Macht es im Jahre 2013 noch Sinn, von „Kritischer“ Politischer Bildung zu sprechen, wenn der Terminus eine Unterscheidung treffen soll? Muss Politische Bildung nicht per se „kritisch“ sein? Impliziert dies nicht schon das Kontroversitätsprinzip des Beutelsbacher Konsenses? Ein Antwortspektrum muss mindestens die Historizität des Terminus berücksichtigen. Deshalb erscheint es unverzichtbar, zunächst Bernhard Claußen als den Politikdidaktiker zu Wort kommen zu lassen, der mit seiner „Kritischen Politikdidaktik“ (1981) im Rekurs auf die „Frankfurter Schule“ den historischen Markstein für diese Begriffsverwendung gesetzt hat.
Demgegenüber müssen diejenigen, die heute von „Kritischer Politischer Bildung“ sprechen, die Berechtigung des Etiketts erklären. Diesen Versuch unternimmt Bettina Lösch als Mitherausgeberin des gleichnamigen Sammelbands. Klaus-Peter Hufer und Jens Korfkamp versuchen in ihrem Beitrag aus der Perspektive der Erwachsenenbildung eine Würdigung der aktuellen Diskussion. Dabei sehen sie die Möglichkeiten Kritischer Politischer Bildung durch einen output-orientierten ökonomistischen Mainstream der Politikdidaktik stark eingeschränkt.
Eine zusätzliche Erweiterung des Meinungsspektrums erfährt die Diskussion in dem anschließenden Interview-Format mit Antworten von Gudrun Hentges, Kerstin Pohl, Tonio Oeftering, Edwin Stiller und Fritz Reheis. Dessen Schüler Michael Görtler eruiert in der Didaktischen Werkstatt Möglichkeiten einer kritischen unterrichtlichen Begegnung mit dem Problem der Beschleunigung in einer durchökonomisierten Lebenswelt.
- Bernhard Claußen „Kritische Politische Bildung und ihre Didaktik“
- Bettina Lösch „Was heißt ‚kritische Politische Bildung‘ heute?“
- Klaus-Peter Hufer und Jens Korfkamp „Kritische Politische Bildung?! – Ein Zwischenruf“
- „Kritische Politische Bildung – heute?“ – POLIS fragte nach…
- Michael Görtler „Die Beschleunigung von Lebenswelt und Politik