berücksichtigen und Angebote für bestimmte Zielgruppen anzubieten, die Zielgruppen aufzusuchen oder mit Methoden und Konzepten zu arbeiten, die bestimmte Zielgruppen in ihrem Politikbegriff zu erreichen versuchen.

Call for Papers als PDF downloaden

Analysen zeigen, dass wirtschaftliche Zusammenhänge oft als ‚neutral‘ oder ‚alternativlos‘ dargestellt werden. Zu diskutieren ist, inwiefern Themen wie Vermögensungleichheit, Lohnarbeit oder Finanzmarktmacht als politische Gestaltungsfragen im Diskurs und in der politischen Bildungsarbeit erscheinen. Ähnliches gilt für die Darstellung von Themen wie „Soziale Marktwirtschaft“ oder alternativen Wirtschaftsmodellen.

Gleichzeitig gewinnen Kategorien wie Klasse, Schicht oder Milieus in der Gesellschaftstheorie und in Zeit- sowie Gesellschaftsdiagnosen an Konjunktur. Das Problem, dass große Ungleichheiten eine Gefahr für die Demokratie sind, wird breiter wahrgenommen.
Die Tagung spricht explizit Akteur:innen aus der Theorie und Praxis der schulischen und außerschulischen Bildung sowie den Professionen der Sozialwissenschaften (Soziologie, Politikwissenschaft, Ökonomie), den Erziehungswissenschaften, der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik so-wie weiteren angrenzenden Bereichen an.

Eingereicht werden können

  • Vorträge und Workshops, die Ungleichheit im Verhältnis zu Demokratie, Politik, Gesellschaft, Ökonomie beschreiben, problematisieren. Dabei kann es um das Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus, von Demokratie, Ungleichheit und politischer Bildung, um sozioökonomische Aspekte politischer Ungleichheit oder auch die Frage gehen, wieviel Ungleichheit eine Demokratie er- und vertragen kann.
  • Vorträge und Workshops, die Ungleichheit als Herausforderung für die politische Bildung beschreiben. Dabei kann es um strukturelle Fragen oder auch konkrete Forschungsprojekte, etwa zur Reproduktion von Ungleichheit in der politischen Bildung, in Bildungsmedien (Schulbücher, Unterrichtsmaterialien von Stiftungen, Materialien der außerschulischen Bildungsarbeit), durch Methoden der politischen Bildungsarbeit usw. gehen.
  • Vorträge und Workshops, die (aktuelle, aber gerne auch solche aus der Vergangenheit) Konzepte, Ansätze und Methoden darstellen/erfahrbar machen, wie in der schulischen und außerschulischen politischen Bildung mit Ungleichheit (als Gegenstand, als Diskriminierung, als Realität der Lerngruppen) umgegangen werden kann, etwa mit der Beobachtung des Fremd- und Selbstausschlusses von Ungleichheit betroffenen Menschen.
  • Vorträge und Workshops, die konkrete bildungspraktische Ansätze aus der schulischen und außerschulischen Bildung präsentieren, die wiederum Ungleichheit thematisieren oder mit ihr umzugehen versuchen.
  • Konzepte, Ansätze, Projekte und Methoden aus der Jugendarbeit / der Sozialen Arbeit mit Bezug zur politischen Bildung, die Ungleichheit thematisieren oder mit ihr umzugehen versuchen.
  • Beiträge zur Frage, welche Bedeutung (und auf welcher Ebene) das Thema der Tagung für Interessensverbände der politischen Bildung haben könnte und wie diese sich zu der Frage nach Ungleichheit und Politische Bildung positionieren sollten.
  • Neben diesen thematischen Beiträgen planen wir ein durchgehendes inhaltliches Schwerpunktpanel, in dem selbstreflexiv und selbstkritisch die Frage nach der Rolle der politischen Bildung – ihrer Theorie, Praxis, Verbandsarbeit usw. – im Kontext autoritärer Gesellschafts- und Demokratieentwicklungen gefragt werden soll.
  • Beiträge und Workshops, die methodisch auch etwas Experimentelles wagen, sind ausdrücklich erwünscht. Dazu zählen auch ästhetische und künstlerische Zugänge oder Workshops im öffentlichen Raum.

Bitte senden Sie Ihre Beitragsvorschläge als höchstens einseitiges Abstract mit Angaben zu Titel, Veranstalter:innen, Inhalten, gewünschtes Format und benötigte Zeit bis zum 15.05.2026 an Dana Grebner (kontakt@dvpb.de).

Geplant ist, dass Tagungskosten und Reise- sowie Unterbringungskosten für Vortragende und Workshopleitende von den Veranstalter:innen übernommen und über die DVPB abgerechnet werden. Die Tagung ist eine Kooperationsveranstaltung des Bundesvorstands der DVPB, des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der DVPB und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Herbsttagung 2020 „Standortbestimmung Politische Bildung“

13.-14. November 2020 (online)

Die DVPB-Herbsttagung 2020 stellte in mehrfacher Hinsicht ein Novum dar. Zunächst einmal war es die erste Herbsttagung, die nicht mehr zentral vom Bundesvorstand in Berlin geplant und durchgeführt wurde. Stattdessen wird die Herbsttagung zukünftig jedes Jahr von einem anderen Landesverband vor Ort ausgetragen. So haben die Landesverbände der Reihe nach die Möglichkeit, sich den Mitgliedern und den anderen Landesverbänden zu präsentieren und zugleich lokal den Landesverband und die DVPB insgesamt mittels einer größeren Veranstaltung sichtbar zu machen. Den Anfang machte der Landesverband Niedersachsen, der mit dem Niedersächsischen Studieninstitut (NSI) in Hannover einen starken Partner für die Austragung vor Ort gefunden hatte. Doch leider konnte die Tagung nicht im geplanten Rahmen stattfinden. Denn – und das war das zweite (hoffentlich einmalige) Novum – die Tagung war von der aktuellen Coronakrise so stark betroffen, dass sie im Grunde dreimal geplant werden musste: Zunächst als ganz normale vor-Ort-Tagung, dann in einem hybriden Format und schließlich dann doch noch als volle Digitaltagung. Dies änderte jedoch nichts am Erfolg der Veranstaltung.

Insgesamt nahmen über einhundert Personen an der Tagung Teil, die zunächst vom Bundesvorsitzenden Tonio Oeftering, dem Landesvorsitzenden Steve Kenner und Michael Koop, dem Präsidenten des NSI, eröffnet wurde. Hieran schlossen sich zwei Grußworte an, eines vom Niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne und eines von MdB Karamba Diaby, der sich u.a. als Kuratoriumsmitglied der Bundeszentrale für politische Bildung ebenso wie Grant Hendrik Tonne als Landesminister sehr offen für die Belange der politischen Bildung zeigte. Den Rest des Tages konnten sich die Teilnehmenden in einem selbst gewählten Panel Vorträge folgende Thematiken beschäftigen: „Herausforderungen und Krise“, „Neutralität und Normativität“, „Klima, Umwelt und Protest“. Im ersten Panel – Herausforderungen und Krise – hielt zunächst Sophie Schmitt (Universität Gießen) einen grundlegenden Beitrag („Politische Bildung in Krisenzeiten“), bevor in drei weiteren Vorträgen Vertiefungen hierzu erfolgten, etwa mit dem Titel „Inclusive Citizenship Education aus rassismuskritischer Perspektive“ (Lara Möller, Universität Wien und Arne Schrader, Universität Hannover) oder auch „Affekte als vernachlässigte Kategorie der politischen Bildung gegen Antisemitismus“ (Marc Grimm, Universität Bielefeld). Auch das zweite Panel – Neutralität und Normativität – wurde mit einem grundlegenden Beitrag eröffnet. Sibylle Reinhardt (Universität Halle) leitete in die in den letzten Jahren wieder verstärkt virulent gewordene Diskussion über „Politische Bildung und das vermeintliche Neutralitätsgebot“ ein, die folgenden Vorträge vertieften diesen Themenbereich (etwa der Vortrag „Parteilichkeit statt Neutralität“ von Peter Hofmann und Alexander Wohnig (Universität Siegen)). Auch im dritten Panel gab es zunächst grundlegende Beiträge, etwa „Politische Bildung im Anthropozän. Klimawandel als Herausforderung für politische Bildung“, Werner Friedrichs (Universität Bamberg) sowie vertiefende Vorträge, etwa zur „Mensch- Tier-Beziehung in der politischen Bildung“ von Ingo Juchler (Universität Potsdam). Außerdem kamen mit dem Vortrag „Klimaprotest und Politische Bildung“ mit Zara Altensinger und Michael Nagel zwei aktive Mitglieder von Fridays für Future Hannover zu Wort. Im Anschluss an die Vorträge fand in jedem der Panels zunächst ein „Kleines Podium“ statt, in dem die zentralen Ergebnisse der Vorträge und Diskussionen der jeweiligen Panels von drei Moderierenden (Reinhold Hedtke, Gudrun Heinrich und Christel Schrieverhoff, alle drei Mitglieder im Bundesvorstand) zusammengetragen wurden. Im anschließenden großen Abschlusspodium (online-Fishbowl) wurden die Positionen gesammelt und zu einer ersten „Standortbestimmung“ zusammengeführt, die am nächsten Tag – basierend auf dem „Ranking politische Bildung“ von R. Hedtke als Grundlage für die weitere Arbeit diente.

Die Rückmeldungen zur Tagung legen nahe, dass es den Veranstaltern allen Widrigkeiten zum Trotz gelungen war, eine ansprechende und intensive Tagung durchzuführen.

Tagungsband

Zur Herbsttagung 2021 ist ein Sammelband in der DVPB-Reihe im Wochenschau Verlag erschienen.

Wo steht die Politische Bildung? Der Band nimmt eine Standortbestimmung politischer Bildung unter Berücksichtigung gesellschaftspolitischer Herausforderungen wie Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, dem Klimawandel sowie didaktischer Herausforderungen wie der Frage nach der Normativität sowie dem vermeintlichen Neutralitätsgebot politischer Bildung vor.

Standortbestimmung Politische Bildung.Gesellschaftspolitische Herausforderungen, Zivilgesellschaft und das vermeintliche Neutralitätsgebot herausgegeben von Steve Kenner und Tonio Oeftering

Online unter: https://www.wochenschau-verlag.de/Standortbestimmung-Politische-Bildung/41352-Print-41353-PDF

Herbsttagung 2021 „Angegriffen und erschöpft!? Demokratie(n) und politische Bildung“

25. bis 27. November 2021 in Jena

Noch vor wenigen Jahren konnte man in der Politischen Bildung zuweilen den Eindruck gewinnen, man habe es angesichts des vermeintlichen globalen Siegeszugs der Demokratie westlich-liberaler Prägung mit einem „allmählich überraschungsfrei wirkenden Gegenstand“ (Jens Hacke) zu tun. Doch das Bild hat sich gewandelt, die liberalen Demokratien sind unter Druck geraten. Von außen werden sie angegriffen, nicht nur von fundamentalistischen Strömungen, sondern auch von Staaten und Akt-euren wie etwa Russland oder China, die sich offen als Alternative zum Modell der liberalen Demokratie darstellen und ihren damit verbundenen Macht- und Gestal-tungsanspruch auch geopolitisch durchzusetzen versuchen. Gleichzeitig müssen sich die liberalen Demokratien gegen Angriffe erwehren, die aus dem Innern heraus gegen sie gerichtet werden. Das Erstarken populistischer und zuweilen extremistischer Kräfte, die zunehmend auch über eine parlamentarische Repräsentation verfügen, wirft zunächst einmal die Frage auf, was diese autoritären Bewegungen so attraktiv für Bürger*innen macht? Für die Politische Bildung ist dies ein brisanter Sachverhalt, wirft er doch auch die Frage auf, welche Wirkung politischer Bildung zugeschrieben werden kann – hat sie versagt? Was sind ihre Antworten und inwiefern wird Politische Bildung selbst zunehmend zum Feld politischer Angriffe und Auseinandersetzungen? Auf der systemischen Ebene stellt sich die Frage, wie gefestigt die Demokratien im Innern sind, ob sie als „streitbare“ oder auch „wehrhafte“ Demokratien in der Lage sein werden, sich gegen diese Angriffe zu Wehr zu setzen, oder ob sie aufgrund einer inneren Erschöpfung und eines Mangels an Widerstandskraft ernsthaft in Gefahr zu geraten drohen. Zugleich stellt sich die Frage nach der Entscheidungs- und Leistungsfähigkeit demokratischer Gemeinwesen angesichts globaler Herausforderungen wie Pandemien, Klimawandel, Digitalisierung usw. Zur Debatte steht, inwieweit meist mehr oder weniger lokal verankerte demokratische Entscheidungs- und Steuerungsprozesse in der Lage sind, diesen Herausforderungen zu begegnen.

Tagungsband

Zur Herbsttagung 2021 ist ein Sammelband in der DVPB-Reihe im Wochenschau Verlag erschienen.

Welche Anforderungen, Aufforderungen und Gültigkeit bringt die Diagnose der „angegriffenen Demokratie(n)“ für die Politische Bildung mit sich? Diese Frage bearbeitet der Band anhand von normativen, empirischen und konzeptionellen Beiträgen.

Angegriffene Demokratie(n) Perspektiven der Politischen Bildung, herausgegeben von Ilka Maria Hameister, Nikolaj Schulte-Wörmann, Tonio Oeftering

Online unter: https://www.wochenschau-verlag.de/Angegriffene-Demokratie-n/41555

Herbsttagung 2022 „Politische Bildung und die Herausforderung‚digitaler Souveränität‘ im 21. Jahrhundert“

17. bis 18. November 2022 (online)

Etwa 150 Teilnehmer*innen schalteten sich am 17. und 18.11. zum Zuhören, Beitragen und Diskutieren im vom Landesverband Baden-Württemberg ein- gerichteten digitalen Raum zu. Den Tagungsauftakt lieferte Rahel Süß, die sich ideengeschichtlich mit „Souveränität“ auseinandersetzte und eine radikal- demokratische Perspektive auf digitale Souveränität entwickelte, die vor allem deren enge Verknüpfung mit gesamtgesellschaftlicher Demokratisierung her- vorhob. Die von ihr aufgeworfene Debatte um Begriffe sollte während der gesamten Tagung produktiv fort- geführt werden, wobei erfreulicherweise auch stets Brücken zur Praxis politischer Bildung in und außer- halb der Schule geschlagen wurden. Dabei wurde diskutiert, ob und wie politische Bildung zur digitalen Souveränität beitragen kann und welchen Einfluss Digitalisierungsprozesse oder Digitalität auf (politische) Bildung ausüben. Impulse für diese Diskussion wurden nicht nur von Vertreter*innen der universitären Politikdidaktik, sondern auch von Beitragenden aus Nachbardisziplinen und der Zivilgesellschaft geliefert. Florian Weber-Stein, der den Souveränitätsbegriff nicht wie Rahel Süß auf Rousseau, sondern auf Hobbes zurückführte, konnte in der zweiten Keynote ebenfalls zu diesen Diskussionen beitragen, indem er nach dem Eröffnen einer durchaus kritischen Perspektive auf das Konzept digitale Souveränität den Teilnehmer*innen einen umfassenden Überblick über die Fachdiskussion zu Ansätzen politischer Bildung in der „digitalen Konstellation“ gab, die sich wohl – so auch der Konsens in weiteren Panels – durchaus noch vertiefen und weiterentwickeln lässt.

Am 19.11.2022 fand im Anschluss an die Herbsttagung die diesjährige Sitzung des Erweiterten Bundesvorstandes statt. Dieser besteht aus dem Bundesvorstand sowie jeweils einer:m Vertreter:in aus den Landesverbänden, kommt einmal jährlich zusammen und ist das zentrale Austausch- und Vernetzungsforum für die länderübergreifende Verbandsarbeit in der DVPB.

Tagungsband: Digitale Souveränität und politische Bildung

Zur Herbsttagung 2022 ist ein Sammelband in der DVPB-Reihe im Wochenschau Verlag erschienen.

Die Frage nach „digitaler Souveränität“ gehört zu den zentralen Herausforderungen politischer Bildung im 21. Jahrhundert. Im Anschluss an die Herbsttagung der Deutschen Vereinigung für politische Bildung 2022 stellt der Band theoretische Klärungen, (bildungs)politische Aufgaben und Beispiele bildungspraktischer Umsetzungen dar und zeigt damit Möglichkeiten für politische Bildung in der Digitalität.

Digitale Souveränität und politische Bildung, herausgegeben von Matthias Heil, Martin Lindeboom, Viktoria Rieber, Kim Luisa Werner, Alexander Wohnig

Online unter: https://www.wochenschau-verlag.de/Digitale-Souveraenitaet-und-politische-Bildung/41649

Walter-Jacobsen-Preis 2024

Im Jahr 2024 wurden Dr. Gesine Bade und Dr. Lara Kierot ausgezeichnet. Prof. Dr. Dirk Lange verlieh die Auszeichnung an Frau Dr. Bade und Prof. Dr. Sibylle Reinhardt hielt die Laudatio für Dr. Lara Kierot.

Dissertation: Dr. May Jehle

Dr. Gesine Bade

Mit ihre Studie untersucht Frau Bade die Politische Bildung mit Kindern an Grundschulen. Im Rahmen der erkenntnisreichen Forschungsstudie zeigt Gesine Bade u.a. fachliche Defizite auf. So sind wissenschaftliche Fachkonzepte Politischer Bildung bei den befragten Sachunterrichtslehrkräften größtenteils unbekannt. Weiterhin wird hervorgebracht, dass die Lehrkräfte politische, komplexe Sachverhalte den Grundschüler*innen nicht zutrauen, da sie deren Wissen, Interessen und Kompetenzen in politischen / sozialwissenschaftlichen Themenbereichen als unzureichend bewerten. Zudem werde mit demokratiepädagogischen Ansätzen, wie der Klassensprecher*innenwahl, dem Klassenrat oder Abstimmungs- und Entscheidungsverfahren zwar versucht, den Schüler*innen demokratische Erfahrungen zu ermöglichen, diese Verfahren und ihre zugrundeliegenden Prinzipien würden jedoch nicht als Unterrichtsgegenstand thematisiert. Von der Recherche der historischen Genese der politischen Bildung im Sachunterricht der BRD, über die erhobenen Vorstellungen der Lehrkräfte bis zu aktuellen Desideraten in der Aus- und Weiterbildung der Fachdidaktik des Sachunterrichts – diese Forschungsarbeit von Frau Bade ist ungemein wertvoll für die politische Bildung im Sachunterricht der Grundschulen!

Dissertation: Dr. Lara Kierot

 „Lara Kierot interessiert sich insbesondere für die Ausbildung angehender Lehrkräfte für Politische Bildung. In diesem Rahmen hat sie zwei empirische Studien – eine explorative Fragebogenstudie und eine problemzentrierten Interviewstudie – mit Lehramtsstudierenden durchgeführt. Sie beschäftigt sich hierbei mit subjektiven Vorstellungen und damit verknüpften Sinnbildungen der Studierenden und formuliert darauf bezogen didaktische Impulse für die Auseinandersetzung mit Rassismus als Lehr- und Lerngegenstand der Politischen Bildung. Die Forschungsarbeit von Lara Kierot ist methodisch sehr sorgfältig und allumfassend angelegt. Die Autorin setzt sich kritisch und selbstreflexiv mit der Thematik, den theoretischen Bezügen und politikdidaktischen Handlungsmöglichkeiten auseinander. Ausgehend von der Analyse subjektiver Vorstellungen von Rassismus aus Perspektive Lehramtsstudierender erarbeitet sie didaktische Impulse für die künftige zielgruppenspezifische Auseinandersetzung mit Rassismus in der Politischen Bildung.“

Dr. Lara Kierot