DVPB Bundesvorsitzender hält Antrittsvorlesung

Herzliche Glückwünsche an unseren Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Alexander Wohnig zur Professur für die Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Siegen. Zum festlichen Ereignis der Antrittsvorlesung unseres Bundesvorsitzenden an der Universität Siegen zum Thema „Ambivalenzen politischer Bildung“ waren wir vom Bundesvorstand der DVPB am 16. April 2026 erfreulicherweise eingeladen.

Ilka Hameister, Prof. Dr. Alexander Wohnig, Benedikt Widmaier und Christel Schrieverhoff (v.l.n.r)

Der Vertreter des Dekanats, Herr Prof. Dr. Christian Lahusen begrüßte die zahlreichen Gäste aus den verschiedenen Tätigkeits- und Lebensbereichen von Alexander Wohnig im mehr als vollbesetzten Saal des Uni-Campus Siegen und hob seine große Freude über den Eintritt von Alexander Wohnig in die Philosophische Fakultät sowie über das gewählte Format der Antrittsvorlesung in mehrfacher Hinsicht als sehr gewinnbringend für den UNI-Standort Siegen hervor. Schon seit 2012 war er in unterschiedlichen Funktionen am Seminar für Sozialwissenschaften zuletzt als Juniorprofessor aktiv und hat in besonderer Weise die Arbeit an der Fakultät fachlich und durch seine dialogische auf Teamarbeit ausgerichtete engagierte Vorgehensweise in der Gremien- und Forschungsarbeit sowie im Umgang mit den Studierenden menschlich sehr bereichert. Ebenso hob er die die Netzwerk- und Brückenbauerqualitäten hervor, die dazu geeignet sind das „Standing“ der Fakultät und die Didaktik der Sozialwissenschaften innerhalb der Universität Siegen und darüber hinaus qualitätsvoll auch durch die kreative Gewinnung von Drittmitteln, Forschungspartnerschaften, Verbändekooperationen etc. weiterzuentwickeln und so zur Demokratiestärkung durch politische Bildung beizutragen.

Mit dem gewählten Format der Antrittsvorlesung bot uns Alexander Wohnig folgenden inspirierenden Einblick in seine wissenschaftliche Forschungsarbeit:

Politische Bildung als Arbeit mit und für Ambivalenzen

In seiner Antrittsvorlesung mit dem Titel „Ambivalenzen politischer Bildung“ entfaltete Alexander Wohnig eine pointierte Zeitdiagnose eines Feldes, das gegenwärtig stark beansprucht, politisch aufgeladen und in seinem diskursiven Gebrauch zugleich begrifflich entleert erscheint. Statt in den Vordergrund zu stellen, was politische Bildung leisten soll, führte er dabei die Zuhörenden durch zentrale Diskursfelder, die exemplarisch sichtbar machen, was politische Bildung verdeckt, wenn sie zu rasch behauptet, bereits zu wissen, was sie ist.

Politische Bildung, so Wohnigs Diagnose, werde derzeit häufig in Form großer Eindeutigkeiten angerufen: Sie wirke, sie sei inklusiv, sie stärke Resilienz, sie beuge Extremismus vor. Dieser Duktus von Klarheiten sei zu problematisieren. Denn sie verschiebt die Aufmerksamkeit weg von jenen Konflikten, Spannungen und gesellschaftlichen Widersprüchen, aus denen politische Bildung ihre eigentliche Bedeutung gewinnt. Wo politische Bildung zu rasch als Lösung erscheint, droht sie den politischen Charakter der Probleme zu verlieren, auf die sie antworten soll.

Zentral ist Wohnigs Diagnose einer doppelten Bewegung: Die Funktion politischer Bildung wird politisiert (etwa als Extremismusprävention oder Demokratiesicherung), während ihre Inhalte zugleich entpolitisiert werden. Politische Bildung soll wirksam, förderlogisch nachweisbar und institutionell anschlussfähig sein; als Ort kontroverser Analyse gesellschaftlicher Macht-, Ungleichheits- und Herrschaftsverhältnisse tritt sie jedoch zurück. An Beispielen wie sozialer Erfahrung, Partizipation, Subjektorientierung, Inklusion, Nachhaltigkeitsbildung und digitalen Medien zeigt Wohnig, wie tief diese Ambivalenzen in zentrale Selbstverständlichkeiten des Feldes eingeschrieben sind. Daraus ergibt sich die Frage, ob politische Bildung gegenwärtig in etwas transformiert wird, das ihren Namen noch trägt, ihren kritischen Kern aber verliert.

Prof. Dr. Alexander Wohnig, Bundesvorsitzender der DVPB

Der Vortrag endete jedoch nicht kulturpessimistisch. Wohnigs Perspektive ist keine Absage an politische Bildung, sondern der Versuch, ihren Begriff aus ihren Ambivalenzen heraus neu zu schärfen. Politische Bildung erscheint dann als Arbeit an Widersprüchen: als Kritik der politischen Bildung selbst, als Kritik bestehender Verhältnisse und als Sozialkritik. Bildung beginnt dort, wo Eindeutigkeiten brüchig werden, wo Erfahrungen nicht einfach bestätigt, sondern befragt werden, wo Lernende Gründe haben, gesellschaftliche Handlungsprobleme zu ihren eigenen Lernproblemen zu machen.

Für die DVPB ist diese Perspektive von Bedeutung: Als Fachverband politischer Bildung steht sie schließlich nicht nur für die Interessenvertretung eines Unterrichtsfaches oder eines professionellen Feldes. Sie ist auch ein Ort, an dem die Grundfragen politischer Bildung öffentlich, kontrovers und fachlich verantwortet verhandelt werden und sie setzt sich zugleich dafür ein, dass diese Verhandlung auch im gesellschaftlichen und politischen Raum möglich bleibt. Denn demokratische politische Bildung darf Demokratie nicht nur bestätigen; sie muss auch fragen, wo demokratische Versprechen uneingelöst bleiben.

Für deine berufliche Zukunft wünschen wir dir gutes Gelingen auf dem Weg zur Stärkung der Demokratie durch politische Bildung und eine weiterhin spannende Lebensreise im Kreise deiner Weggefährt/innen. Ein besonderer Dank gilt auch dem Uni-Team von Alexander für die Willkommenskultur.

Ilka Hameister und Christel Schrieverhoff für den Bundesvorstand