„Stuttgart 21“ hat eine breite Debatte über die Renaissance direkter Demokratie ausgelöst und die „Occupy“-Bewegung kann auf breite Unterstützung der Bevölkerung zählen. Welches aber sind die Voraussetzungen für Engagement und Partizipation? Inwieweit setzen diese auf Emanzipation abzielenden Begriffe gesellschaftliche Integration voraus und inwieweit kann politische Bildung einen Beitrag zu Partizipation leisten? Auf diese und ähnlich gelagerte Fragen gibt das vorliegende Heft Antworten.
Benedikt Widmaier fragt in seinem Beitrag, inwieweit Mitgliedschaften im Sportverein oder in politischen Parteien als bürgerschaftliches Engagement und damit als gemeinschaftsorientierte gesellschaftliche Teilnahme zu bezeichnen sind. Matthias Busch, Tilman Grammes und Christian Welniak plädieren dafür, sich mit den pädagogischen Traditionen des partizipatorischen Prinzips auseinanderzusetzen. Theo W. Länge und Jens Schmidt argumentiert für Erziehung und Ermunterung zu Partizipation über das Klassenzimmer und den Seminarraum hinaus auf die Straße zu tragen, um einen nachhaltigen gesellschaftlichen Widerhall zu finden. Sönke Zankel berichtet in der „Didaktischen Werkstatt“ über ein bemerkenswertes Forschungsprojekt, bei dem Schüler/innen Gleichaltrige zu einer Ausweitung der Mitbestimmungsrechte befragten, die sich für mehr direkte Demokratie aussprachen.
Wolfgang Gaise und Martina Gille skizzieren schließlich Ergebnisse der vom Deutschen Jugendinstitut im Jahre 2009 durchgeführten Studie „Politische Partizipation junger Menschen“. Durchweg wird (politische) Bildung in den Beiträgen als unabdingbares Fundament eines demokratischen Gemeinwesens skizziert. Somit ist die vorliegende Ausgabe der POLIS vor allem als Plädoyer zu begreifen – dafür, der „Diktatur des Sitzfleischs“ entgegenzutreten.
- Benedikt Widmaier „Lifestyle-Politik und engagierte Bürgerschaft“
- Theo Länge und Jens Schmidt „Politische Jugendbildung: Partizipation als Weg und Ziel“
- Wolfgang Gaiser und Martina Gille „Politische Partizipation junger Menschen“
- Matthias Busch, Tilman Grammes und Christian Welniak „Es kann sehr nett werden, wenn künftig die Schüler so Politik treiben“
- Sönke Zankel „Schüler als Sozialforscher“