2. bis 4. November 2023 in Weimar
Wir blicken auf einen erfolgreichen Bundeskongress Politische Bildung zum Thema „Gegenwartsdeutungen – Zukunftserzählungen“ zurück. Vom 2. bis 4. November 2023 haben sich dazu Akteur:innen politischer Bildung aus Wissenschaft und Praxis in verschiedenen Diskussionsrunden und Workshops in Weimar zu aktuellen und zukünftigen Fragen der politischen Bildung auseinandergesetzt. Insgesamt sind mehr als 1000 politische Bildner:innen aus Schule, außerschulischer politischer Bildung und Hochschule auf dem Kongress zusammengekommen. Schon frühzeitig waren die Teilnahmeplätze vergeben. Neben der DVPB haben erneut die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) und der Bundesausschuss Politische Bildung (bap) den Bundeskongress mitorganisiert.
Darüber hinaus haben in allen Sektionen DVPB-Mitglieder mitgewirkt und waren bei den Workshops und dem Rahmenprogramm vertreten, was wesentlich zum Gelingen des Bundeskongresses beigetragen hat. Im Mittelpunkt des 15. Bundeskongresses stand im weitesten Sinne die Frage nach der Gestaltung politischer Bildung in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. Mit diesen Umbrüchen gehen einerseits sichtbar werdende innergesellschaftliche Spannungslinien und eine zunehmende Polarisierung einher. Besonders auffällig ist das etwa am aufgeheizten Diskussionsklima zum jüngsten Nahostkrieg geworden. Dessen Ausgangspunkt, der terroristische Angriff der Hamas auf Israel, fand nur wenige Wochen vor der Veranstaltung statt und bestimmt(e) seitdem zahlreiche Diskussionen – auch auf dem Bundeskongress, etwa in der Sektion „Kritik der Postmoderne – Werte und Wahrheit“ sowie einem kurzfristig eigens zu diesem Thema eingerichteten Diskussionsforum. Die Umbrüche und die Diskussionen um sie herum sind andererseits aber auch ein Motor für gesellschaftliche Transformationsprozesse, etwa im Umgang mit Rassismen und Diskriminierung, der nachhaltigen Entwicklung oder der Digitalisierung. In diesem Spannungsfeld sollte auch die für die politische Bildung so zentrale Frage diskutiert werden, in welchem normativen Rahmen sie sich bewegen soll und kann. In jedem Fall kommt der politischen Bildung in Transformations- und Umbruchphasen eine besondere Rolle zu. Der Bundeskongress verstand sich als ein Forum, das zur Diskussion darüber einlädt. In den insgesamt 15 interdisziplinär besetzten Sektionen haben Wissenschaftler:innen aus Fachwissenschaft und Fachdidaktik Einblicke in gegenwärtige und zukünftige gesellschaftliche Entwicklungslinien geboten. In anschließenden Vertiefungsworkshops konnten die Teilnehmenden die dabei aufgeworfenen Thesen mit dem Podium diskutieren. Die Bandbreite der Themen reichte dabei von Demokratisierung, Nachhaltigkeit und Globalisierung bis hin zu Rassismus/Antisemitismus oder Digitalisierung und Desinformation. Einige Sektionen wurden live gestreamt, die Video- bzw. Audioaufnahmen der Sektionen sind über die Homepage der BpB weiterhin abrufbar. Darüber hinaus gaben vor allem die praxisorientierten Workshopangebote Einblicke, wie politische Bildung in Umbruchzeiten mit vielfältigen Zielgruppen gestaltet werden kann. Zahlreiche Workshopformate luden zum handlungsorientierten Ausprobieren vielfältiger methodischer Zugänge politischer Bildungsarbeit ein.
Neben den vielfältigen Angeboten, die in der Weimarhalle stattgefunden haben, waren die Weimar-Workshops ein besonderes Highlight des Kongresses. Politische und politisch-historische Bildner:innen aus Weimar und Umgebung luden an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet dazu ein, ihre Arbeit näher kennenzulernen. Dies gestattete unweit entfernt vom zentral gelegenen Veranstaltungsort der Weimarhalle auch die Möglichkeit, die Klassikerstadt selbst zu erkunden. So boten beispielsweise Stadtspaziergänge zu verschiedenen Themen Einblicke in die wechselvolle Geschichte Weimars bis in die Gegenwart und sogar die Zukunft. Schließlich komplettierte ein umfangreiches Rahmenprogramm das Angebot.
Eröffnet wurde der 15. Bundeskongress durch ein Grußwort der Bundesministerin des Inneren und für Heimat, Nancy Faeser. Neben Grußworten der Veranstalter:innen zählten zur Auftaktveranstaltung auch Vorträge zu den Themen der (Post)Migrationsgesellschaft (Naika Foroutan, HU Berlin) und der sozial-ökologischen Transformation (Raj Kollmorgen, Hochschule Zittau/ Görlitz), eine anschließende Podiumsdiskussion mit den Vortragenden und dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, sowie einer Performance der Afrofuturistin Ingrid LaFleur.
Am zweiten Kongresstag konnten die Besucher:innen des Bundeskongresses zwischen zwei verschiedenen Abendveranstaltungen wählen. Neben dem Schauspiel „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen im Deutschen Nationaltheater lud der Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport, Helmut Holter, zum Abendempfang. Hierbei kam auch die herausfordernde Lage der schulischen politischen Bildung in Thüringen zur Sprache, wollte das Bildungsministerium die im Ländervergleich sowieso schon geringen Stundenkontingente des Schulfachs Sozialkunde am Gymnasium auf nur noch eine obligatorische Unterrichtsstunde kürzen, wozu es dank des intensiven Einsatzes des Thüringer DVPB-Landesverbandes letztlich nicht kam. Zudem wurde in Veranstaltungen und an den Ständen der Organisationen Protest gegen die zu dieser Zeit geplanten Kürzungen der Mittel für politische Bildung artikuliert.
Am Samstagmittag wurde der Bundeskongress mit dem als Fishbowl-Diskussion organisierten Abschlussplenum beendet. Neben den Diskussionspartner:innen aus den Reihen der Veranstalter:innen, Andrea Szukala für die DVPB, Cemile Giousouf für die BpB und Wilfried Klein für den bap, wurde hier auch den Teilnehmenden die Möglichkeit geboten, über die Frage zu diskutieren, wie die politische Bildung der Zukunft aussehen soll. Neben den umfangreichen und vielfältigen inhaltlichen Angeboten muss schließlich nicht zuletzt die organisatorische und kulinarische Begleitung des Bundeskongresses durch die Mitarbeitenden vor Ort hervorgehoben werden. Diese haben auch jenseits der Sektionen, Workshops und Vorträge einen Raum für den Austausch und die Diskussion geschaffen. Beides gilt auch für den Ausstellungsstand der DVPB. An allen drei Kongresstagen hat ein spannender und intensiver Austausch von und mit politischen Bildner:innen stattgefunden. Wir danken nochmals herzlich allen Mitgliedern der verschiedenen Landesverbände für die Betreuung des Standes!
Alle weiteren Informationen zum BuKo2023 finden Sie hier.