Herbsttagung 2020 „Standortbestimmung Politische Bildung“

13.-14. November 2020 (online)

Die DVPB-Herbsttagung 2020 stellte in mehrfacher Hinsicht ein Novum dar. Zunächst einmal war es die erste Herbsttagung, die nicht mehr zentral vom Bundesvorstand in Berlin geplant und durchgeführt wurde. Stattdessen wird die Herbsttagung zukünftig jedes Jahr von einem anderen Landesverband vor Ort ausgetragen. So haben die Landesverbände der Reihe nach die Möglichkeit, sich den Mitgliedern und den anderen Landesverbänden zu präsentieren und zugleich lokal den Landesverband und die DVPB insgesamt mittels einer größeren Veranstaltung sichtbar zu machen. Den Anfang machte der Landesverband Niedersachsen, der mit dem Niedersächsischen Studieninstitut (NSI) in Hannover einen starken Partner für die Austragung vor Ort gefunden hatte. Doch leider konnte die Tagung nicht im geplanten Rahmen stattfinden. Denn – und das war das zweite (hoffentlich einmalige) Novum – die Tagung war von der aktuellen Coronakrise so stark betroffen, dass sie im Grunde dreimal geplant werden musste: Zunächst als ganz normale vor-Ort-Tagung, dann in einem hybriden Format und schließlich dann doch noch als volle Digitaltagung. Dies änderte jedoch nichts am Erfolg der Veranstaltung.

Insgesamt nahmen über einhundert Personen an der Tagung Teil, die zunächst vom Bundesvorsitzenden Tonio Oeftering, dem Landesvorsitzenden Steve Kenner und Michael Koop, dem Präsidenten des NSI, eröffnet wurde. Hieran schlossen sich zwei Grußworte an, eines vom Niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne und eines von MdB Karamba Diaby, der sich u.a. als Kuratoriumsmitglied der Bundeszentrale für politische Bildung ebenso wie Grant Hendrik Tonne als Landesminister sehr offen für die Belange der politischen Bildung zeigte. Den Rest des Tages konnten sich die Teilnehmenden in einem selbst gewählten Panel Vorträge folgende Thematiken beschäftigen: „Herausforderungen und Krise“, „Neutralität und Normativität“, „Klima, Umwelt und Protest“. Im ersten Panel – Herausforderungen und Krise – hielt zunächst Sophie Schmitt (Universität Gießen) einen grundlegenden Beitrag („Politische Bildung in Krisenzeiten“), bevor in drei weiteren Vorträgen Vertiefungen hierzu erfolgten, etwa mit dem Titel „Inclusive Citizenship Education aus rassismuskritischer Perspektive“ (Lara Möller, Universität Wien und Arne Schrader, Universität Hannover) oder auch „Affekte als vernachlässigte Kategorie der politischen Bildung gegen Antisemitismus“ (Marc Grimm, Universität Bielefeld). Auch das zweite Panel – Neutralität und Normativität – wurde mit einem grundlegenden Beitrag eröffnet. Sibylle Reinhardt (Universität Halle) leitete in die in den letzten Jahren wieder verstärkt virulent gewordene Diskussion über „Politische Bildung und das vermeintliche Neutralitätsgebot“ ein, die folgenden Vorträge vertieften diesen Themenbereich (etwa der Vortrag „Parteilichkeit statt Neutralität“ von Peter Hofmann und Alexander Wohnig (Universität Siegen)). Auch im dritten Panel gab es zunächst grundlegende Beiträge, etwa „Politische Bildung im Anthropozän. Klimawandel als Herausforderung für politische Bildung“, Werner Friedrichs (Universität Bamberg) sowie vertiefende Vorträge, etwa zur „Mensch- Tier-Beziehung in der politischen Bildung“ von Ingo Juchler (Universität Potsdam). Außerdem kamen mit dem Vortrag „Klimaprotest und Politische Bildung“ mit Zara Altensinger und Michael Nagel zwei aktive Mitglieder von Fridays für Future Hannover zu Wort. Im Anschluss an die Vorträge fand in jedem der Panels zunächst ein „Kleines Podium“ statt, in dem die zentralen Ergebnisse der Vorträge und Diskussionen der jeweiligen Panels von drei Moderierenden (Reinhold Hedtke, Gudrun Heinrich und Christel Schrieverhoff, alle drei Mitglieder im Bundesvorstand) zusammengetragen wurden. Im anschließenden großen Abschlusspodium (online-Fishbowl) wurden die Positionen gesammelt und zu einer ersten „Standortbestimmung“ zusammengeführt, die am nächsten Tag – basierend auf dem „Ranking politische Bildung“ von R. Hedtke als Grundlage für die weitere Arbeit diente.

Die Rückmeldungen zur Tagung legen nahe, dass es den Veranstaltern allen Widrigkeiten zum Trotz gelungen war, eine ansprechende und intensive Tagung durchzuführen.

Tagungsband

Zur Herbsttagung 2021 ist ein Sammelband in der DVPB-Reihe im Wochenschau Verlag erschienen.

Wo steht die Politische Bildung? Der Band nimmt eine Standortbestimmung politischer Bildung unter Berücksichtigung gesellschaftspolitischer Herausforderungen wie Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, dem Klimawandel sowie didaktischer Herausforderungen wie der Frage nach der Normativität sowie dem vermeintlichen Neutralitätsgebot politischer Bildung vor.

Standortbestimmung Politische Bildung.Gesellschaftspolitische Herausforderungen, Zivilgesellschaft und das vermeintliche Neutralitätsgebot herausgegeben von Steve Kenner und Tonio Oeftering

Online unter: https://www.wochenschau-verlag.de/Standortbestimmung-Politische-Bildung/41352-Print-41353-PDF