Am 30. September hat das Bistum Mainz bekannt gegeben, dass in seiner Trägerschaft stehende Haus am Maiberg in Heppenheim zum 31. Dezember 2022 zu schließen.
Der Bundesvorstand der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) hält diese Entscheidung für einen bildungspolitischen, wissenschaftspolitischen und kirchenpolitischen Fehler.
Das Haus am Maiberg gehört seit Jahrzehnten zu den herausragenden Einrichtungen der außerschulischen politischen Bildungsarbeit in Deutschland. Gute politische Bildungsarbeit braucht verlässliche, gewachsene Strukturen in Form von eigenständigen Bildungshäusern, die mit einem langfristig engagierten und regelmäßig fortgebildetem Personal arbeiten können. Einrichtungen wie das Haus am Maiberg sind Bildungsorte im besten Sinne, sie ermöglichen Bildungsprozesse und Begegnungen, wie sie weder die Schule noch außerschulische projektbasierte kurzfristige Bildungsangebote bieten können. Die angedachte Auslagerung der Aufgaben des Haus am Maiberg in andere Bereiche des Bistums kann dies nicht kompensieren.
Was das Haus am Maiberg darüber hinaus in besonderer Weise auszeichnet, ist seine enge Anbindung an die wissenschaftliche Politische Bildung. Das Haus am Maiberg ist immer wieder Austragungsort für relevante wissenschaftliche Fachtagungen der Politischen Bildung, von denen wichtige Impulse für die Disziplin ausgehen. Hierzu gehören auch vielfältige Veröffentlichungen aus dem Haus selbst, die in der Politischen Bildung breit rezipiert werden. Darüber hinaus ist das Haus am Maiberg eine wichtige Schnittstelle, weil dort systematisch die wissenschaftliche Politische Bildung mit der Praxis der außerschulischen Politischen Bildung zusammengeführt wird. Der Wegfall dieses hierfür zentralen Ortes würde eine erhebliche Schwächung dieses so wichtigen Austauschs bedeuten.
Und schließlich: Wir erleben eine Zeit zunehmenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Verschwörungstheorien und die systematische Verächtlichmachung unserer Demokratie nehmen gerade in der Corona-Krise zu. Aus unserer Sicht ist eine starke Kirche in krisenhaften Zeiten wie den unseren in besonderer Weise dazu aufgerufen, den Menschen nicht nur Transzendenz, Glaube und Orientierung zu vermitteln; eine starke Kirche ist auch dazu aufgerufen für den Erhalt und die Verteidigung der freien Gesellschaft einzutreten. Denn eine freie Gesellschaft ist letztlich auch der Grund, auf dem eine starke Kirche überhaupt erst gedeihen kann.
Wir rufen deswegen die Verantwortlichen, insbesondere das Bistum Mainz und den ihm vorstehenden Bischof Peter Kohlgraf dazu auf, die Schließung des Hauses am Maiberg zu überdenken. Denn das Haus am Maiberg ist eine Einrichtung die beides leistet: Sowohl Bildungsprozesse im Sinne einer kirchlich geprägten Werteordnung als auch politische Bildungsprozesse, wie sie gegenwärtig angesichts der beschriebenen gesellschaftspolitischen Entwicklungen dringlicher denn je erscheinen.
Der Bundesvorstand der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB)
am 07.10.2020