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Zeitschrift POLIS 03/2012: Partizipation – Nachlese zum Bundeskongress

Das vorliegende POLIS-Heft „Partizipation“ widmet sich einer ersten Nachlese des Bundeskongresses Politische Bildung. Die bereits bewährte Kooperation zwischen der Bundeszentrale für politische Bildung und der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung wurde erstmalig um den Bundesausschuss Politische Bildung erweitert. Mit seinen vielfältigen Angeboten und über 900 Teilnehmenden wurde der Berliner Bundeskongress von vielen als ein High – light empfunden. Und das zu Recht.

Es war ein Ort anspruchsvoller Information, Reflexion, Fortbildung und Vernetzung auf dem Feld der Politischen Bildung. Schon jetzt beginnen die Gespräche für den Bundeskongress 2015 – dann wieder zum traditionellen Termin im März. Die folgenden Fachbeiträge setzen sich aus mehreren Perspektiven mit dem Themenfeld „Partizipation und Politische Bildung“ auseinander. Es eröffnet Colin Crouch mit seinem Hauptvortrag über neue Partizipationsformen als Kennzeichen der Postdemokratie. Mit seinen Thesen hat er die politikwissenschaftliche Debatte der vergangenen Jahre erheblich mitbestimmt.

Wolfgang Sander, Reinhold Hedtke und Werner Friedrich fragen jeweils kritisch an, ob „Partizipation“ nicht zu leichtfertig, quasi als ein Synonym für Demokratie und Politische Bildung verwendet wird. Mit verschiedenen didaktischen Argumentationen erörtern sie bestehende Probleme und mögliche Perspektiven (in Zeiten der Postdemokratie). Oskar Brilling dokumentiert in der Didaktischen Werkstatt einen Bundeskongress-Workshop zur Bedeutung des Klassenrates. Insgesamt soll dieses POLIS-Heft auch einen Vorgeschmack auf eine umfassende Dokumentation des Bundeskongresses geben, die im Wochenschau-Verlag erscheinen wird. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

  • Colin Crouch „Neue Formen der Partizipation als Markenzeichen der Postdemokratie?“
  • Wolfgang Sander „Partizipation – ein Konzept für politische Bildung?“
  • Reinhold Hedtke „Partizipation ist das Problem, nicht die Lösung“
  • Werner Friedrichs „Partizipation als Artikulation und Unterbrechung“
  • Oskar Brilling „Partizipation durch Klassenrat“

Zeitschrift POLIS 02/2012: außerschulische Lernorte

Dass das Lernen außerhalb des Klassenraums und der Schule sowie in Kooperation mit außerschulischen Lernpartnern das schulische Lernen in vielfältiger Weise fördert und ergänzt, ist mittlerweile weithin bekannt. Für die politische Bildung bietet sich eine Vielzahl von außerschulischen Lernorten an, von denen einige, wie Parlamente, Gerichte, Betriebe, aber auch Gedenkstätten eher zum „klassischen Inventar“ gehören. Hans Berkessel zeigt in seinem Beitrag für die Didaktische Werkstatt auf, wie ein Landtagsbesuch nutz bringend vor- und nachbereitet werden kann.

Die weiteren Beiträge im Themen schwerpunkt dieses Heftes befassen sich mit außerschulischen Lernorten und Projekten, die auch neue Ansätze aufweisen. So stellt Sascha Rex die außerschulische Jugendbildungsarbeit der deutschen Volkshochschulen vor und gibt einen Einblick, wie auch so genannte bildungsferne Jugendliche erreicht werden. Gleich zwei Beiträge beziehen sich auf den Zugang zum Umfeld lokaler Demokratie. Die Bremer Stadtforscher erforschen unter einem Rahmenthema die Stadt bzw. einen Stadtteil. Mit dem Wortspiel KasselAssel verbinden Oliver Emde und Maria Grüning ein Kinderreporterprojekt in Kassel, bei dem Schüler kommunale Probleme identifizieren und – ausgestattet mit entsprechendem Know How durch die Kooperation mit Lokalmedien – Fachleute zu dieser Problematik interviewen.

Die durchaus kritischen Interviews werden als Videoclips ins Netz gestellt. Marie Bludau und Bernd Overwien befassen sich grundlegend mit Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Trägern. Im Beitrag werden Formen und auch Probleme der Kooperation diskutiert, Forschungsergebnisse skizziert und schließlich Beispiele vorgestellt. Wir hoffen, dass auch diese Ausgabe der POLIS Ihr Interesse findet und Anregungen für die eigene Praxis bereithält.

  • Sascha Rex „Volkshochschule = Schule?“
  • Sonja Borski, Andreas Klee, Luisa Lemme und Sarah Meitzner „Die „Bremer Stadtforscher““
  • Oliver Emde und Maria Grüning „Die KasselAssel-KinderreporterInnen“
  • Marie Bludau und Bernd Overwien „Kooperation zwischen Schulen und außer – schulischen Trägern in der politischen Bildung“
  • Hans Berkessel „Das Parlament ist die Werkstatt der Demokratie“

Zeitschrift POLIS 01/2012: Partizipation

„Stuttgart 21“ hat eine breite Debatte über die Renaissance direkter Demokratie ausgelöst und die „Occupy“-Bewegung kann auf breite Unterstützung der Bevölkerung zählen. Welches aber sind die Voraussetzungen für Engagement und Partizipation? Inwieweit setzen diese auf Emanzipation abzielenden Begriffe gesellschaftliche Integration voraus und inwieweit kann politische Bildung einen Beitrag zu Partizipation leisten? Auf diese und ähnlich gelagerte Fragen gibt das vorliegende Heft Antworten.

Benedikt Widmaier fragt in seinem Beitrag, inwieweit Mitgliedschaften im Sportverein oder in politischen Parteien als bürgerschaftliches Engagement und damit als gemeinschaftsorientierte gesellschaftliche Teilnahme zu bezeichnen sind. Matthias Busch, Tilman Grammes und Christian Welniak plädieren dafür, sich mit den pädagogischen Traditionen des partizipatorischen Prinzips auseinanderzusetzen. Theo W. Länge und Jens Schmidt argumentiert für Erziehung und Ermunterung zu Partizipation über das Klassenzimmer und den Seminarraum hinaus auf die Straße zu tragen, um einen nachhaltigen gesellschaftlichen Widerhall zu finden. Sönke Zankel berichtet in der „Didaktischen Werkstatt“ über ein bemerkenswertes Forschungsprojekt, bei dem Schüler/innen Gleichaltrige zu einer Ausweitung der Mitbestimmungsrechte befragten, die sich für mehr direkte Demokratie aussprachen.

Wolfgang Gaise und Martina Gille skizzieren schließlich Ergebnisse der vom Deutschen Jugendinstitut im Jahre 2009 durchgeführten Studie „Politische Partizipation junger Menschen“. Durchweg wird (politische) Bildung in den Beiträgen als unabdingbares Fundament eines demokratischen Gemeinwesens skizziert. Somit ist die vorliegende Ausgabe der POLIS vor allem als Plädoyer zu begreifen – dafür, der „Diktatur des Sitzfleischs“ entgegenzutreten.

  • Benedikt Widmaier „Lifestyle-Politik und engagierte Bürgerschaft“
  • Theo Länge und Jens Schmidt „Politische Jugendbildung: Partizipation als Weg und Ziel“
  • Wolfgang Gaiser und Martina Gille „Politische Partizipation junger Menschen“
  • Matthias Busch, Tilman Grammes und Christian Welniak „Es kann sehr nett werden, wenn künftig die Schüler so Politik treiben“
  • Sönke Zankel „Schüler als Sozialforscher“

Zeitschrift POLIS 04/2011: Was die Gesellschaft zusammenhält

Was hält die Gesellschaft (noch) zusammen? Der einleitende Beitrag von Armin Scherb wirft einen Blick auf die Vieldimensionalität der Fragestellung, die sich naturgemäß einer umfassenden Bearbeitung in POLIS entzieht. Nicht berücksichtigt wird in diesem Heft die durch die expansive Entwicklung digitaler Netzwerke initiierten Veränderungen der Jugendkultur und deren ambivalenter Einfluss auf die politische Partizipation als Kit einer heterogenen Gesellschaft. Nicht berücksichtigt wird auch die politisch-ökonomische Dimension der Fragestellung, die in den aktuellen Finanzkrisen aufscheint. Beide Themen sollen in eigenen Heften bearbeitet werden.

Der Beitrag von Werner Friedrichs versucht soziologische Verengungen des Gesellschaftsbegriffs auf das zuerst von Ferdinand Tönnies thematisierte Verhältnis von Gesellschaft und Gemeinschaft und auf deren nationale Dimension zu verhindern. Vielmehr ist auch die internationale Dimension einzubeziehen. Dabei stellt Stefan Immerfall die Frage nach staatlicher Integration und der Bindungswirkung des europäischen Vereinigungsprozesses. Jenseits dieser eher empirisch orientierten Zugriffsweisen ist auch Antwort auf die Frage zu geben, wo trotz der Vielzahl und der Heterogenität zentrifugaler Tendenzen eine Kraft sichtbar wird, die die Differenzen nicht zum Auseinanderbrechen kommen lässt.

Einen Blick in Richtung Zusammenhalt erlaubt die normative Sichtweise auf die kommunitäre Dimension der Menschenrechte und der (nicht nur) von Heiner Bielefeldt eingeforderte Solidaritätsanspruch in den Menschenrechten. In der Didaktischen Werkstatt gibt Jutta Geier praktische Hinweise zur Nutzung des Integrationspotentials von Schulpartnerschaften im Rahmen der EU-Bildungsprogramme. In der Rubrik Diskussion/Position stellt Carl Deichmann seinen personenbezogenen Ansatz in der politischen Bildung vor.

  • Armin Scherb „Was hält die Gesellschaft (noch) zusammen?“
  • Werner Friedrichs „Randgänge in der Mitte der Gesellschaft“
  • Stefan Immerfall „Was hält die EU zusammen?“
  • Heiner Bielefeldt „Menschenrechte als Solidaritätsanspruch“
  • Jutta Geier „Wer ist schon „Europäer“?“
  • Carl Deichmann „Person und Politik: Der personenbezogene Ansatz in der politischen Bildung“

Zeitschrift POLIS 03/2011: Politische Bildung für bildungsbenachteiligte Jugendliche

Politische Bildung für bildungsbenachteiligte Jugendliche ist bisher kein prominentes Thema der politischen Bildung. Deshalb sollen im Themenschwerpunkt dieses Heftes neuere Überlegungen dazu vorgestellt werden. Albert Scherr geht der Frage nach, was denn für bildungsbenachteiligte Jugendliche eigentlich Politik ist und wo sie Berührungspunkte dazu sehen. Der Beitrag macht deutlich, dass Bildungsbenachteiligte keineswegs politisch desinteressiert sind. Es gehe darum, adäquat die Themen aufzugreifen, die von den Jugendlichen als relevant gesehen werden.

Marc Calmbach und Wiebke Kohl stellen Ergebnisse einer Studie vor, die sich auf die Politikwahrnehmung von „bildungsfernen“ Jugendlichen richtet. Auch sie betonen, dass politische Bildung hier ganz besonders an den Lebenswelten anschließen muss. Es komme darauf an, sich von einem zu engen Politikbegriff zu lösen und Linien zwischen den Lebenswelten der Jugendlichen und politischen Fragen zu ziehen. Stephanie Odenwald umreißt einen Bildungsansatz einer ostdeutschen Stadt, in dem der gesamte lokale Kontext mit in den Blick genommen wird.

Melanie Schuster skizziert ein Projekt der Bosch-Stiftung für bildungsbenachteiligte Jugendliche mit Migrationshintergrund. Dialogmoderatoren sollen dabei behilflich sein, ein Bewusstsein für die eigene Lage zu schaffen und für Verbesserungen zu sorgen. Das von Friedrun Erben vorgestellte Projekt richtet sich an Jugendliche mit geringen Bildungschancen, zu großen Teilen Jugendliche aus Migrationskontexten. Es geht um die im Dialog bearbeitete Frage, wo Jugendliche selbst in der Gesellschaft stehen. Der letzte Beitrag des Heftes von Björn Heidecke richtet sich auf ein anderes Themenfeld und greift einmal mehr und hier praxisorientiert die Problemwelt der Finanzmärkte auf.

  • Albert Scherr „Pädagogische Grundsätze für die politische Bildung unter erschwerten Bedingungen“
  • Marc Calmbach/Wiebke Kohl „Politikwahrnehmung und Politikverständnis von „bildungsfernen“ Jugendlichen“
  • Stephanie Odenwald „Hoyerswerda und das Konzept des lebenspraktischen Lernens – ein Lehrstück für Demokratie“
  • Melanie Schuster „Politische Bildung mit Jugendlichen in der Einwanderungsgesellschaft“
  • Friedrun Erben „Plädoyer für eine ressourcenorientierte Bildungsarbeit“

Zeitschrift POLIS 02/2011: Diagnostizieren, Leistung bewerten

Der wenig pädagogisch anmutende Begriff „Diagnostik“ weist auf ein zentrales Handlungsfeld im Lehrerberuf und ist an sich nichts Neues, sind damit doch die Ermittlung der Lernvoraussetzungen, die Analyse der Lernprozesse und die Feststellung der Lernergebnisse gemeint, um letztlich das individuelle Lernen zu optimieren. Wenn der Begriff aber spätestens „seit PISA“ in aller Munde ist, dann deutet dies darauf hin, dass dem Diagnostizieren im alltäglichen Unterricht mittlerweile ein höherer Stellenwert beigemessen wird. In der Politikdidaktik sind die Diskurse über die Diagnostik noch eher die Ausnahme.

Andreas Füchter führt deshalb in einem grundlegenden Beitrag in die Diagnose, Bewertung und Förderung der politischen Urteilsfähigkeit ein und stellt ein Diagnoseinstrument für den Politikunterricht vor. Mirka Mosch erforscht innerhalb eines größeren Forschungsvorhabens Chancen und Risiken des Diagnostizierens konzeptueller Schülervorstellungen zu Politik und Gesellschaft. Sie präsentiert uns erste Ergebnisse. Frank Langner stellt uns mit dem Portfolio ein Instrument zur schüler – orientierten Leistungsmessung vor, das den Zielen der politischen Bildung in besonderer Weise gerecht wird.

Schließlich zeigt uns Guido Steffens, wie der Einstieg in eine aktuelle Unterrichtsthematik gelingen kann und wie dabei nicht nur die Lernvoraussetzungen der Lernenden ermittelt, sondern vielmehr ihre Interessen berücksichtigt werden können. In den letzten POLIS-Ausgaben haben wir immer wieder über aktuelle Entwicklungen in der Kontroverse um den Stellenwert der ökonomischen Bildung an allgemeinbildenden Schulen berichtet. Daran knüpfen wir in dieser Ausgabe an und dokumentieren die Zusammenfassungen zweier Studien sowie eine Stellungnahme des Vorsitzenden des DVBP-Landesverbandes Schleswig-Holstein.

  • Andreas Füchter „Diagnose, Bewertung und Förderung des Erwerbs gesellschaftswissenschaftlicher Urteilsfähigkeit“
  • Mirka Mosch „Verstehen statt bewerten“
  • Frank Langner „Das Portfolio als Instrument zur Leistungsmessung und -beurteilung im politischen Unterricht“
  • Guido Steffens „Der arabische Aufstand – Ein Einstieg in eine Unterrichtssequenz“

Zeitschrift POLIS 01/2011: Staatlichkeit im Wandel

Im Schatten der Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten und den Auswirkungen auf die Realwirtschaft scheint die Mär von der Allmacht des Marktes entzaubert – und der Staat wieder en vogue. „Der Staat, der lange als lästig galt, als Störenfried, der die Wirtschaft einengt, ist plötzlich wieder zum Garanten für Wohlstand und wirtschaftliche Sicherheit geworden“, kommentierte Ulrich Schäfer unlängst in der Süddeutschen Zeitung. Wird die „Rückkehr des Staates“ aber dazu führen, dass die Bürger/innen wieder Vertrauen in ihn fassen? Auf diese und ähnliche Fragen versucht die vorliegende Ausgabe der POLIS Antworten zu geben.

Stephan Leibfried, Leiter des Sonderforschungsbereichs „Staatlichkeit im Wandel“ an der Universität Bremen, gibt in einem ausführlichen Interview unter dem Titel „Der moderne Staat ist für den Bürger zugleich treuster Freund und furchtbarster Feind“ Auskunft über unser ambivalentes Staatsverständnis. Annika Meng und Matthias Keese skizzieren den Wandel der sozialen Sicherungssysteme, indem sie die Entwicklung des bundesdeutschen Rentensystems darlegen. Andreas Klee, Luisa Lemme und Andreas Lutter bereiten den Wandel des Staates im Rahmen der „Didaktischen Werkstatt“ als Herausforderung für die politische Bildung auf.

Die „Tafelbewegung“ nimmt Stefan Selke, Autor des Bestsellers „Fast ganz unten“, als eine Signatur der Gegenwartgesellschaft in den Blick. Schließlich werden für diese Ausgabe der POLIS eingeholte Statements prominenter Persönlichkeiten wie Ronald Pofalla und Heribert Prantl in einen übergeordneten Kontext gerückt. Wir hoffen, dass die Vielschichtigkeit der in diesem Heft versammelten Beiträge Ihnen als Leser/innen Anlass bietet, das Thema „Staat im Wandel“ sowohl in der politischen als auch in der ökonomischen Bildung aufzugreifen.

  • Interview mit Stephan Leibfried „Der moderne Staat ist für den Bürger zugleich treuster Freund und furchtbarster Feind“
  • Matthias Keese und Annika Meng „Entwicklung und Wirkzusammenhänge der Rentenversicherung in Deutschland“
  • Stefan Selke „Grenzen der Zivilgesellschaft“
  • Tim Engartner „Wie hat sich der Staat in den letzten 20 Jahren gewandelt?“
  • Andreas Klee, Luisa Lemme, Andreas Lutter „Wandel des Staates als Herausforderung für die Didaktik der Politischen Bildung“

Zeitschrift POLIS 04/2010: Armes Deutschland – Politische Bildung vor sozialen Herausforderungen

Insgesamt 15% der Menschen in der Bundesrepublik sind von Armut bedroht, gelten als „armutsgefährdet“ – und das in einem reichen Land. Dennoch fällt auf, dass in der politischen Bildung und der Politikdidaktik nur wenige Reaktionen zu erkennen sind. Ist „Armut“ (k)ein Thema für das Fach? Das vorliegende Polis-Heft will dem nach gehen. Es wird eröffnet mit einem grundsätzlichen Bericht zur Lage von dem Armutsforscher Christoph Butterwegge. Er belegt, wie das Problem verharmlost und relativiert wird. Armut ist in den reichen Industrieländern oft eine „relative“, aber nichts desto weniger bedrückend. Von „extremer Armut“ berichtet Bernd Overwien, indem er den Blick auf die Länder und Menschen im Süden der Erde richtet.

Dass Armut nicht nur ein materiell-ökonomisches Problem ist, sondern auch Konsequenzen für Bildung hat, dokumentiert der Beitrag von Helmut Bremer. Er zeigt, welche Milieus in der Bundesrepublik von „Bildungsarmut“ betroffen sind und welche Herausforderungen sich für politische Bildung stellen. In prekären sozialen Verhältnissen befinden sich aber auch viele hoch qualifizierte „Freiberufler“ in der Bildungsarbeit – trotz gefüllten Terminkalenders. Einen Einblick in ein solches, durchaus ambivalentes Leben bietet der Beitrag von Rainer Spallek. Dagmar Richter markiert in einem Interview die Grenzen und Möglichkeiten der Politikdidaktik, sich diesem Thema zu widmen. Armut lässt sich im Unterricht vermitteln. Das beweisen Tim Engartner, Sara Alfia Greco und Jana Krüger in ihrem Beitrag zur „Didaktischen Werkstatt“. Wir hoffen, dass die Leserinnen und Leser in diesem Heft Anregungen finden, um in ihrer politischen Bildung bzw. in ihrem Unterricht das Thema „Armut“ aufzugreifen bzw. zu vertiefen.

  • Christoph Butterwegge „Armut in einem reichen Land“
  • Bernd Overwien „Armut im globalen Süden“
  • Helmut Bremer „Bildungsarmut, Politikferne und soziale Milieus“
  • Rainer Spallek „Armut und Reichtum im Leben eines Freiberuflers“
  • Interview mit Dagmar Richter: „Nicht vorführen, sondern Handlungsperspektiven zeigen“
  • Tim Engartner/Sara Alfia Greco/Jana Krüger „Arm in Deutschland“

Zeitschrift POLIS 03/2010: Politische Bildung – interkulturell

Die gegenwärtige Migrationsgesellschaft steht vor Herausforderungen, denen sich auch die Politische Bildung stellen muss. Die Politische Bildung sollte sich fragen, ob sie hinreichend zur Kenntnis genommen hat, welche Konsequenzen der migrationsbedingte Wandel für die Entwicklung des Bürgerbewusstseins hat. Genügen die aktuellen Konzeptionen interkultureller politischer Bildung den Anforderungen einer mündigen Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger in der Migrationsgesellschaft?

Zum Auftakt plädiert Dirk Lange in seinem Beitrag über Migrationspolitische Bildung für eine stärkere Reflexion dieses Themas in der Politischen Bildung und die Entwicklung adäquaterer Bildungsmaßnahmen. Anschließend stellt Sven Rößler Neuere Ansätze der Migrationsforschung vor, wobei er historisch gewachsenen Vorstellungen über Migrations- und Integrationsprozesse aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüberstellt. Tammo Grabbert analysiert die Ergebnisse einer Studie über Migration im niedersächsischen Schulbuch. Er verweist auf die Notwendigkeit einer Ausrichtung an neuen migrationsdidaktischen Prinzipien. Im Rahmen einer Untersuchung diskutiert Andreas Lutter, inwiefern in den Schülervorstellungen didaktische Anknüpfungspunkte für die migrationspolitische Bildung ersichtlich werden. Meike Jens präsentiert in der Didaktischen Werkstatt ein internationales Projekt zur Lehrer/-innenfortbildung im Rahmen einer Diskriminierungskritischen politischen Bildung. Auf S. 32 erörtert Andreas Brunold die aktuelle Diskussion um die Fachbezeichnung der Politikdidaktik. Die Leser sind zur Diskussion gerne eingeladen; entsprechende Beiträge können in einem nächsten Heft veröffentlicht werden. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

  • Dirk Lange „Migrationspolitische Bildung“
  • Sven Rößler „Neuere Ansätze der Migrationsforschung“
  • Tammo Grabbert „Migration im niedersächsischen Schulbuch“
  • Andreas Lutter „Migration und Integration im Bürgerbewusstsein“
  • Meike Jens „Diskriminierungskritische politische Bildung“

Zeitschrift POLIS 02/2010: Parteiensystem im Umbruch

Das Parteiensystem hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Ein Zweieinhalb- ist einem Fünfparteiensystem gewichen, die Volksparteien existieren nur noch als „Ruinen“, das Kräfteverhältnis innerhalb des Parteienspektrums hat sich zugunsten der kleineren Parteien verschoben. Frank Decker analysiert diese Veränderungen in der Parteienlandschaft und fragt nach den Konsequenzen, die sich daraus für die Koalitions- und Regierungsbildung ergeben. Werden die politischen Parteien ihren verfassungsrechtlichen Aufgaben noch gerecht? Sind sie noch das le bendige Bindeglied zwischen Staat und Gesellschaft? Tragen sie noch zur politischen Bildung und Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger bei?

Hubert Kleinert ist diesbezüglich eher skeptisch und konstatiert in seinem Beitrag die Krise der Parteiendemokratie. Den Ausgang der richtungsweisenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat Karl-Rudolf Korte für POLIS kommentiert und mit Erhard Eppler sprachen wir über den Zustand und die Zukunft der SPD als Volkspartei. In der Didaktischen Werkstatt wendet sich Marcus Grebe dem theoretischen Ansatz der Postdemokratie zu. Mit dieser Ausgabe verabschiedet sich die POLIS-Redaktion von Renate Kreile, Gerd Steffens und Wilhelm Wortmann und bedankt sich ganz herzlich für die langjährige engagierte und kollegiale Mitarbeit. Gleichzeitig begrüßen wir als neue Mitglieder in der Redaktion Bernd Overwien, Professor für Politische Bildung und ihre Didaktik an der Universität Kassel, und Tim Engartner, Akademischer Rat am Lehrstuhl für Wirtschaftsdidaktik an der Universität Duisburg-Essen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. Den aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird nicht entgangen sein, dass POLIS „umgezogen“ ist und seit der letzten Ausgabe im Wochenschau-Verlag erscheint. Auch über diese neue Zusammenarbeit freut sich die Redaktion sehr.

  • Frank Decker „Abschied vom Lagerdenken? Konsequenzen des neuen Fünfparteiensystems für die Koalitions- und Regierungsbildung“
  • Hubert Kleinert „Parteiendemokratie in der Krise“
  • Karl-Rudolf Korte „Die NRW-Wahl als politischer Einschnitt“
  • Interview mit Erhard Eppler „Ist die SPD wieder zurück?“
  • Marcus Grebe „Politikdidaktische Überlegungen zum postdemokratischen Dilemma“